Stand: 29.02.2016 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

Eine markante technische Korrektur des Goldpreises lässt weiter auf sich warten. Aktuell kann man auf dem erhöhten Niveau allenfalls von einer Atempause sprechen. Der bisherige Monatsgewinn stellte bislang den höchsten Wert seit vier Jahren dar.

Namenstechnisch unterscheidet sich Geld von Gold zwar lediglich durch einen Buchstaben, wesenstechnisch klaffen zwischen beiden Währungen jedoch Welten. Die Krisenwährung "Gold" bleibt weiterhin stark gefragt - zumindest beim Vergleich mit dem Niveau von Mitte Dezember. Der allgemeine Vertrauensverlust der Anleger lässt sich besonders gut an der Entwicklung des weltgrößten Gold-ETFs SPDR Gold Shares ablesen. Während dessen gehaltene Goldmenge im Jahr 2015 um 66,65 Tonnen zurückging, war allein in den ersten acht Wochen Zuflüsse von rund 120 Tonnen registriert worden. Diese Statistik sagt wohl mehr als tausend Worte.

Notenbanken weiter in der Bredouille

Bargeldverbot und Negativzinsen, an den Finanzmärkten wird darüber heftig diskutiert und spekuliert. In der vergangenen Woche waren von einigen Notenbankern ungewohnt offene Worte zu hören. Auf einer Veranstaltung in Frankfurt meinte zum Beispiel Thomas Jordan, der Chef der Schweizer Nationalbank (SNB), dass man Zinsen nicht beliebig tief in den negativen Bereich senken könne. Irgendwann dürfte seiner Meinung nach eine Flucht ins Bargeld einsetzen. Zur Erinnerung: Weil die Schweiz seit Jahrhunderten als sicherer Hafen gilt, gab es in den vergangenen Jahren aufgrund der Inflation an Krisen eine regelrechte Flucht in den Schweizer Franken zu beobachten. Dies gefiel den SNB-Verantwortlichen aufgrund der sinkenden Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft gar nicht. Die milliardenschweren Interventionen zur Stärkung des Euro mussten die Eidgenossen vor einem Jahr allerdings aufgeben. Gegen die Kräfte des Marktes war man machtlos. Und auch das Einführen von Negativzinsen brachte bislang kaum Entspannung.

Diese Erfahrung musste nun auch die japanische Notenbank machen. Um den Yen zu schwächen, führte sie Ende Januar für Finanzinstitute Negativzinsen in Höhe von 0,1 Prozent ein. Doch entgegen der Erwartung hat sich der japanische Yen gegenüber anderen wichtigen Währungen deutlich verteuert. Nachdem das massive Aufkaufen japanischer Staatsanleihen weder einen nachhaltigen konjunkturellen Aufschwung noch ein Anziehen der Inflation ausgelöst hat, probiert man nun offensichtlich etwas anderes aus. Es ist jedoch zu befürchten, dass der gewünschte Effekt einmal mehr ausbleiben könnte. Insbesondere, wenn das chinesische Wirtschaftswachstum schwächer als erwartet ausfallen sollte und die japanische Bevölkerung ihr Geld nicht wie erhofft ausgibt, sondern aus Angst vor der Zukunft zurückhält. In diesen unsicheren Zeiten scheint lediglich eines sicher zu sein: Wir erleben derzeit das größte geldpolitische Experiment aller Zeiten - mit völlig offenem Ausgang.

Bargeld: Cash is king - noch!

Wie SNB-Chef Jordan jüngst erklärt hat, könnten die Bürger im Falle von Negativzinsen eine kontraproduktive Bargeldflucht auslösen. Aber was, wenn Bargeld abgeschafft wird? Wenn es nach dem EZB-Rat geht, dürfte der 500-Euro-Schein als erstes geopfert werden. Medienberichten zufolge habe sich im EZB-Rat eine große Mehrheit für dessen Abschaffung ausgesprochen und den Banknotenausschuss beauftragt, die hierfür notwendigen technischen Fragen zu klären.

Überlegungen über eine generelle Abschaffung des Bargelds gelten noch als "Hirngespinste", Einschränkungen des Bargeldverkehrs sind in einigen europäischen Ländern aber bereits Realität. Eine Anfang Februar durchgeführte Umfrage der GfK zum Thema Bargeld lieferte interessante Erkenntnisse: Erstens: Eine Abschaffung der 1- und 2-Cent-Münzen fände eine Mehrheit von 61 Prozent der Befragten "gut" oder "sehr gut". Zweitens: Ein Abschaffen des 500-Euro-Scheins fänden lediglich 45 Prozent gut oder sehr gut. Drittens: Eine Bargeldobergrenze in Höhe von 1.000 Euro fänden 37 Prozent "gut" oder "sehr gut". Und viertens: Die völlige Umstellung von Bargeld auf elektronische bzw. Kartenzahlung fänden lediglich acht Prozent "gut" oder "sehr gut". Eine große Mehrheit von 67 Prozent fände eine solche Maßnahme hingegen "schlecht" (siehe Grafik).

Umfrage Ergebniss zur Abschaffung von Bargeld

Ausblick für die laufende Woche

An den internationalen Finanzmärkten kann man derzeit eine gewisse Richtungslosigkeit und weiterhin ein hohes Maß an Nervosität feststellen. Am Freitag fielen einige US-Konjunkturindikatoren besser als erwartet aus, was mit Blick auf das FedWatch-Tool des US-Terminbörsentreibers die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung wieder auf 12 Prozent gehievt hat. Mitte des Monats tendierte dieses Orakel noch in Richtung null Prozent. In den kommenden Tagen müssen diverse Einkaufsmanagerindizes - unter anderem aus China - verdaut werden. Als schwere Kost könnte sich auch die anstehende Flut an US-Arbeitsmarktdaten erweisen, dessen Höhepunkt mit dem Februarbericht des US-Arbeitsministeriums am Freitag erfolgen wird. Eine vom Wall Street Journal veröffentlichte Umfrage unter Analysten deutet auf eine unveränderte Arbeitslosenrate von 4,9 Prozent und einen Anstieg neu geschaffener Stellen von 151.000 auf 190.000 hin. So richtig schwach scheint die US-Wirtschaft bislang nicht zu sein.

Goldpreis - Anhaltende Kaufwut im Februar
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
Weitere Beiträge:
MEISTDISKUTIERTE ARTIKEL
MEISTGELESENE ARTIKEL
Kommentar zum Artikel schreiben
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Kommentare [1]
  • von Goldmann | 04.03.2016, 11:52 Antworten

    Die Abschaffung des Geldes ist doch nichts Neues.
    Habe in der Schule gelernt,saß es im Kommunismus kein Geld mehr
    bedarf.
    Jeder arbeite nach seinen Bedürfnissen.
    Habe nur nicht gedacht daß es so schnell ginge.

Copyright © 2009-2017 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr. Sie betrachten die Seite: Gold.de - Gold und Silber kaufen im Preisvergleich

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany