Stand: 25.07.2016 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Der Goldpreis musste zum zweiten Mal in Folge einen Wochenverlust hinnehmen. Angesichts der deutlich nachgelassenen Risikoaversion – siehe internationale Aktienmärkte in Europa, Asien und Amerika – kann man dem gelben Edelmetall aber dennoch ein hohes Maß an relativer Stärke attestieren.

Unter charttechnischen Aspekten muss man sich um den Goldpreis aber noch keine Sorgen machen. Das Marktsentiment trübte sich zwar durch das Anfang Juli generierte Verkaufssignal beim Timingindikator Relative-Stärke-Index leicht ein, im Februar erwies sich ein solches allerdings schon einmal als Fehlsignal ("Bärenfalle"). Besonders überzeugen kann der Krisenschutz Gold derzeit durch zwei Faktoren.

Erstens: Das mit dem diesjährigen Ausbruch aus dem mehrjährigen Abwärtstrend generierte Trendwechselsignal hat kaum an Strahlkraft verloren und ist nach wie vor intakt.

Zweitens: Sowohl die mittelfristige 100-Tage-Linie als auch die langfristige 200-Tage-Linie tendieren eindeutig bergauf – und das sehen chartorientierte Investoren mehrheitlich als Indiz für einen anhaltenden Aufwärtstrend. Derzeit profitieren offensichtlich sowohl Aktien als auch Edelmetall wie Gold und Silber von der rund um den Globus zu beobachtenden Geldflut wichtiger Notenbanken.

Kranke Banken sprechen für Gold

Wenn hier zu Lande über marode Banken diskutiert wird, denken die meisten zuallererst an griechische, italienische oder spanische Banken. In diesem Punkt sollten deutsche Anleger aber schleunigst umdenken. Denn vor allem bei der Deutschen Bank hat sich die Bonität nach diversen Finanzkrisen erheblich verschlechtert. Negative Schlagzeilen gab es in den vergangenen Wochen beim Branchenprimus Deutsche Bank zuhauf. Deren US-Tochter fiel nämlich zum wiederholten Mal durch den von der US-Notenbank Fed durchgeführten Stresstest.

DerInternationale Währungsfonds (IMF) stuft die Deutsche Bank sogar als risikoträchtigste Bank der Welt ein. Bereits vor zwei Monaten stufte die Ratingagentur Moodys die Bonitätsnote für langfristige Einlagen und für die Deutsch Bank als Gegenpartei etwa im Derivategeschäft von "A2" auf "A3" herab. In der vergangenen Woche bestätigte zwar Standard & Poors die Bonität der systemrelevanten Großbank zwar, reduzierte aber den Ratingausblick von "stabil" auf "negativ". Am kommenden Freitag wird die Europäische Bankenaufsicht (EBA) die Ergebnisse ihres Stresstests kommunizieren. Dabei dürfte die Finanzwelt aber wieder einmal vor allem auf das Ergebnis der italienischen Banken stark achten.

Neben den Noten diverser Ratingagenturen kann man die Ausfallrisiken eines Schuldners vor allem an sogenannten Credit Default Swaps (CDS) ablesen. Sie zeigen vereinfacht ausgedrückt an, was es kostet sich gegen die Pleite eines Schuldners zu versichern. Beim Deutschen Derivate Verband kann man die täglich aktualisierten CDS nachlesen und dürfte derzeit ziemlich staunen. Denn mit 201,87 Basispunkten landete die Deutsche Bank auf dem vorletzten Platz (siehe Tabelle). Noch riskanter ist bei dieser Auswahl an Instituten lediglich die griechische Eurobank Ergasias (1.013,38 Punkte). Selbst die österreichische Erste Group (143,72), die spanische Banco Santander (138,06), die Commerzbank (111,83) bzw. die HypoVereinsbank / UniCredit Bank (96,95 scheinen mit Blick auf diese Risikokennzahl weniger riskant zu sein als die einst so stolze Deutsche Bank. Statt substanzarmes Papiergeld bei wenig soliden Banken zu deponieren, spricht trotz der diesjährigen Goldpreisrally offensichtlich weiterhin einiges dafür, einen Teil des liquiden Privatvermögens in Gold zu "bunkern".

Auswahl an Credit Default Swaps

Unternehmen Credit Default Swaps
Bundesrepublik Deutschland 17,02
Rabobank 52,7
LBBW 53,64
J.P. Morgan 57,17
SEB 63,37
ING-Bank 64,3
UBS Investment Bank 64,33
Crédit Agricole 72,82
Société Générale 74,17
Bank of America 74,39
Citigroup 75,12
BNP Paribas 76,38
NATIXIS 77,83
HSBC Trinkaus 79,76
Nomura Bank International 88,28
Morgan Stanley 90,01
Goldman Sachs 91,37
Lloyds Banking Group plc 93,08
HypoVereinsbank/UniCredit Bank AG 96,95
Macquarie Bank Ltd. 110,05
Commerzbank 111,83
BARCLAYS Bank 112,84
Royal Bank of Scotland plc 123,71
RBS N.V. (ehemals ABN AMRO Bank N.V.) 127,01
Credit Suisse 134,25
Banco Santander 138,06
Erste Group Bank 143,72
HSH Nordbank 172,22
Deutsche Bank 201,87
Eurobank Ergasias S.A. 1.013,38

Quelle. Deutscher Derivate Verband e.V.; Stand: 22. Juli 2016

Ausblick für die laufende Woche

Am Mittwochabend steht die mit Spannung erwartete Bekanntgabe des Sitzungsergebnisses der US-Notenbank Fed an, am Donnerstag folgt dann noch die Bank von Japan. Nachdem der Brexit-Schock relativ gut überstanden wurde, scheinen nun die US-Notenbanker ein Anheben der Leitzinsen noch in diesem Jahr wieder für möglich zu halten. Darauf deutet zumindest eine Reuter-Umfrage unter Analysten hin. Eine Mehrheit erwartet auf der Sitzung im Dezember den nächsten Zinsschritt, schließlich sprechen mit den anhaltenden Brexit-Unsicherheiten und der US-Präsidentenwahl am 8. November gleich zwei Faktoren für ein Abwarten. Häufig gelten steigende Zinserwartungen als Verkaufsgrund für Gold.

Diese vermeintliche Regel scheint derzeit aber eher nicht zu greifen, schließlich gab der Goldpreis – gemessen vom Anfang Juli erzielten Zweijahreshoch – bislang lediglich 3,6 Prozent ab. Dass die Liste der Risikofaktoren weiterhin extrem lang ist, dürfte auch ein Grund für die relative Stärke des Goldpreises gewesen sein, Türkei, Terror, Trump – allein der Buchstabe "T" liefert einige Argumente, die für eine anhaltende Kapitalflucht in den sicheren Hafen Gold sprechen. Zudem sind sämtliche Probleme mit dem Buchstaben "G" wie zum Beispiel Großbritannien, Griechenland und Geldflut von einer Lösung meilenweit entfernt. Nicht zu vergessen der oben erwähnte EBA-Bankenstresstest. In solch stressigen Zeiten kann man mit einem markanten Goldexposure sicherlich etwas besser schlafen als ohne.

Goldpreis: Aufwärtsdynamik gerät ins Stocken
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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