Stand: 11.04.2016 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Mit über 16 Prozent erzielte der Goldpreis in den Monaten Januar bis März den höchsten Quartalsgewinn seit fast 30 Jahren. Im April schaltete das gelbe Edelmetall zwar einen Gang zurück, von einer markanten Korrektur kann aber noch nicht gesprochen werden.

Russen und Chinesen stocken Goldreserven auf

In der vergangenen Woche veröffentlichte der World Gold Council aktuelle Zahlen zur Entwicklung der offiziellen Goldreserven für den Monat Februar. Diese lieferten kein einheitliches Bild. Während nämlich die Türkei ihre Goldbestände um über 37 auf nunmehr 479,4 Tonnen - also um ein Siebtel - reduziert hat, wiesen Russen und Chinesen mit 11,07 bzw. 9,95 Tonnen unter sämtlichen Nationen die stärksten Goldkäufe aus. Doch im Vergleich zu den Monaten zuvor hat ihr Appetit auf Gold signifikant nachgelassen. Russlands Notenbank kaufte im Vergleich zum Vormonat fast 49 Prozent weniger Gold, bei der People&39;s Bank of China belief sich das Minus auf fast 39 Prozent. Zur Erinnerung: Im zweiten Halbjahr 2015 kauften die Chinesen pro Monat durchschnittlich 17,31 Tonnen und die Russen 23,25 Tonnen des gelben Edelmetalls (siehe Grafik). Besonders interessant ist dabei die Tatsache, dass beide Landeswährungen in den vergangenen zwölf Monaten gegenüber dem Dollar massiv an Wert verloren haben.

Goldman Sachs rät zum Goldverkauf

In einer Ende März publizierten Studie des World Gold Council wurde übrigens darauf hingewiesen, dass die Nettokäufe der Notenbanken in der zweiten Jahreshälfte 2015 mit 336 Tonnen einen neuen Rekord aufgestellt hatten. Die Analysten des Verbands der Goldminenindustrie gehen davon aus, dass die Notenbanken in diesem Jahr und darüber hinaus neue Rekordkäufe tätigen werden. Jeffrey Currie, der Chef der Rohstoffanalyse bei Goldman Sachs, sieht bezüglich der Perspektiven des Goldpreises hingegen eher schwarz. Am vergangenen Dienstag riet er in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNBC erneut zum Shorten von Gold. Weil der Markt für dieses Jahr lediglich einen Zinsschritt eingepreist hat, die Fed zwei in Aussicht gestellt hat und die Konjunkturdaten drei Zinserhöhungen rechtfertigen würden, gibt er sich sicher, dass der Goldpreis fallen muss. Doch allein selbstbewusstes Auftreten bedeutet nicht, dass die Prognosen von "Goldmännern" eintreffen müssen. Zur Erinnerung: Bereits Mitte Februar berichtete die Tageszeitung "Die Welt", dass die bestens bezahlten US-Investmentbanker von Goldman Sachs fünf von sechs Top-Trade-Ideen kassieren mussten. Und was lernen wir daraus? Die Fed ist nicht allmächtig und Goldman Sachs nicht allwissend.

Goldankäuf der notenbanken 2015 - 2015

Analysten moderat zuversichtlich

Die Analystenzunft steht dem Goldpreis weiterhin relativ reserviert gegenüber - wenngleich mit optimistischem Grundton. Auf Basis der insgesamt 36 von der Nachrichtenagentur Bloomberg erfassten Kursziele wird für das bereits laufende Jahr ein durchschnittlicher Goldpreis in Höhe von 1.159 Dollar erwartet. Für die kommenden Jahre scheinen sie aber verhalten optimistisch gestimmt zu sein, schließlich bewegt sich der Erwartungswert für 2017 (1.212 Dollar), 2018 (1.256 Dollar) und 2019 (1.326 Dollar) eindeutig nach oben. Dabei sollten Anleger aber nicht außer Acht lassen, dass die Bandbreite der Schätzungen ebenfalls nach oben zeigt. Während für 2016 zwischen pessimistischster und optimistischster Goldpreisprognose 465 Dollar liegen, fällt dieser Wert für 2019 mit 1.400 Dollar um ein Vielfaches höher aus. Das lässt nur einen Schluss zu: Die Meinungsunterschiede sind enorm.

Ob Investments in Gold oder Leitindizes wie den DAX lukrativer sein werden, kann man fast schon als Glaubensfrage betrachten. Es gibt aber auch mathematische Kennzahlen, die derzeit ganz klar für das gelbe Edelmetall sprechen - vor allem wenn man relativ risikoavers veranlagt ist. So zeigt zum Beispiel die Volatilität die Kursschwankungsintensität eines Investments an. Vergleicht man zum Beispiel die historische 250-Tage-Volatilität von Gold mit der des DAX, überzeugt vor allem das gelbe Edelmetall. Denn mit 15,7 Prozent fällt sie erheblich niedriger als bei dem Blue-Chip-Barometer (25,3 Prozent) aus - und das, obwohl das Risiko des Dax auf 30 Schultern verteilt wurde und dadurch geglättet bzw. reduziert wurde.

Ausblick für die laufende Woche

In den kommenden Tagen dürften an den Goldmärkten die anstehenden Konjunkturindikatoren aus China mit Argusaugen beobachtet werden, schließlich gelten Chinesen und Inder seit Jahren als die weltweit goldhungrigsten Nationen. Zum Wochenauftakt wurden den Marktakteuren aktuelle Meldungen von der Preisfront "serviert". Während bei den Konsumentenpreisen für März eine Teuerungsrate in Höhe von 2,3 Prozent p.a. genannt wurde, ging es mit den Produzentenpreisen um 4,3 Prozent p.a. bergab. Richtig spannend dürfte es jedoch am Freitag werden, wenn die Chinesen ihr BIP-Wachstum für das erste Quartal sowie die Märzzahlen zur Industrieproduktion und zu den Einzelhandelsumsätzen veröffentlichen werden. In diesem Jahr spielten asiatische Investoren bei Gold allerdings nicht die Hauptrolle. Vielmehr waren vor allem Terminspekulanten und ETF-Investoren für den Aufwärtsdrang des Goldpreises hauptverantwortlich. Privatanleger sollten dies als Warnhinweis betrachten, schließlich kaufen westliche Investoren weniger aus religiösen oder ästhetischen Gründen Gold. Ihr Handeln hat im Wesentlichen zwei Ursachen: Unsicherheit und Angst.

Goldpreis behauptet relative Stärke
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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