Stand: 16.10.2018 von Jörg Bernhard 20 Kommentare

In den vergangenen Wochen haben mit dem Internationalen Währungsfonds und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich gleich zwei angesehene und krisenerfahrene Institutionen vor wachsenden Finanzmarktrisiken gewarnt.

Ungemütliche Zeiten voraus?

Beide sehen unter anderem die seit dem „Beinahe-Kollaps“ der globalen Finanzsysteme (2008/2009) zu beobachtende Schuldenexplosion als großes Problem. Die in den USA vollzogene Zinswende bereitet derzeit vor allem einigen Schwellenländern massive Probleme, da sich diese in Dollar verschuldet haben und durch die markante Dollarstärke unter erheblichen Druck geraten sind. In diesem Zusammenhang nannte der IWF vor allem drei Länder:

  • Argentinien
  • Pakistan
  • Türkei

Aber auch die USA sollten sich angesichts ihrer vermeintlich relativen Stärke nicht zu sehr freuen. Die von Donald Trump angekündigten Steuersenkungen und Ausgabenerhöhungen dürften die Schuldentragfähigkeit der „Noch-Supermacht“ eher verschlechtern als verbessern, zumal sich die Chinesen im Oktober im großen Stil von US-Staatsanleihen getrennt haben.

Nur zur Erinnerung: Die Chinesen gelten mit Anleihebeständen von über einer Billion Dollar – nach der US-Notenbank Fed – als zweitwichtigster Geldgeber der USA. Ein massiver Ausverkauf könnte die US-Zinsen in neue Höhen katapultieren, und die Re-Finanzierung der „extrem schuldenverliebten Nation“ durchaus gefährden.

In Europa bereitet Italien „Kopfzerbrechen“

Auch die Europäer haben ein großes Schuldenproblem – der eine mehr, der andere weniger. Italiens 65. Nachkriegsregierung will den „Pfad des Sparens“ verlassen, die Staatsausgaben erhöhen und zugleich die Steuern senken.

Die neue Regierung aus Lega und populistischer 5-Sterne-Bewegung ist mittlerweile seit vier Monaten an der Macht und plant für nächstes Jahr mit einem Haushaltsdefizit von 2,4 Prozent der Wirtschaftsleistung. Damit würde man den von der Vorgängerregierung geplanten Wert um den Faktor drei übertreffen.

Bei der EU-Kommission und an den Anleihe- bzw. Aktienmärkten kamen die Pläne gar nicht gut an. Bei zehnjährigen italienischen Anleihen ist die Rendite auf über 3,5 Prozent gesprungen und weist damit gegenüber deutschen Bundesanleihen einen Aufschlag von 300 Basispunkte auf.

Innerhalb der Eurozone gilt Italien seit Jahrzehnten mit Blick auf die Staatsfinanzen als besonders marode. Im Jahr 2017 beliefen sich die angehäuften Staatsschulden auf mehr als 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (siehe Tabelle).

Verschuldungsquoten diverser Staaten

Name 2017 2016 2015 2014 2013 2012 2011 2010 2009 2008
USA
(in % des BIP)
105,4 % % 105,8 % 100,8 % 103,2 % 101,2 % 100,1 % 96 % 91,4 % 82,4 % 67,7 %
Eurozone
(in % des BIP)
86,7 % 89 % 89,9 % 91,9 % 91,3 % 89,4 % 86,1 % 83,8 % 78,4 % 68,6 %
China
(in % des BIP)
47,6 % 44,3 % 41,1 % 39,9 % 37 % 34,3 % 33,6 % 33,7 % 34,3 % 27 %
Japan
(in % des BIP)
253 % 250,4 % 248 % 249,1 % 244,5 % 238 % 231,6 % 215,8 % 210,2 % 191,8 %
Deutschland
(in % des BIP)
64,1 % 68,2 % 71 % 74,7 % 77,5 % 79,9 % 78,7 % 81 % 72,6 % 65,1 %
Großbritannien
(in % des BIP)
85,3 % 82,6 % 82,9 % 80,5 % 78,6 % 75,1 % 71,4 % 64,6 % 50,1 % 35,4 %
Indien
(in % des BIP)
97 % 96,6 % 95,6 % 94,9 % 92,3 % 89,5 % 85,2 % 81,6 % 78,9 % 68 %
Italien
(in % des BIP)
131,8 % 132 % 131,5 % 131,8 % 129 % 123,3 % 116,5 % 115,4 % 112,5 % 102,4 %
Spanien
(in % des BIP)
98,3 % 99 % 99,4 % 100,4 % 95,5 % 85,7 % 69,5 % 60,1 % 52,8 % 39,5 %
Portugal
(in % des BIP)
125,7 % 129,9 % 128,8 % 130,6 % 129 % 126,2 % 111,4 % 96,2 % 83,6 % 71,7 %
Griechenland
(in % des BIP)
178,6 % 180,8 % 176,8 % 178,9 % 177,4 % 159,6 % 172,1 % 146,2 % 126,7 % 109,4 %
Quelle: Trading Economics

Unter den besonders unsolide finanzierten Staaten der Eurozone weist lediglich Griechenland eine noch miserable Quote (178,6 Prozent) auf. Selbst Spanien (98,3 Prozent) und Portugal (125,7 Prozent) sind diesbezüglich besser aufgestellt als die Italiener.

Weil Italiens Wirtschaft trotz mehrjährigem „Siechtum“ noch immer die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone repräsentiert, sollte jedem klar sein, dass die Rettungsschirme für diesen Mitgliedsstaat nicht ausreichen würde.

Das Risiko einer erneuten Eurokrise ist daher nicht von der Hand zu weisen. Bislang hat der altbewährte Krisenschutz Gold von den gestiegenen Unsicherheiten nicht profitiert. Sein größter Vorteil gegenüber Anleihen besteht vor allem darin, dass er kein Kontrahentenrisiko aufweist und noch niemals einen Totalverlust erlitten hat. Dieses Kaufargument sucht man bei anderen Anlageklassen vergeblich.

Ausblick für die laufende Woche

Unter dem Aspekt US-Staatsschulden dürfte der Dienstag relativ spannend werden. Dann erfährt die Finanzwelt nämlich, in welchem Ausmaß das Ausland im Monat August US-Staatsanleihen erworben hat. Im Juli gab es Nettokäufe im Volumen von fast 19 Milliarden Dollar zu vermelden. Natürlich gehören Staatsanleihen bester Bonität in ein solide strukturiertes Wertpapier-Portfolio.

Die Frage lautet nur: Wie stark sollten sie gewichtet sein? Dass die Kurse nach oben und die Renditen durch die ultraexpansive Geldpolitik der Notenbanken nach unten manipuliert wurden, weist auf die Gefahr einer Blasenbildung hin.

Dies sollten Anleger auf keinen Fall vergessen. Von einem „Blasenproblem“ kann man bei Gold wahrlich nicht sprechen. Als Versicherungspolice gegen ein Comeback der Finanzkrisen eignet sich „altmodisches Gold“ in Form von Barren oder Münzen allemal.

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Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [20]
  • von Monika Merkelbach | 18.10.2018, 17:49 Antworten

    niemand nimmt die Eurowährung ernst es ist alles nur Spielgeld flüchtet in$ dann seid Ihr
    auf der richtigen Seite.

    • von Minenfan | 19.10.2018, 09:38 Antworten

      Gold ist besser als jede Währung

    • von Bonnie | 18.10.2018, 19:19 Antworten

      Aha, "$" ???
      Bitte mal nachschauen, der Staat ist 10x höher verschuldet und der Gold- Yuan stiehlt ihm jetzt auch noch die Show.
      Dollar, ganz schlecht.

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