Stand: 24.07.2018 von Jörg Bernhard 3 Kommentare

Der Goldpreis hat zwar einen starken Jahresstart hingelegt, nach einem erfreulichen ersten Quartal setzte er dann aber zu einer markanten Talfahrt an und rutschte am vergangenen Donnerstag sogar auf den tiefsten Stand seit über zwölf Monaten ab.

Beim Goldchart dominieren eindeutig die „Molltöne“

Wie bei jedem Investment wirken sich auch beim Goldpreis sowohl fundamentale Faktoren als auch charttechnische Entwicklungen auf dessen Preisfindung und Trend aus. Mit Blick auf den Goldchart kann das Jahr 2018 bislang als ausgesprochen ereignisreich bezeichnet werden.

Bereits im Dezember generierte Gold mit dem markanten Überwinden der langfristigen 200-Tage-Linie ein starkes Kaufsignal und kletterte bis zum 25. Januar auf ein Jahreshoch von 1.366 Dollar. Hier traf der Krisenschutz aber auf ausgesprochen hartnäckige Widerstände.

Das heißt: Hier prallte der Goldpreis in der Vergangenheit immer wieder ab. Gleich mehrere „Abpraller“ gab es im Sommer 2016 zu vermelden, danach scheiterte er nochmals im September 2017. In diesem Jahr drehte er bereits fünfmal vor Erreichen der Marke von 1.360 Dollar wieder nach unten.

Das in der zweiten Aprilhälfte registrierte Scheitern an dieser Hürde war dann offensichtlich zu viel. Anfang Mai verletzte nämlich Gold die unterhalb von 1.320 Dollar verlaufende Unterstützung, was zu erheblichem Verkaufsdruck geführt hat. Dieser brachte mit dem Unterschreiten der 200-Tage-Linie ein zusätzliches Verkaufssignal mit sich.

Als besonders problematisch war dabei der Umstand zu werten, dass die Durchschnittslinie im Juni nach unten drehte, was in der Chartlehre als Indiz für einen Trendwechsel interpretiert wird. Zeitgleich gab es mit dem Bruch der unteren Begrenzung des seit Ende 2016 intakten Aufwärtstrendkanals einen zusätzlichen Stimmungsdämpfer zu vermelden. Alles in allem hat dies zu einem eindeutig negativen Stimmungsumfeld geführt.

Aktuell in massiver Unterstützungszone

Den Blick nach unten gerichtet, drohen in den kommenden Wochen weitere Bewährungsproben. So verläuft zum Beispiel im aktuellen Kursbereich von 1.220 Dollar ein massiver charttechnischer Boden, der sich im Frühjahr 2016 und im Sommer 2017 gebildet und sich als relativ robust erwiesen hat. Unweit davon könnte dann ein Test der relativ runden Marke von 1.200 Dollar für erhöhte Spannung sorgen, da der Goldpreis in den vergangenen drei Jahren viermal in diesem Kursbereich wieder nach oben gedreht hat.

Bildbeschreibung --> was es zu sehen gibt

Blickt man jedoch fünf Jahre zurück, kann man diesen charttechnischen Boden als extrem robust bezeichnen. Ende 2013 erfolgte auf dessen erfolgreichen Test innerhalb weniger Monate eine Preisrally von in der Spitze 15 Prozent. Fazit: Trotz relativ desolater Verfassung sollte man auf dem gedrückten Niveau nur dann Gold verkaufen, wenn man die globalen Finanzsysteme als gesund betrachtet und vollstes Vertrauen in die aktuelle Politik der Notenbanken und Regierungen hat.

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Ausblick für die laufende Woche

Man kann es drehen und wenden wie man will: Derzeit hat die globale Finanzwelt mehr Vertrauen in den Dollar als in die älteste Währung der Welt (Gold). Trotz der Risiken durch Donald Trumps Protektionismus halten die Investoren diese offensichtlich für beherrschbar. Diese Zuversicht hat auch Fed-Chef Jerome Powell bei seinem Rechenschaftsbericht vor wichtigen US-Gesetzgebungsgremien „versprüht“.

Er geht davon aus, dass die Fed die Leitzinsen weiterhin sukzessive erhöhen wird. Starke Arbeitsmarktdaten, eine Inflation in der Nähe des seit Jahren propagierten Zielwerts von zwei Prozent und die konjunkturellen Perspektiven sprächen für diese Sicht der Dinge. In der US-Wirtschaft wird dieser Optimismus nicht vollständig geteilt.

In den kommenden Handelstagen stehen mit den Verkaufszahlen neuer US-Eigenheime (Mittwoch), dem Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter, der US-Handelsbilanz, den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe (alle am Donnerstag) sowie dem BIP-Wirtschaftswachstum (Freitag) einige wichtige Highlights auf der Agenda.

Laut einer vom Wall Street Journal veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich das Wirtschaftswachstum gegenüber dem Vorquartal von 2,0 auf 4,2 Prozent beschleunigt haben. Sollte der Konjunkturboom in den USA unvermindert anhalten, könnte dem Goldpreis weiteres Ungemach charttechnischer Natur drohen.

Goldpreis: Charttechnische Signale wie am Fließband
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [3]
  • von Goldsammler | 24.07.2018, 19:27 Antworten

    Bester Lager Ort ist der Kuehlschrank. Schmelzpunkt koennte bald erreicht werden.

  • von Edeltraut Ebersspächer | 24.07.2018, 12:19 Antworten

    Es gibt eine starke Korrelation zwischen dem fallendem Goldpreis und den extremen
    Sommertemperaturen auch über mehrere Jahre betrachtet.

    • von Fritzthecat | 24.07.2018, 18:47 Antworten

      Ist doch auch logisch. Wer will denn bei der Affenhitze so schwere Klumpen rumschleppen?

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