Stand: 18.12.2018 von Jörg Bernhard 10 Kommentare

Auf Dollarbasis droht dem Goldpreis für das Jahr 2018 zwar ein Verlust (aktuell: -5,0 Prozent), in Euro gerechnet weist der Krisenschutz nach elfeinhalb Monaten allerdings ein kleines Plus von 1,3 Prozent auf. Die Perspektiven für 2019 hellen sich langsam auf.

2018 war für Gold kein sonderlich guter Jahrgang

Das Jahr 2018 war gekennzeichnet von steigenden Realzinsen in den USA, einer wachsenden US-Wirtschaft und einem starken Dollar – alles Faktoren, die weniger für Gold sprechen.

Doch der Kurseinbruch wichtiger Aktienindizes und vor allem deren heftige Kursausschläge haben Gold wieder ins Gedächtnis verunsicherter Anleger gerufen. Nach einer seit zehn Jahren andauernden Hausse leiden deutsche Blue Chips aufgrund des US-Protektionismus, des Brexit und der italienischen Schuldenpolitik unter einem massiven Vertrauensverlust.

Physische Goldfonds Was beim Gold-ETFs Investment besonders wichtig ist

Doch der bisherige Jahresverlauf war von einer kräftigen Verkaufswelle an den Terminmärkten und enormen Abflüssen im ETF-Sektor gekennzeichnet. So reduzierte sich zum Beispiel seit dem Jahreswechsel beim weltgrößten Gold-ETF SPDR-Gold Shares die gehaltene Goldmenge von 837,50 auf 763,56 Tonnen (-8,8 Prozent). Anfang Oktober – als die Aktienwelt noch in Ordnung war – wurde mit etwas mehr als 730 Tonnen sogar ein neues Jahrestief markiert.

Und auch an den Terminmärkten ging es zeitweise hoch her. Laut Daten der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) haben 2018 vor allem große Terminspekulanten (Non-Commercials) im großen Stil auf einen fallenden Goldpreis gewettet. Während diese Gruppe von Marktakteuren Ende 2017 noch eine Netto-Long-Position (mehrheitlich optimistisch gestimmt) in Höhe von rund 136.000 Futures ausgewiesen hatte, gab es von Mitte August bis Anfang Oktober eine Netto-Short-Position (mehrheitlich pessimistisch gestimmt) von bis zu minus 38.000 Kontrakte zu beklagen.

Eine ähnlich lange „Durststrecke“ gab es letztmals Ende 2000 zu beobachten. Doch mittlerweile scheint das Schlimmste überstanden zu sein. Bei Gold-Futures blicken Großspekulanten angesichts einer aktuellen Netto-Long-Position in Höhe von 60.500 Futures wieder relativ optimistisch drein.

Favoritenwechsel im kommenden Jahr?

Das Jahr 2019 dürfte ausgesprochen spannend werden. Während in Europa der anstehende Brexit und die Schuldenpolitik Italiens als „hausgemachte Risikofaktoren“ mit Argusaugen zu beobachten sind, dürfte der ungelöste Handelskonflikt zwischen den USA und dem Rest der Welt für zusätzliche Verunsicherung sorgen.

Von den etablierten Anlageklassen dürften die beiden Edelmetalle Gold und Silber derzeit am ehesten frei von einer spekulativen Übertreibung sein. Bei Aktien, Anleihen und Immobilien scheint diese These eher nicht zuzutreffen. Bleiben noch alternative Investmentalternativen wie zum Beispiel Kryptowährungen. Deren bekanntester Vertreter – der Bitcoin – hat sich aber in diesem Jahr angesichts seines Wertverlusts von 75 Prozent und einer Explosion der 250-Tage-Volatilität auf 768 Prozent als Vermögensschutz eindeutig disqualifiziert.

Ausblick für die laufende Woche

Nach der EZB-Sitzung am vergangenen Donnerstag ging es mit dem Goldpreis trotz nachgebender Aktienkurse erst einmal in tiefere Regionen. Der starke Dollar steht nach wie vor einem markanten Comeback der Krisenwährung Gold entgegen.

Das Vertrauen in die Weltleitwährung scheint ungebrochen zu sein – noch. Länder wie China und Russland opponieren aber bereits seit längerem gegen diese Dominanz und haben sich 2018 im großen Stil von US-Staatsanleihen getrennt.

Andere Weltreservewährungen wie der japanische Yen oder der Euro haben ebenfalls ein großes Problem: Schulden in Billionenhöhe. Mit einer Schuldenquote von fast 87 Prozent (Eurozone) bzw. über 250 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (Japan) sind sie alles andere als eine interessante Alternative zu den USA, wo sich der Schuldenberg bereits auf 105 Prozent der Wirtschaftsleistung beläuft.

Man muss kein Prophet sein, um für den Fall steigender Zinsen und einer nachlassender Wirtschaftsdynamik große Refinanzierungsprobleme zu sehen. Der große Vorteil von Goldbarren oder Goldmünzen besteht darin, dass kein Kontrahentenrisiko existiert.

Das heißt: Gold ist zwar einem Kursschwankungsrisiko, nicht aber einem Konkursrisiko ausgesetzt. Staatsanleihen aus den USA und Deutschland werden von den Ratingagenturen zwar mit der Bestnote „TripleA“ benotet, dies galt Jahre vor der Finanzkrise übrigens auch für deren Auslöser – die Subprime-Anleihen.

Goldpreis: Comeback in 2019?
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [10]
  • von Goldjunge | 29.12.2018, 12:40 Antworten

    Natürlich beeinflussen die Zentralbanken den Goldpreis! Es geht schließlich um ihre Existenz. Und die hängt am Papiergeld. Wenn Gold eine zu große Bedeutung bekommt, interessiert sich niemand mehr für das Papiergeld und die darauf gegebenen Versprechungen (z.B. "Staatsanleihen"). Dann ist auch die Konjunktur nicht mehr beeinflussbar über die Zinsen (Preis des Geldes) oder neue Emissionen (Menge des Geldes). Die staatliche Kontrolle über die Währung wäre nicht mehr gegeben.

  • von Isa Auerstein | 21.12.2018, 18:31 Antworten

    Wer auf ein Gold Comeback wartet sollte die 50 noch nicht überschritten haben

    • von Goldjunge | 29.12.2018, 12:45 Antworten

      bei welchem Kurs sprichst Du von einem Comeback?

    • von Uwe Biester | 27.12.2018, 08:51 Antworten

      Welche 50? Lebensalter? IQ Punkte?

  • von Fritzthecat | 20.12.2018, 12:26 Antworten

    Wenn wir etwas über die zukünftigen Preise wissen wollen, so müssen wir die Zentralbanken der Welt (insbesondere die FED) fragen. Man darf sich ziemlich sicher sein, daß diese in die Kapialmärkte immer mehr eingreifen. Sie haben unbegrenzte Munition, somit bestimmen fast ausschließlich diese, in welche Richtung die Märkte laufen. Meine Vermutung: Die FED wird im großen Stil Aktien die nächsten Monate abstoßen, die im Laufe der Jahre angehäuft wurden. Dies bedeutet eine künstlich herbeigeführte und gewollte Rezession aus verschiedenen, teilweise auch persönlichen Gründen. Klingt nach Verschwörungstheorie oder auch Hirngespinnst, aber vielleicht liegt in einem Großteil die Wahrheit.

  • von Karl Heinz Eberswalde | 19.12.2018, 13:02 Antworten

    2019 wird ein Desaster für Gold , es freuen sich die Einkäufer

    • von Andreas | 20.12.2018, 17:55 Antworten

      Warum, Karl Heinz?

      • von Karl Heinz | 21.12.2018, 12:34 Antworten

        So billig wie 2019 können wir nie wieder Gold kaufen

        • von Minenfan | 28.12.2018, 10:42 Antworten

          Abwarten Karl Heinz Gold macht sich gut zum Dollar.
          Das kann noch besser werden wenn man Zinsen wieder senken muß

        • von Nicht Andreas | 22.12.2018, 04:09 Antworten

          Warum, Karl Heinz?

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