Stand: 19.04.2016 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Die negative Korrelation zwischen Aktien und Gold hat in der vergangenen Woche kaum gegriffen. Trotz massiver Kursgewinne internationaler Blue Chips verweigerte sich der Goldpreis weiterhin einer nennenswerten Korrektur - Krisenschutz via Gold hat offensichtlich weiterhin Charme.

IWF warnt vor Risiken an den Finanzmärkten

Am vergangenen Mittwoch veröffentlichte der Internationale Währungsfonds (IWF) seinen aktuellen Finanzmarktstabilitätsbericht - und dieser lieferte wenig Grund zur Freude. Das Fazit von José Viñals, dem Chefberater des IWFin Finanzfragen, fiel eindeutig negativ aus. Er bescheinigte den Industrienationen in den vergangenen sechs Monaten gestiegene und den Schwellenländern unverändert hohe Risiken. Dabei stellte Viñals die Frage in den Raum, ob wir die Turbulenzen überstanden haben oder diese als Warnsignal für die Notwendigkeit weiterer Anstrengungen interpretieren sollten? Die Antwort lieferte er gleich mit und sagte: "Ich befürchte letzteres: Es muss mehr getan werden, um globale Stabilität sicherzustellen."

Besonders erwähnt hat der IWF-Beraterin diesem Zusammenhang die trüben Konjunkturaussichten, die fallenden Rohstoffpreise sowie die Sorgen um die chinesische Wirtschaft bzw. die Stabilität der Banken. Mit Blick auf die europäische Bankenlandschaft forderte er von der Politik, die Bankenunion zu vollenden und ein gemeinsames europäisches Sicherungssystem für Bankeinlagen einzuführen. Letzteres würde dazu führen, dass deutsche Banken und Sparer für die Einlagen in weniger robusten bzw. solide wirtschaftenden europäischen Banken geradestehen müssten. Hier zu Lande dürfte dies die Verunsicherung der Sparer eher verstärken als reduzieren und somit das Interesse an Gold erhöhen.

Signifikante Abflüsse im ETF-Sektor

Der nachlassenden Aufwärtsdynamik des Goldpreises ging ein nachlassendes Kaufinteresse beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares voraus. Dreimal in Folge verbuchte das physisch hinterlegte Papiergold-Finanzprodukt mit dem weltweit stärksten Gewicht bei dessen gehaltener Goldmenge auf Wochensicht mehr oder weniger starke Abflüsse. Seit dem 23. März reduzierte sich diese von 823,74 Tonnen - dem höchsten Niveau seit Dezember 2013 - auf aktuell 812,46 Tonnen. Die Reaktion des Goldpreises kann als relativ "souverän" bezeichnet werden, schließlich hat er sein am 10. März bei 1.280 Dollar erzieltes 13-Monatshoch bislang um weniger als 50 Dollar unterschritten.

In der Vergangenheit wurde an den Goldmärkten gerne auf den enormen Goldhunger der Chinesen und Inder hingewiesen. Von Januar bis März erzielte der Goldpreis zwar die beste Quartalsperformance seit fast 30 Jahren, diese war aber im Wesentlichen der Entwicklung an den Terminmärkten und im ETF-Sektor, also überwiegend Investoren aus westlichen Industrienationen zu verdanken. Es sieht so aus, als ob das Vertrauen in die Allmacht der Notenbanken nicht mehr sonderlich stark ausgeprägt ist. Besonders bezeichnend: Selbst die Briten finden im Zuge des drohenden "Brexit" mehr und mehr Gefallen an dem gelben Edelmetall. Erhebliches Nachholpotenzial entstünde, wenn die Briten ähnlich goldhungrig werden sollten wie die Deutschen. Im vergangenen Jahr taxierte der World Gold Council bei Goldbarren und Goldmünzen die Nachfrage deutscher Goldfans auf 113,8 Tonnen, während in Großbritannien lediglich 9,4 Tonnen gekauft wurden. Allein mit der um cirka 20 Prozent geringeren Bevölkerungszahl lässt sich dieser Unterschied nicht erklären. Auf der Insel ist die Angst vor Inflation einfach weniger stark ausgeprägt als in Deutschland.

Ausblick für die laufende Woche

In den kommenden Handelstagen dürfte es an den Goldmärkten aus mehreren Gründen spannend bleiben. So steht am Donnerstag die Sitzung der Europäischen Zentralbank auf der Agenda. Bei der Sitzung am 10. März wurden diverse geldpolitische Lockerungsmaßnahmen verkündet. Die Anleihekäufe wurden zum Beispiel pro Monat um 20 Milliarden auf nunmehr 80 Milliarden Euro aufgestockt und die Negativzinsen für EZB-Bankeinlagen von minus 0,3 auf minus 0,4 Prozent ausgedehnt. Seit diesen Beschlüssen ging es mit deutschen Blue Chips spürbar bergauf und mit dem Goldpreis leicht bergab. So richtig scheinen die geldpolitischen Waffen der wichtigsten Notenbanken aber nicht mehr zu funktionieren. Trotz einer anhaltend hohen und historisch beispiellosen Geldflut will sich nachhaltiges Wirtschaftswachstum einfach nicht einstellen (siehe Grafik).

BIP-Wachstumsprognosen des IWF

Um sich vor möglichen Kollateralschäden dieser Geldpolitik zu schützen, drängen sich mittel- bis langfristigInvestments in Goldgeradezu auf. Seine Krisenschutzfunktion scheint weiterhin ausgesprochen gut zu funktionieren. Ein hohes Maß an Spannung dürfte aber auch aus der "charttechnischen Ecke" kommen. Derzeit befindet sich der Goldpreis nämlich im Kampf mit der 50-Tage-Linie. Deren Verletzen wäre als Verkaufssignal zu werten und würde das gelbe Edelmetall in die "Gefahrenzone" bringen. Im Bereich von 1.220 Dollar verläuft nämlich eine extrem wichtige Unterstützungszone, die es dann zu verteidigen gilt.

Goldpreis auch dank IWF-Statements interessant
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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