Stand: 03.02.2017 von Egmond Haidt 0 Kommentare

Die Regierung von Donald Trump sagt ganz offen, dass sie einen schwachen Dollar will. Das beflügelt den Goldpreis ebenso wie die zunehmende Sorge der Investoren vor einem möglichen Auseinanderbrechen des Euro. In einem Umfeld, in dem die Kaufkraft der Deutschen wegen der stark steigenden Inflation kräftig sinkt, ist Gold zusehends begehrt.

Auf das höchste Niveau seit Mitte November 2016 ist der Goldpreis geklettert: Für den Anstieg gibt es etliche Gründe. Beflügelt wird er vor allem vom Dollar, der gerade gegenüber dem japanischen Yen kräftig im Rückwärtsgang ist. Deshalb wird der Carry Trade aufgelöst, was den Goldpreis beflügelt. Das können Sie in dem Beitrag "Kommt 2017 die Euro-Krise?" nachlesen und in diesem Chart genau nachverfolgen.

Verantwortlich für den Rückgang des Dollar sind US-Präsident Donald Trump und sein Team. Ihnen ist völlig klar, dass die schwache US-Wirtschaft einen starken Dollar nicht verkraften kann. Ende Januar warf Peter Navarro, ein wichtiger Berater von Donald Trump, Deutschland vor, einen "stark unterbewerteten Euro" auszunutzen, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Das hat Investoren einmal mehr klar gemacht, dass Trump stark auf Abschottung und Protektionismus setzt, und zu einem deutlichen Rückgang des Dollar geführt.

Trump treibt den Dollar nach unten

Eigentlich müsste der Dollar aufgrund der Politik von Donald Trump steigen. Denn er hat angekündigt, "sehr bedeutende" - gemeint sind sehr hohe - Grenzzölle einzuführen. Dabei fallen auf die Einfuhr von ausländischen Gütern hohe Zölle an, während US-Unternehmen auf die ins Ausland exportierten Produkte keine Gewinnsteuern bezahlen müssen, wodurch US-Produkte im Ausland deutlich günstiger werden. Die Folge dieser Politik - vorausgesetzt Länder, wie China, schlagen nicht massiv zurück: das massive Außenhandelsbilanzdefizit der USA sinkt deutlich, was den Dollar beflügeln würde. Trump hat aber klar gemacht, dass er das nicht zulassen wird, sondern alles tun wird, um den Dollar nach unten zu treiben. Das beflügelt den Goldpreis deutlich. Gleichzeitig zieht der sinkende Dollar die US-Zinsen mit nach unten, weil ausländische Investoren, wie aus Japan, oder der Euro-Zone, mit US-Staatsanleihen plötzlich Währungsverluste machen.

Der sinkende Dollar und die sinkenden US-Zinsen treiben den Goldpreis nach oben. Daher sollten Anleger diese zwei Daten ganz genau im Auge behalten. Immerhin hält sich noch der US-Aktienmarkt in der Nähe der Rekordhochs. Sollten Investoren aber zusehends Angst bekommen, dass Trump einen weltweiten Handelskrieg anzettelt, wodurch sich das Wachstum des Welthandels abschwächen würde, womit sich indirekt auch die Perspektiven für die US-Wirtschaft eintrüben würden, könnte es zu einer deutlichen Korrektur beim S&P500 kommen. In dem Umfeld würde der Goldpreis noch von einer dritten Seite Rückenwind bekommen.

Sorge vor Auseinanderbrechen des Euro kocht hoch

Neben dem sinkenden Dollar bekommt Gold noch von einer anderen Seite Rückenwind: von der zunehmenden Sorge der Investoren, dass der Euro auseinanderbrechen könnte. Bislang hatte viele Investoren darauf gesetzt, dass Francois Fillon, der Chef der Konservativen, die Präsidentschaftswahl am 23. April gewinnen dürfte. Nun gerät Fillon aber wegen eines Skandals um Scheinbeschäftigung schwer unter Druck. Er soll seine Frau jahrelang als Parlaments-Assistentin bezahlt haben, obwohl sie diese Arbeit nie gemacht habe. Die Bezahlung soll bei 830.000 Euro gelegen haben. Kein Wunder, dass seine Umfragewerte so kurz vor der Wahl einbrechen.

Zwar hoffen viele Investoren, dass nun der ehemalige Minister Emmanuel Macron von der Bewegung "En Marche!" die wahrscheinliche Stichwahl am 7. Mai gewinnen könnte. Die Wahlforscher waren aber bereits beim Brexit-Referendum und beim Wahlsieg von Donald Trump meilenweit daneben gelegen. Entsprechend dürfte die Wahrscheinlichkeit, dass Marine Le Pen, die Chefin des Front National, siegt, deutlich höher sein, als viele Investoren derzeit erwarten.

Le Pen will Frankreich aus dem Euro herausführen und anschließend die französischen Staatsschulden in einer neuen Währung notieren. Kein Wunder, dass die Zinsen für französische Anleihen kräftig steigen. Nachdem die Zinsen für zehnjährige Anleihen noch im September 2016 bei 0,1 Prozent gelegen hatten, sind sie aktuell auf 1,1 Prozent nach oben geschossen.

Tendenz: stark steigend. Besorgniserregend ist vor allem, dass der Zinsaufschlag gegenüber deutschen Anleihen kräftig steigt, was die Sorgen der Investoren unmissverständlich widerspiegelt. Zuletzt war der Zinsaufschlag auf 62 Basispunkte (0,62 Prozent) gestiegen.

Italien rückt wieder in den Fokus

Das Problem ist, dass nicht nur die Zinsen für Frankreich, sondern auch für Italienkräftig steigen und damit auch die Zinsaufschläge. Die italienischen Zinsaufschläge sind auf herbe 185 Basispunkte nach oben geschossen. Nach dem Urteil des Verfassungsgerichts Italiens vom 25. Januar könnte es möglicherweise im Juni zu vorgezogenen Neuwahlen kommen. Dabei könnte die oppositionelle Bewegung MoVimente 5 Stelle (5-Sterne-Bewegung), kurz M5S, des Kabarettisten Beppe Grillo als Wahlsieger hervorgehen. Sie strebt nach einem möglichen Wahlsieg ein Referendum über den Ausstieg Italiens aus dem Euro an. Italien hat aber Staatsschulden von 2,2 Billionen Euro - das sind horrende 132,7 Prozent der Wirtschaftsleistung.

In einem Umfeld, in dem die Sorgen der Investoren vor einem möglichen Auseinanderbrechen des Euro zusehends hochkochen, steigt die Nachfrage nach Gold hierzulande kräftig, zumal die Kaufkraft der Sparer wegen der deutlich steigenden Inflation kräftig sinkt. So war die Inflationsrate zuletzt auf 1,9 Prozent hochgeschossen(s. Grafik).

Inflationsrate von Deutschland von März 2016 - Januar 2017

Gleichzeitig liegen die Zinsen für einjährige Bundesanleihen bei minus 0,75 Prozent. Damit liegt die reale "Rendite" für deutsche Sparer bei minus 2,65 Prozent. So stark sinkt also die Kaufkraft der Sparer - und bei weiter sinkenden Zinsen für deutsche Anleihen, während die Inflationsrate weiter deutlich steigt, wird die Kaufkraft noch stärker zurückgehen.

Die Perspektiven für Gold sind hervorragend. Trump dürfte weiterhin alles tun, um den Dollar nach unten zu drücken, was den Goldpreis beflügeln sollte. Viele Anleger nutzen das Umfeld, um ihre Goldbestände weiter aufzustocken.

Goldpreis derzeit mit Rückenwind
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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