Stand: 16.11.2015 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Am vergangenen Donnerstag rutschte der Goldpreis auf Dollarbasis auf den tiefsten Stand seit fast sechs Jahren ab. Auf Eurobasis stellt sich die Lage erheblich weniger dramatisch dar. In Euro gerechnet übertrifft nämlich das gelbe Edelmetall sein bisheriges Sechsjahrestief um über 36 Prozent. Zum Wochenstart reagierte Gold auf die gestiegenen geopolitischen Risiken mit erholten Notierungen.

Starke Nachfrage auf reduziertem Goldpreisniveau

Am Donnerstag veröffentlichte der internationale Branchenverband World Gold Council seinen Quartalsbericht "Gold Demand Trends". Trotz oder möglicherweise wegen der während des dritten Quartals zu beobachtenden Goldpreisschwäche von 12 Prozent, ging es mit der globalen Goldnachfrage signifikant bergauf. So war insgesamt betrachtet gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode ein Anstieg um acht Prozent auf 1.120,9 Tonnen - den höchsten Wert seit über zwei Jahren - registriert worden. Während im Bereich der industriellen Nachfrage angesichts eines Nachfragerückgangs um vier Prozent p.a. auf 84,3 Tonnen überwiegend rote Vorzeichen dominierten, war in der Schmuckbranche gegenüber dem Vorjahreswert ein moderates Plus in Höhe von sechs Prozent auf 631,9 Tonnen zu beobachten.

Starkes Interesse war hingegen im Investmentsektor festzustellen, wo sich die Nachfrage um 27 Prozent p.a. auf 229,7 Tonnen erhöht hat. Massiv Abflüsse bei physisch besichertem Papiergold verhinderten allerdings eine noch positivere Entwicklung. Nach Zuflüssen in Höhe von 25,1 Tonnen (Q1 2015) und Abflüssen im Volumen von 23,5 Tonnen (Q2 2015) musste der Goldmarkt im dritten Quartal Nettoabflüsse von 65,9 Tonnen verkraften. Ein markantes Nachfrageplus in Höhe von 20 Prozent auf 199 Tonnen war bei Goldbarren verzeichnet worden. Zu einem regelrechten Nachfrageboom kam es hingegen bei Goldmünzen zur Kapitalanlage. Diese haben sich nämlich gegenüber dem Vorjahreswert um 111 Prozent auf 76,1 Tonnen mehr als verdoppelt. Auf die Notenbanken war ebenfalls Verlass - und damit sind nicht die arrivierten wie Fed, EZB, Bank of England oder Bank of Japan gemeint. In starker Kauflaune präsentierten sich vor allem die chinesische und die russische Zentralbank. Die Nettokäufe sämtlicher Notenbanken haben sich im dritten Quartal auf Jahressicht zwar um drei Prozent auf 175 Tonnen abgeschwächt, da vor einem Jahr mit 179,5 Tonnen eine Rekordmarke gesetzt wurde, kann man das aktuelle Interesse der Notenbanken aber weiterhin als ausgesprochen robust bezeichnen (siehe Tabelle).

Goldnachfrage im dritten Quartal

Q3 2014 Q3 2015
Schmuckbranche 594,1 t 631,9 t 6,4 %
Technologie 87,6 t 84,3 t -3,8 %
Investment 180,7 t 229,7 t 27,1 %
davon:
Goldbarren 166,2 t 199 t
Offizielle Goldmünzen 36,1 t 76,1 t
Münzen und Medaillen 19,9 t 20,5 t
ETFs und ähnliche Produkte -41,5 t -65,9 t
Notenbanken 179,5 t 175 t -2,5 %
Gesamt 1041,9 t 1120,9 t 7,6 %

Quelle: World Gold Council

Das globale Goldangebot entwickelte sich von Juli bis September deutlich weniger dynamisch. Rote Vorzeichen waren sowohl bei der Minenproduktion als auch beim Goldrecycling registriert worden. So wurde zum Beispiel mit 827,8 Tonnen auf Jahressicht ein Prozent weniger Gold zu Tage gefördert, während bei Altgold das Angebot um sechs Prozent p.a. auf 252,3 Tonnen zurückging. Dank Hedingoperationen der Minengesellschaften in Höhe von 20 Tonnen nahm das globale Goldangebot aber insgesamt um ein Prozent auf 1.100,1 Tonnen zu.

Ausblick für die laufende Woche

Mit dem Kurssprung zum Wochenstart hat sich die charttechnische Lage beim Goldpreis spürbar aufgehellt. Das zum Wochenauftakt gemeldete negative BIP-Wachstum der japanischen Wirtschaft in Höhe von minus 0,2 Prozent (gegenüber Vorquartal) zeigt, dass es insbesondere in Asien derzeit nicht richtig rund läuft. Eine Flut weiterer wichtiger Daten aus Japan steht am Donnerstag an. Dann erfahren die Investoren nämlich, wie sich die Handelsbilanz des Landes entwickelt hat und ob die Notenbank die Geldschleusen noch weiter als bislang öffnen wird. Das Thema Notenbanken dürfte an den Goldmärkten nach wie vor die Gemüter bewegen, schließlich hat das Pendel in den vergangenen Wochen ganz klar in Richtung US-Zinserhöhunggeschlagen. Am Mittwoch könnte in diesem Zusammenhang das zur Veröffentlichung anstehende Protokoll der zweitägigen Fed-Sitzung vom 27. bis 28. Oktober für Aufregung sorgen - je nach Tenor. Die Inflation hat bislang vor allem aufgrund der kollabierenden Energiepreise wenig bis keine Argumente zum Goldkauf geliefert. Irgendwann wird der fossile Energieträger aber seinen Boden finden und sich dann tendenziell nach oben orientieren. Das Argument Inflationsschutz sollte spätestens dann an Bedeutung gewinnen und dem gelben Edelmetall zu einem Comeback verhelfen. Derzeit sehen wir in erster Linie eine Vermögensinflation bei Staatsanleihen, Aktien und Immobilien. In der Vergangenheit folgten auf solche Vermögensblasen stets steigende Konsumentenpreise. Ein solches Szenario sehnen sich die großen Notenbanken in Europa, Japan und den USA geradezu herbei. Ob die Inflation dann - wie gewünscht - bei zwei Prozent ihre Aufwärtsdynamik beenden wird, steht auf einem völlig anderen Blatt. Denn wir alle wissen: Wie das Leben ist auch die Wirtschaft alles andere als ein Wunschkonzert.

Goldpreis: Deutliche Erholung nach Mehrjahrestief
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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