Stand: 04.04.2017 von Egmond Haidt 19 Kommentare

Deutschland hat 2016 die Staatschulden ein wenig abgebaut. Hingegen haben etliche andere Länder trotz leichter Verbesserungen weiterhin enorme Schuldenberge. Über den Euro sitzt Deutschland mit den angeschlagenen Ländern in einem Boot. Umso wichtiger ist für hiesige Sparer die Absicherung ihres Vermögens über Gold.

Der Goldpreis hat das erste Quartal mit einem Kursanstieg um stattliche 8,4 Prozent abgeschlossen: In den vergangenen Monaten hatte die Notierung des Edelmetalls vor allem vom sinkenden US-Dollarkurs Rückenwind.

Zudem tendierten die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen trotz der Zinserhöhungsserie der US-Notenbank Fed seitwärts und belasteten damit nicht den Goldpreis. Seit Mitte März sind die Zinsen sogar im Rückwärtsgang, und beflügeln damit den Goldpreis.

Deutschlands Staatsschulden sinken

Staatsverschuldung in Deutschland (BRD) bis 2015

Grund zur Freude haben neben den Gold-Besitzern auch die Deutschen: 2016 sind die Staatsschulden Deutschlands um 18 Mrd. Euro auf 2,14 Billionen Euro gesunken. Gegenüber dem Höchststand im Jahr 2012 sind die Schulden damit um 65 Mrd. Euro zurückgegangen.

„Die Schuldenquote, das heißt der Schuldenstand in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Prozentpunkte auf 68,3 Prozent - überwiegend aufgrund des nominellen BIP-Wachstums“, schrieb die Bundesbank. „Die Schuldenquote lag damit deutlich unter dem Höchststand von 81 Prozent aus dem Jahr 2010.

Sie übersteigt aber die reguläre Obergrenze des Maastricht-Vertrags von 60 Prozent immer noch deutlich.“ Neben der guten Konjunkturentwicklung tragen vor allem die Rekordniedrigen Zinsen der EZB zur Haushaltsverbesserung bei. So waren die Schulden des Bundes 2016 um 6,1 Mrd. Euro auf 1,26 Billionen gesunken. Während die Schulden leicht unter dem Niveau von 2011 lagen, sind die Zinszahlungen des Bundes im gleichen Zeitraum von 33,6 Mrd. Euro für 2011 auf 25,2 Mrd. Euro für 2016 zurückgegangen - Draghi‘s Nullzinspolitik macht’s möglich.

In den nächsten Jahren wird der Bund noch mehr davon profitieren, werden doch alte, hochverzinsliche Anleihen, weiterhin durch neue mit absoluten Minizinsen ersetzt. Die Folge: Laut der Planung von Finanzminister Schäuble sind die Zinsbelastung 2017 auf 20 Mrd. Euro.

Frankreich bleibt ein enormer Risikofaktor

Während sich für Deutschland die Lage bezüglich der Schulden zusehends entspannt, ist sie für viele andere Länder immer noch prekär: Wie prekär, das sagte Francois Fillon, der Kandidat der Konservativen für die Präsidentschaftswahl in Frankreich am 23. April, zuletzt unmissverständlich.

Er warnte, Frankreich drohe dasselbe Schicksal wie dem schuldengeplagten Griechenland. Frankreich als Staat stehe vor dem Scheitern. „Unser Schuldenstand zwingt uns dazu, an den internationalen Märkten täglich Mrd. von Euro aufzunehmen“, sagte Fillon. So offen die Fakten auszusprechen kann man allerdings nur, wenn man sich keinerlei Chancen ausrechnet, die Wahl zu gewinnen. Ansonsten muss man den Wählerinnen und Wählern suggerieren, dass alles so bleiben kann wie es ist - die Schuldensause also weitgehend ungebremst weitergeht.

Dabei lagen die Schulden Frankreichs zuletzt bei 2,15 Billionen Euro - das sind herbe 97,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Ohne das massive Gelddrucken von EZB-Chef Mario Draghi lägen die Zinsen für zehnjährige französische Anleihen angesichts des massiven Schuldenbergs nicht bei knapp einem Prozent wie derzeit, sondern eher bei rund zehn Prozent.

Selbst bei Zinsen von vier oder fünf Prozent wäre Frankreich über Nacht pleite, würd das doch im Vergleich zum aktuellen Stand zusätzliche Zinsbelastungen von 64,5 bis 86 Mrd. Euro jährlich bedeuten.

Griechenland braucht neue Geldspritze

Dass die Lage für Griechenland mehr als prekär ist, weiß jeder, der die Medien auch nur gelegentlich verfolgt. Griechenland muss sich einmal mehr mit den Geldgebern einigen, damit das Land weiteres Geld aus dem bis Sommer 2018 laufendem Hilfsprogramm bekommt.

EU-Kommissionpräsident Jean-Claude Juncker erwartet, dass die Einigung im Idealfall bis zum Treffen der Euro-Finanzminister am 7. April in Malta vorliegen könnte. Das Bundesfinanzministerium hat ausgerechnet, dass es in einem ungünstigen Szenario einen zusätzlichen Finanzbedarf in dreistelliger Milliardenhöhe geben würde. Vor allem die Forderungen nach jahrzehntelanger Stundung der Zinszahlungen kämen die Geldgeber teuer zu stehen.

Immerhin gab es zuletzt einen Lichtblick in Portugal. So war das Haushaltsdefizit 2016 auf 2,1 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung gesunken. Eine Verbesserung der Haushaltslage ist weiterhin dringend notwendig, lagen doch die Schulden zuletzt bei rund 130 Prozent der Wirtschaftsleistung - das ist der nach Griechenland schlechteste Wert in der Euro-Zone.

Wenngleich etliche Länder zuletzt ihre Neuverschuldung ein wenig abgebaut haben, ist der Schuldenstand der Länder der Euro-Zone noch immer viel zu hoch.

Er beläuft sich auf herbe 90 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Bereinigt um den Musterschüler Deutschland liegt der Schuldenstand der restlichen Euro-Zone sogar bei 99 Prozent der Wirtschaftsleistung. Umso wichtiger ist es, dass hiesige Anleger einen Teil ihres Finanzvermögens in Gold halten, um sich gegen das massive Gelddrucken von EZB-Chef Mario Draghi und damit das Anheizen der Inflation zu schützen.

Gold kaufen ist ein hervorragender Schutz gegen eine mögliche weitere Abwertung des Euro und die heraufziehende Inflation.

Goldpreis: Deutschland ist Lichtblick im Euro-Staatsschulden-Sumpf
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [19]
  • von Heinz von Merkelhaus | 10.11.2017, 12:09 Antworten

    Italien wird uns in den Abgrund reißen

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