| GOLD | 5.077,16 $/oz | 4.437,50 €/oz | 142,67 €/g | 142.669 €/kg |
| SILBER | 82,37 $/oz | 72,01 €/oz | 2,32 €/g | 2.315,18 €/kg |
Zur Wochenmitte wird das Protokoll der letzten Zinssitzung der US-Notenbank veröffentlicht und als Höhepunkt am Freitag hält US-Notenbank-Chef Jerome Powell eine mit Hochspannung erwartete Rede auf dem Zentralbanken-Gipfel in Jackson Hole, Wyoming mit möglichen Hinweisen auf bevorstehende Zinssenkungen.
In Reaktion auf den Zweier-Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Wladimir Putin am letzten Freitag zur Besprechung der Beilegung des Russland-Ukraine Krieges reichen die Reaktionen von Schockzustand bis PR-Triumph.
Während Russland in der Ukraine militärisch weiter Fakten schafft und sein Comeback auf dem internationalen diplomatischen Parkett feiert, ringt die NATO um eine mögliche Friedenslösung und droht sich dabei innerlich aufzureiben.
Das für heute geplante Meeting zwischen Wolodymyr Selenskyj und Donald Trump im Oval Office mit anschließend geplanter großer Diskussionsrunde zwischen der "Koalition der Willigen", bestehend aus europäischen Staatschefs, der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und NATO-Generalsekretär Mark Rutte sowie der US-Administration unter Führung von Donald Trump und US-Vizepräsident J.D. Vance wirft seine Schatten voraus.
Aufgrund der extremen Unsicherheit im Vorfeld des chaotisch anberaumten Gipfels bezüglich seines Verlaufs, möglicher Ergebnisse und deren Tragweite kann der Goldpreis zum Wochenauftakt leicht zulegen.
Aktuell liegen die Notierungen pro Feinunze (31,1g) am Spot-Markt bei knapp 3.350 US-Dollar und das gelbe Edelmetall ringt nach wie vor um eine Richtungsentscheidung:

Der Silberpreis setzt seine Erholung nach dem jüngsten Rücksetzer auf die 50-Tage gleitende Durchschnittslinie (SMA 50) fort und notiert aktuell wieder über der 38-US-Dollar-Marke pro Unze:

Neben den geopolitischen Unwägbarkeiten könnten v. a. das FED-Protokoll („FED-Minutes“) zur Wochenmitte sowie die Aussagen der weltweit wichtigsten Zentral- und Notenbanker auf dem geldpolitischen Symposium in Jackson Hole, Wyoming ab Donnerstag (Fed-Chef-Powell am Freitag), die Preise von Gold und Silber signifikant beeinflussen.
Die Kursschwankungen können in dieser Woche daher ungewöhnlich hoch sein, mit Chancen auf der Oberseite aufgrund der sich zuspitzenden geopolitischen und geoökonomischen Lage (Handelskrieg läuft parallel weiter – Trump hält Versprechen niedrigerer Sektor-Zölle für einige Staaten nicht ein).
Wirtschaftsdaten aus den USA und Europa deuteten zuletzt auf eine Abkühlung der Konjunkturdynamik bei gleichzeitig angespannter Teuerungsdynamik hin.
Sollte die US-Notenbank Fed in Jackson Hole erste Signale für geldpolitische Lockerungen aussenden, könnte der Goldpreis weiter Rückenwind bekommen.
Gleichzeitig bleibt die Nachfrage aus Asien hoch. Zusammen ergibt sich ein Umfeld, in dem Gold vorerst als sicherer Hafen und Inflationsschutz auf dem Radarschirm vieler institutioneller und privater Anleger bleibt.
Die v. a. für den Goldpreis relevante Geopolitik wird derzeit maßgeblich von einer tektonischen Machtverschiebung geprägt.
Auf der einen Seite steht die NATO, die mit westlichen Verbündeten den Druck auf Russland erhöht.
Auf der anderen Seite wächst der BRICS-Block mit Ländern wie China, Indien, Brasilien, Südafrika und dem erweiterten "BRICS+"-Block (globaler Süden).
Diese Polarisierung zeigt sich nicht nur in militärischen Konflikten wie dem Russland-Ukraine-Krieg, sondern auch in wirtschaftlichen Strukturen. Handel, Energieversorgung und Rohstoffpolitik werden zunehmend geopolitisch bestimmt. Der US-Dollar als Weltleitwährung wird dabei offen infrage gestellt. Viele BRICS-Staaten forcieren den Handel in lokalen Währungen oder sogar in Gold.
Zuletzt in Form eines bilateralen Handelsabkommens zwischen Indien und China über den Güter- und Waren-Austausch in Rupie und Yuan statt in US-Dollar.
Je stärker die Welt in geopolitische Lager zerfällt, desto größer wird die Rolle von Edelmetallen als neutraler Wertmaßstab.
Einige Währungsexperten sprechen bereits von einem „Goldstandard 2.0“, bei dem physisches Gold als Brücke zwischen konkurrierenden Währungssystemen dienen könnte.
Generell schafft diese tektonische Machtverschiebung Unsicherheit. Und Unsicherheit treibt traditionell den Goldpreis.
Wobei der Machtkampf nicht nur zwischen globalen Hemisphären tobt, sondern auch innerhalb der einzelnen Staaten und Staatengemeinschaften (EU).
In den USA liefern sich die sogenannten „Neocons“ und die „MAGA“-Bewegung („Make America Great Again“) einen Machtkampf.
Innerhalb der NATO gehen die Zielvorstellungen zunehmend auseinander, v. a. die Prioritäten der USA und die der Europäer.
Innerhalb der EU verschärft sich die Polarisierung zwischen den politischen Lagern bis hin zum offenen Machtkampf zwischen der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, den von der Leyen als „Störfaktor“ ansieht.
Sogar in der Ukraine zerrt der Skandal um die ursprünglich von der Regierung Selenskyj geplante Entmachtung der Anti-Korruptionsbehörden sowie die neuen Einberufungsgesetze für die Armee (Einberufung ab 20 statt ab 25 Jahren) an der Einheit des Landes.
Dazu kommt die brenzliche Lage an der Front, die mit z. T. scharfer Kritik von ukrainischen Offizieren an der ukrainischen Militärführung einhergeht.
Der Russland-Ukraine Krieg bleibt ein zentraler Dauer-Faktor für die geopolitische Unsicherheit. Während westliche Staaten die Ukraine militärisch und finanziell unterstützen, versucht Russland seine Position durch enge Kooperationen mit den BRICS-Partnern zu stärken.
Diese Entwicklung belastet die globalen Handelsketten und sorgt für unkalkulierbare Risiken durch Drittstaaten-Sanktionen und Energie-Boykotte.
Für Anleger entscheidend: Jede aktuell mögliche Eskalation in diesem Konflikt führt zu einem Anstieg der Nachfrage nach sicheren Häfen. Schon kleine Meldungen über mögliche Offensiven oder diplomatische Rückschläge bzw. neue Sanktionsspiralen lassen den Goldpreis kurzfristig steigen.
Zudem hat der Krieg eine zweite Ebene: die Energiewende und die Suche nach alternativen Lieferketten. Europa setzt zunehmend auf eigene oder US-amerikanische Ressourcen sowie strategische Reserven, die aber teuer sind, während Russland verstärkt nach Asien exportiert.
Gold wird dadurch noch stärker zu einem geopolitischen Faktor, weil es sowohl von westlichen als auch östlichen Investoren als Wertmaßstab akzeptiert wird.
Neben geopolitischen Konflikten wirken auch makroökonomische Faktoren auf den Goldpreis. Mehrere Schwellenländer, darunter Argentinien und die Türkei, kämpfen mit massiver Inflation.
Brasiliens Wirtschaft leidet unter den enormen US-Import-Strafzöllen in Höhe von 50 Prozent. Der Wert dieser Landeswährungen schwindet rasch, was die Nachfrage nach Gold zuletzt verstärkte.
Aber auch Industrieländer sind betroffen: Die hohe Staatsverschuldung in den USA und Europa zwingt Regierungen zu immer riskanteren Finanzpolitiken (siehe Deutschland). Sollte das Vertrauen in die Stabilität des US-Dollars sowie der Gemeinschaftswährung Euro weiter erodieren, könnte Gold zum zentralen Stabilitätsanker reüssieren.
Die Inflation bleibt zudem weltweit ein großes Thema. Selbst bei sinkenden Inflationsraten liegen die Werte in vielen Ländern weit über den Zielvorgaben der Zentral- und Notenbanken (aktuell auch in den USA). Das stärkt die Rolle von Gold als Inflationsschutz.
Die am Montag um 11 Uhr veröffentlichten Außenhandelsdaten der Eurozone für den Juni zeigen bereits erste Spuren des Handelskriegs, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch der niedrigere Basiszollsatz von 10 Prozent galt (aktuell 15 Prozent).
Die Erwartungen eines Überschusses von 18,1 Milliarden Euro wurden mit lediglich 7,0 Milliarden Euro deutlich verfehlt:

Neben den US-Zöllen und der Schwemme billiger China-Importe machen die Statistiker auch schwächere Absätze in Schwellenländern und hier speziell in Asien für den Rückgang des Außenhandelsüberschusses der Eurozone verantwortlich.
Die Handelsbilanz der Eurozone erfasst die monatlichen Transaktionen aller Waren und Dienstleistungen, die in das Ausland exportiert werden bzw. vom Ausland importiert werden.
Handelsbilanzüberschüsse können das Wirtschaftswachstum im Inland ankurbeln. Umgekehrt können Handelsbilanzdefizite das Wirtschaftswachstum belasten.
Wenn die Handelsbilanz einen höher als erwarteten Überschuss ausweist, führt das auf den Devisenmärkten in der Regel zu einem steigenden Kurs des Euro. Umgekehrt sinkt der Kurs der Gemeinschaftswährung, wenn die Handelsbilanz ein höher als erwartetes Defizit ausweist oder die Erwartungen wie in diesem Fall stark verfehlt (Quelle: Investing.com).Kursentscheidende Ereignisse in der aktuellen Handelswoche
Auch in dieser Woche gibt es bedeutende Ereignisse jenseits des routinemäßigen Datenkalenders:
Wichtige Termine für den Goldpreis in der Kalenderwoche 34
Montag, 18. August: Handelsbilanz Juni (akt.: +7 Mrd. EUR | e: 18,1 Mrd. EUR | Mai: +16,5 Mrd. EUR), US-NAHB-Immobilienmarkt-Index für August (16:00 Uhr MESZ | e: 34 | Juli: 33).
Dienstag, 19. August:US-Wohnbaubeginne Juli (14:30 Uhr MESZ | e: 1,29 Mio. | Juni: 1,32 Mio.).
Mittwoch, 20. August:EZB-Präsidentin Christine Lagarde äußert sich zur aktuellen geldpolitischen Lage, der Inflation sowie der Konjunkturentwicklung (9:10 Uhr MESZ), US-Notenbank-Protokoll zur letzten Zinssitzung („FOMC-Minutes“ | 20:00 Uhr MESZ).
Donnerstag, 21. August:Beginn Jackson Hole Symposium, Einkaufs-Manager-Gesamt-Index für Deutschland im August (9:30 Uhr | e: 50,3 | Juli: 50,6), US-Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung KW 33 (14:30 Uhr MESZ | e: 227k | KW 32: 224k), US-Phily-Fed-Herstellungsindex für August (14:30 Uhr | e: 5,9 | Juli: 15,9).
Freitag, 22. August: Rede von FED-Chef Jerome Powell auf dem Jackson Hole Symposium (2:00 Uhr MESZ), Terminmarktdaten der US-Aufsichtsbehörde CFTC (COT-Report) für Gold, Silber & Co. (21:30 Uhr MESZ).
Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.
Der Wochenausblick zeigt deutlich: Gold bleibt ein strategisches Asset im Spannungsfeld von Geopolitik und Geoökonomie. Der vielversprechende Start in die Woche signalisiert, dass Investoren die Risiken zunehmend einpreisen und wieder vermehrt auf Sicherheit setzen („Risk Off Trade“).
Die tektonische Machtverschiebung zwischen NATO und BRICS, der Russland-Ukraine-Krieg, aufflammende Währungskrisen im Zuge des Handelskrieges und die Sorge vor Inflation bilden ein explosives Gemisch.
Für Anleger bedeutet das: Der Goldpreis dürfte in den kommenden Wochen volatil bleiben, aber die fundamentale Tendenz zeigt klar nach oben.
Wer langfristig denkt, sieht in Edelmetallen nicht nur einen sicheren Hafen, sondern auch ein Instrument geopolitischer Absicherung. Die Ereignisse überschlagen sich und Gold steht dabei als Asset-Klasse der ersten Wahl im Zentrum.