| GOLD | 4.165,56 $/oz | 3.705,85 €/oz | 119,15 €/g | 119.146 €/kg |
| SILBER | 56,98 $/oz | 50,70 €/oz | 1,63 €/g | 1.630,04 €/kg |
Damit hat die 50-Tage-Linie die Angriffe der Bären in dieser Woche viermal erfolgreich abgewehrt, und unser primäres Szenario einer Seitwärtsbewegung zwischen der 50- und der 200-Tage-Linie bleibt intakt.
Der Rückgang beim Goldpreis war neben der überkauften Lage vor allem der sich abzeichnenden Zinserhöhung geschuldet. So beschloss die US-Notenbank Federal Reserve am Mittwochabend ihre erste Zinsanhebung unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh um 25 Basispunkte. Eine Entscheidung, die von den Märkten schrittweise eingepreist worden war und daher kaum für Überraschungen sorgte.
Im Fokus stand weniger das „Was“, sondern vielmehr das „Wie“:
Denn jede weitere Zinserhöhung verschärft nicht nur die Finanzierungsbedingungen, sondern auch die Spannungen mit Präsident Trump, der die restriktive Kursnahme der Notenbank im Vorfeld der US-Midterm-Wahlen kritisch beäugt.
Spannend ist auch die Gegenüberstellung der geldpolitischen Entscheidungen von 2024 und 2026, welche eine bemerkenswerte Asymmetrie in der Reaktionsfunktion der Federal Reserve offenbart.
Während die US-Notenbank unter Powell im Wahljahr 2024 bei einer Kerninflationsrate von 3,3 % noch zwei Monate vor der Präsidentschaftswahl expansiv um 50 Basispunkte lockerte, entschied sich die US-Notenbank unter der neuen Warsh-Führung 2026 bei deutlich niedrigerer Kerninflation von 2,4 % für eine restriktive Straffung um 25 Basispunkte – ausgerechnet im Vorfeld der Midterms.
Diese Divergenz wirft die Frage auf, inwieweit sich der politische Druck oder die interne Risikobewertung der Notenbank verschoben hat, zumal die aktuelle Inflationsdynamik maßgeblich durch exogene Schocks im Energiesektor (Iran-Konflikt) getrieben wird, auf die klassische Zinsinstrumente kaum Einfluss haben.
Fed-Chef Kevin Warsh hat mit der einstimmig beschlossenen Zinserhöhung und seiner kompromisslosen Rhetorik im Kampf gegen die Inflation zunächst die institutionelle Unabhängigkeit der Notenbank gegenüber dem Weißen Haus unterstrichen. Damit sorgte er kurzfristig für Stabilität an den Anleihemärkten. Nach einem ersten unmittelbaren Abverkauf honorierten auch die Aktienmärkte diese Demonstration geldpolitischer Glaubwürdigkeit.
Dennoch bleibt die ökonomische Logik des Zinsschritts fragwürdig: Wenn ein wesentlicher Teil des aktuellen Preisdrucks auf steigende Energie-, Diesel- und Düngemittelkosten zurückzuführen ist, die wiederum die Produktionskosten in Landwirtschaft und Logistik erhöhen, wirkt eine Zinserhöhung eher kontraproduktiv. Sie verteuert die Finanzierung in den betroffenen Sektoren, ohne das Angebot an Energie oder Nahrungsmitteln auszuweiten. Vieles deutet daher darauf hin, dass die Fed vor allem die Inflationserwartungen verankern will – selbst wenn ihr Instrumentarium gegen die derzeitige angebotsseitige Inflation nur sehr begrenzt wirksam ist.
Gleichzeitig könnten die Aussicht auf weitere Zinsschritte im Oktober oder Dezember und die näher rückenden US-Midterm-Wahlen auch in den kommenden Wochen für erhöhte Unsicherheit an den Finanzmärkten sorgen. Erst ab Mitte Oktober dürfte sich diese Phase allmählich entspannen. Bis dahin sollten Investoren mit erhöhter Volatilität und abrupten Kursrücksetzern rechnen, die jederzeit auch auf den Edelmetallsektor übergreifen können.
Da die Stimmung unter institutionellen Investoren, Hedgefonds und Privatanlegern bereits spürbar gedämpft ist, bleiben wir für das vierte Quartal dennoch vorsichtig optimistisch. Langfristig stellt die Diskrepanz zwischen der geldpolitischen Straffung und der realwirtschaftlichen Entwicklung jedoch einen potenziellen Schwachpunkt dar, der die Nachhaltigkeit des aktuellen Fed-Kurses infrage stellt.
Gold in US-Dollar, Tageschart vom 18. September 2026. © GOLD.DE
Ausgehend von seinem August-Hoch bei 4.697 US-Dollar korrigierte der Goldpreis in den vergangenen drei Wochen seine fulminante Sommerrallye und gab dabei rund 10 % nach. Bereits das Notenbankertreffen in Jackson Hole hatte Ende August zwei scharfe Verkaufswellen ausgelöst und den Preis bis auf 4.282 US-Dollar gedrückt. Im Anschluss kamen die Bären jedoch nur noch langsam und mit nachlassender Dynamik voran. Zwar markierte der Goldpreis unmittelbar nach dem Fed-Zinsentscheid mit 4.235 US-Dollar ein neues Korrekturtief, doch ein Tagesschluss deutlich unterhalb der langsam steigenden 50-Tage-Linie bei 4.288 US-Dollar blieb den Bären in dieser Woche verwehrt.
Nicht überraschend nutzten vielmehr die Bullen seit Mittwochabend die deutlich überverkaufte Lage auf dem Tageschart für eine Erholung. Am Freitagmorgen gelang zudem der Ausbruch über den kurzfristigen Abwärtstrend, wodurch sich das technische Bild zügig wieder aufgehellt hat. Eine Fortsetzung der Erholung bis zur 200-Tage-Linie (aktuell 4.541 US-Dollar) erscheint auf Sicht der kommenden Wochen daher realistisch.
Nur wenn erneut Schwäche aufkommt und die 50-Tage-Linie einem weiteren Angriff diesmal nicht standhalten sollte, würde sich das charttechnische Bild deutlich eintrüben.
Wahrscheinlicher bleibt jedoch unser prognostizierte Seitwärtsszenario zwischen der 50- und der 200-Tage-Linie. Diese Konsolidierungsphase könnte im vierten Quartal als Basis für einen weiteren Anstieg dienen. Gelingt anschließend der nachhaltige Ausbruch über die 200-Tage-Linie, wären im ersten Quartal 2027 auch wieder Kurse um und oberhalb von 5.000 US-Dollar denkbar.
Der Goldmarkt befindet sich aktuell in einem klassischen Spannungsfeld: Die Fed verschärft ihre Geldpolitik, um die Inflationserwartungen zu stabilisieren, obwohl ein erheblicher Teil des Preisdrucks durch externe Energie- und geopolitische Schocks verursacht wird. Kurzfristig belastet das höhere Zinsniveau zwar den Goldpreis, doch die überverkaufte Marktlage, die starke Unterstützung an der 50-Tage-Linie und die ausgeprägte Short-Positionierung sprechen für eine technische Erholung.
Solange 4.250 US-Dollar nicht nachhaltig unterschritten werden, bleibt eine Erholungsbewegung in Richtung 4.550 US-Dollar das wahrscheinlichere Szenario.
Übergeordnet dürfte Gold zunächst zwischen der 50- und der 200-Tage-Linie konsolidieren. Diese Verschnaufpause könnte sich im weiteren Jahresverlauf jedoch als Vorbereitung auf eine neue Aufwärtsbewegung erweisen – mit der Möglichkeit, im 1. Quartal 2027 die Marke von 5.000 US-Dollar erstmals wieder ins Visier zu nehmen.