Stand: 05.03.2019 von Jörg Bernhard 7 Kommentare

In der vergangenen Woche musste der Goldpreis einen empfindlichen Dämpfer hinnehmen. Für das Verletzen der Marke von 1.300 Dollar gab es im Wesentlichen drei Gründe: Starke Aktienmärkte, ein freundlicher Dollar und höhere US-Zinsen.

Erstens: Steigende Opportunitätskosten belasten

In der vergangenen Woche gab es bei den Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen in der Spitze einen Anstieg von 2,64 auf 2,75 Prozent zu vermelden. Weil in den vergangenen Monaten die Inflation (Januar: 1,6 Prozent p.a.) tendenziell gesunken ist, dürfen sich Anleiheinvestoren wieder über etwas erträglichere Realzinsen (inflationsbereinigte Renditen) freuen – zumindest in den USA.

Hierzulande wird über Bundesanleihen aber weiterhin systematisch Vermögen vernichtet, schließlich bieten selbst Papiere mit 30 Jahren Laufzeit nur magere 0,8 Prozent p.a., und das bei einer Inflation von 1,6 Prozent im Februar.

Dennoch macht es keinen Sinn, wegen gestiegener Zinsen Gold zu verkaufen: Höhere Renditen gehen in der Kapitalmarktlehre nämlich stets mit einem erhöhten Risiko einher. Wenn man sich dann auch noch überlegt, auf welchem Zinsniveau wir ohne die massiven Interventionen der Notenbanken angelangt wären, dürfte jedem klar sein, dass Anleihen erheblich überbewertet sein dürften.

Zweitens: Dollar deutlich gefragter als Gold

Der oben erwähnte Zinsanstieg in den USA hat dem Dollar nach einer mehrwöchigen Talfahrt zu einem starken Rebound verholfen. Selbst der indisch-pakistanische Militärkonflikt um die Kaschmir-Region, hat weniger die Goldnachfrage, sondern vor allem dem Dollar in höhere Regionen verholfen. Und die negative Korrelation zwischen der US-Währung und Gold hat sich einmal mehr als ziemlich zuverlässig erwiesen.

Im vergangenen Jahr war die Dollarstärke hauptverantwortlich für das während der Sommermonate zu beobachtende Stimmungstief. Europäische Goldbesitzer können sich jedoch damit trösten, dass ein starker Dollar etwaige Goldpreisverluste kompensieren kann. An den internationalen Finanzmärkten gilt der Euro offensichtlich als die labilere Währung – so richtig kaufenswert scheint angesichts der Geldmengen- und Schuldenexplosion aber keine von beiden zu sein.

Drittens: Unsicherheit an den Aktienmärkten gesunken

Wochenlang hat die negative Korrelation zwischen den beiden Anlageklassen Aktien und Gold nicht funktioniert. Auf die Erholungsphasen wichtiger Aktienindizes im zweistelligen Prozentbereich reagierte die alternative Krisenwährung relativ „cool“ und hielt sich relativ wacker über der Marke von 1.300 Dollar.

Mittlerweile glaubt die Mehrheit der Investoren aber offensichtlich an das Ausbleiben einer Rezession und somit an ein Comeback der Dividendenwerte. Dass die Unsicherheit markant nachgelassen hat, lässt sich an den von Terminbörsenbetreibern entwickelten Volatilitätsindizes sehr gut ablesen.

Seit Ende Dezember hat sich der VDAX-New (deutsche Blue Chips) von 23,4 auf 15,2 Prozent reduziert, beim VSTOXX (europäische Blue Chips) war ein Rückgang von 23,9 auf 13,4 Prozent registriert worden und beim VIX (Blue Chips aus den USA) stellte sich ein Minus von 25,4 auf 13,6 Prozent ein. Als besonders interessant kann man den Umstand werten, dass der CBOE-Goldvolatilitätsindex derzeit um die Marke von zehn Prozent pendelt.

Das heißt: Ein Goldinvestment kann derzeit als risikoärmer eingestuft werden als Aktieninvestments mit einem hohen Maß an Diversifikation.

Ausblick für die laufende Woche

In den kommenden Handelstagen dürften die Akteure an den Goldmärkten die zahlreichen zur Bekanntgabe anstehenden Indikatoren von der internationalen „Konjunkturfront“ mit erhöhter Aufmerksamkeit verfolgen.

Neben der Datenflut zur Entwicklung des US-Arbeitsmarktes dürfte sich die Finanzwelt aber auch für andere wichtige Regionen wie China und Europa stark interessieren. Aus dem Reich der Mitte stehen zum Beispiel aktuelle Zahlen zur Entwicklung diverser Einkaufsmanagerindizes und der Handelsbilanz auf der Agenda.

In Europa dürfte ein Highlight – die Sitzung der Europäischen Zentralbank – besonders intensiv beobachtet werden. Die Entwicklung der US-Renditen bewegten sich im Februar in einem regelrechten Sägezahnmarkt. Insgesamt viermal sprang diese in Richtung 2,7 Prozent, um danach wieder abzustürzen.

Dies deutet vor allem auf eines hin: ein hohes Maß an Unsicherheit. Und in unsicheren Zeiten dürfte ein Investment in Gold keine schlechte Idee sein. Denn eines sollte man in diesem Zusammenhang stets bedenken – der Krisenschutz Gold hat bis dato jede Krise und jeden Krieg überlebt.

Und daran dürfte sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in den nächsten Jahrzehnten nichts ändern.

Goldpreis: Drei Gründe für den Rutsch unter 1.300 Dollar
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [7]
  • von bernd | 23.04.2019, 23:08 Antworten

    Falls mal Geld übrig, einfach beim seriösen Händler Gold kaufen - mit geringem Aufschlag. Das Ganze macht man aus Lust und Laune über Jahre, ohne Bauchschmerzen zu haben - und ohne auf den aktuellen Kurs zu starren - und siehe da, plötzlich ist ein kleiner Schatz da - sehr beruhigend für die Seele.

  • von Stefan | 10.03.2019, 09:22 Antworten

    meine Gedanken zum Zitat:
    der Krisenschutz Gold hat bis dato jede Krise und jeden Krieg überlebt.
    Wenn der Euro platzen sollte und die BRD eine neue Währung einführen sollte,
    könnte es auch zu einem Verbot des Goldhandels und zum Besitz von Gold für Privatpersonen kommen.Dieses Szenario hatten wir bereits.Wegen der großen Geldmenge die im Umlauf ist und die enorme Verschuldung der südlichen EU-Staaten kann die EU-Blase jederzeit platzen und wir Sparer stehen vor dem nichts.In dieser Situation nutzt mir auch kein Gold, da der Handel damit vom Staat verboten werden kann.

    • von Halligalli | 16.03.2019, 18:02 Antworten

      Sehen Sie, genau das sehe ich nicht so. Es wurde schon mehrfach betont, daß Gold zwar IN der Krise nicht wirklich hilft, jedoch DANACH. Zudem werden wir mit zunehmender Zuwanderung erleben, daß das,was sich in den Herkunftsländern als wertvoll erwiesen hat, auch hier wertgeschätzt sein wird. Gold. Lassen Sie einen früheren Beduinen mal wählen, was ihm lieber ist: Cash, Bitcoins, Gold ?

  • von Der Prophet | 07.03.2019, 17:31 Antworten

    ...irgendwann werden die Idioten, die 20000 Dollar für einen Bitcoin bezahlt haben auch 20000 Dollar für eine Unze Gold bezahlen.

  • von Gold Anleger | 07.03.2019, 11:22 Antworten

    Ich empfehle einen eigenen kleinen Goldsparplan, zum Beispiel jeden Monat eine halbe oder eine viertel Unze Australian Nuggets Känguruh zu kaufen.

    999,9 Gold, blank poliert, ein schöneres und reineres Gold habe ich noch nie in den Händen gehabt.

    So können einen Kursschwankungen nichts anhaben.

    Im Gegenteil, wer auch diesen Monat wieder kauft, kauft sogar günstiger, weil der Preis jetzt mal etwas fällt.

  • von Thomas Wuttke | 05.03.2019, 15:16 Antworten

    Ja, mein Gott. Sollen sie doch machen. Ich kaufe trotzdem gerne weiter von meinem Lohn Gold/Silber/Platin.

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