Stand: 16.08.2018 von Egmond Haidt 6 Kommentare

Der Goldpreis ist zuletzt eingebrochen, womit sich die Talfahrt beschleunigt hat. Das ist umso bemerkenswerter, gibt es doch weltweit eine Reihe von Krisen, weshalb ein sicherer Hafen eigentlich gefragt sein sollte. Dennoch könnte der Kursrückgang weitergehen, was vor allem von einem Faktor abhängt.

Der Frust vieler Gold-Besitzer in Deutschland nimmt von Tag zu Tag zu. Der Goldpreis ist auf rund 1.180 Dollar je Unze eingebrochen, gegenüber dem 52-Wochen-Hoch vom April, ist die Notierung um 12,5 Prozent abgerutscht.

Welchen Unterschied doch vier Monate ausmachen: Während damals viele Anleger erwartet hatten, dass die Goldpreisentwicklung endlich nach oben ausbrechen würde, ist es in den Folgemonaten kräftig abwärts gegangen, zuletzt sogar beschleunigt. Mit Kursen von um die knapp 1.050 Euro je Unze ist der Goldpreis auf Euro-Basis sogar auf Zwei-Jahres-Tiefs gesunken.

Goldpreis kollabiert trotz zahlreicher Krisen

Goldpreis 1 Jahr

Der Kursrückgang erstaunt viele Investoren, haben sich in den vergangenen Monaten doch viele Krisen verschärft, die für deutliche Kursturbulenzen am weltweiten Aktienmarkt sprechen und im Gegenzug den Goldpreis hätten nach oben treiben müssen.

Bislang sind allerdings hauptsächlich die Aktienmärkte in den Emerging Markets, der DAX und der Nikkei unter Druck, während der S&P500 nur knapp unter den Rekordhochs notiert. Da glauben viele Investoren, dass sie Gold als Absicherung gegen einen jederzeit möglichen Kurseinbruch am US-Aktienmarkt nicht brauchen würden.

Der mit Abstand größte Risikofaktor für die Weltwirtschaft und damit den US-Aktienmarkt ist die Eskalation des Handelskriegs zwischen den USA und China, womit sich die Perspektiven für die zwei größten Volkswirtschaften der Welt weiter eintrüben. So führt die USA am 23. August Strafzölle von 25 Prozent auf chinesische Güter im Wert von 16 Mrd. Dollar ein, während China am gleichen Tag im gleichen Ausmaß zurückschlagen wird.

Weil das US-Präsident Donald Trump zusehends wütend macht und weil er den Aufstieg Chinas zur größten Wirtschaftsmacht der Welt unter allen Umständen verhindern will, hat er seinen Handelsbeauftragen Robert Lighthizer angewiesen, Strafzölle von 25 Prozent auf chinesische Güter im Wert von 200 Mrd. Dollar vorzubereiten. Nach deren Einführung würde rund die Hälfte sämtlicher Ausfuhren Chinas in die USA von mehr als 500 Dollar von den US-Strafzöllen betroffen sein.

Das hätte nicht nur massive negative Auswirkungen auf China, sondern auch auf die US-Wirtschaft, weil chinesische Produkte in den USA deutlich teurer würden. Weil gleichzeitig viele US-Unternehmen diese Gelegenheit nutzen dürften, um ihre Preise zu erhöhen, dürfte das zu noch stärker steigender Inflation in den USA führen, was die Nachfrage von Unternehmen und Verbrauchern kräftig dämpfen sollte. Gleichzeitig ist aus dem Handelskrieg längst ein Währungskrieg geworden, weil China den Renminbi immer weiter abwertet und damit den Angriff der USA teilweise kontert.

Währungskrise in den Emerging Markets droht zur Schuldenkrise zu werden

Neben dem Handels- beziehungsweise Währungskrieg gibt es noch eine Reihe anderer Gründe, die für einen deutlichen Kursrutsch am US-Aktienmarkt sprechen. Neben der Türkei-Krise, sprich des Kollapses der türkischen Lira, ist vor allem die Währungskrise in den Emerging Markets von großer Bedeutung.

Weil Währungen wie der argentinische Peso, der brasilianische Real oder der südafrikanische Rand gegenüber Dollar und Euro kräftig gesunken sind, werden Produkte aus den USA oder der Euro-Zone in diesen Ländern deutlich teurer. Das dämpft die Nachfrage.

Gleichzeitig kommen jene Gläubiger aus den Emerging Markets, vor allem die Unternehmen, schwer in die Bredouille, die sich in den vergangenen Jahren massiv auf Dollar- oder Euro-Basis verschuldet haben. So sind die Dollar-Schulden der Emerging Markets im ersten Quartal 2018 auf den Rekord von 3,7 Billionen Dollar gestiegen. Da bedeutet jeder noch so kleine Dollar-Anstieg enorme Belastungen. Trotz dieses Risikos ist der Goldpreis auf Talfahrt.

Italien will von Sparen nichts wissen

Gleichzeitig schwelt die Italien-Krise immer weiter. Nachdem die neue Regierung die ganze Zeit klar gemacht hat, dass der Haushaltsentwurf für 2019 einen massiven Schuldenanstieg vorsehen wird, will sie nun den Einsturz der Brücke bei Genua nutzen, um verstärkte Zugeständnisse der EU zu bekommen.

Die Regierung behauptet, dass sie wegen der Sparauflagen der EU nicht genug Geld in die Infrastruktur investieren kann.

Davon, dass Italien wegen des massiven Gelddruckens der EZB jährlich zig Mrd. an Zinsausgaben spart, womit der Haushalt künstlich stark entlastet wird, davon ist nie die Rede.

Vielmehr hat die Regierung die EZB aufgefordert, zu verhindern, dass die Zinsen deutlich steigen. Die Zinsen steigen allerdings nur für Länder wie Italien, die extrem hoch verschuldet sind und dennoch massiv neue Schulden machen wollen, um Wahlgeschenke an die Wähler zu verteilen. Dass in dem Umfeld Investoren in Bundesanleihen flüchten, ist völlig logisch.

Bei all den Risiken erwähne ich die Gefahr eines „hartenBrexits nur kurz, also das ungeregelten Austritts Großbritanniens aus der EU. Welche Folge das für die dortige Wirtschaft und auch für die der Euro-Zone hat, kann sich jeder selbst ausmalen.

Entwicklung des Goldpreises hängt stark an einem Währungspaar

Wieso fällt der Goldpreis trotz all dieser Risiken für die Weltwirtschaft und damit auch den US-Aktienmarkt? Weil es in den vergangenen Monaten eine sehr starke Korrelation zwischen der Entwicklung des Dollar gegenüber dem Renminbi und dem Goldpreis gegeben hat.

Wenn der Dollar gegenüber dem Renminbi kräftig gestiegen ist, ist der Goldpreis ebenso stark gesunken. Dieser Zusammenhang macht eigentlich keinen Sinn, denn die Talfahrt des Renminbi bedeutet enorme Risiken für die Weltwirtschaft und damit den Aktienmarkt. In dem Umfeld müsste der Goldpreis trotz des steigenden Dollar eigentlich steigen.

Dennoch ist der Goldpreis auf Talfahrt und China dürfte darüber nicht gerade unglücklich sein. Denn so haben die Regierung und die Bürger weiterhin die Möglichkeit, zu praktisch den gleichen Renminbi-Kursen wie zuvor physisches Gold zu kaufen.

Obwohl China schon länger keine Veröffentlichung mehr zu den möglichen Käufen der Notenbank gemacht hat, bin ich der festen Überzeugung, dass China genau so wie der Partner Russland die Talfahrt des Goldpreises nutzt, um seine Bestände kräftig aufzustocken.

Zur Erinnerung:

Russland hat in den vergangenen Monaten fast seine gesamten US-Staatsanleihen liquidiert, während das Land weiter kräftig Gold gekauft hat.

Die Folge:

Der Goldbestand Russlands hat bei einem Bestand von 1.944 Tonnen einen Wert von 73,8 Mrd. Dollar - das ist das Fünffache des Bestands an US-Staatsanleihen. Da die Lage zwischen den USA und Russland mit immer neuen US-Sanktionen weiter eskalieren dürfte, könnte Russland auch seine letzten US-Anleihen noch verkaufen und weiter Gold kaufen.

Ob die harten Zeiten für die Gold-Fans hierzulande anhalten, werden die nächsten Monate zeigen. Wenn die hohe Korrelation zwischen Dollar-Renminbi und dem Goldpreis bestehen bleibt, könnte die Notierung des Edelmetalls unter Druck bleiben.

Wie sich in dem Umfeld der Goldpreis auf Euro-Basis entwickelt hängt davon ab, ob die Talfahrt des Euro gegenüber dem Dollar weitergeht.

Goldpreis fällt trotz zahlreicher Brandherde
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [6]
  • von Paul | 29.08.2018, 01:12 Antworten

    "Russland hat in den vergangenen Monaten fast seine gesamten US-Staatsanleihen liquidiert, während das Land weiter kräftig Gold gekauft hat".

    Kräftig Gold gekauft - und der Goldpreis rutscht ab?

  • von anlegergold | 21.08.2018, 09:28 Antworten

    Nicht Frust schieben sondern KAUFEN!!!!!!!

  • von Bonnie | 17.08.2018, 11:13 Antworten

    Danke für den guten Beitrag.
    Solche Beiträge sind für mich wesentlich informativer, als Berichte über Tageslinien und es könnte und es würde...
    Macht weiter so.

  • von Arbli | 17.08.2018, 00:18 Antworten

    Der Goldpreis entwickelt sich derzeitig nicht so, wie es der Logik nach sein müßte.
    Weil ganz einfach manipuliert wird, um heile Welt vorzutäuschen.
    Wer hat: Bloß nicht verkaufen! Wer kann: Nachkaufen!
    Es geht bei Gold nicht um Spekulationsgewinne, sondern um Vermögenssicherung.
    Eine Sicherheit, die keine Währung weltweit bieten kann.

    • von Goldqueen | 17.08.2018, 13:57 Antworten

      genau...nicht verkaufen sondern kaufen..!

  • von Sukato | 16.08.2018, 20:11 Antworten

    Ich finde den Bericht mal ehrlich geschrieben. Nicht immer diese Kaffeesatzleserei in Form von, dass der Goldpreis steigen wird...
    In diesen Bericht wird halt ziemlich zu Anfang verdeutlicht, dass der Goldpreis EIGENTLICH steigen müsste.

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