Stand: 26.12.2014  0 Kommentare

Die weltweiten Aktienmärkte sind fest im Griff von Computersystemen, die über die ganze Welt gespannt sind und Transaktionen im Bruchteil einer Sekunde abwickeln. Auch auf dem Edelmetallmarkt gehören Telefon und Computer zu den wichtigsten Arbeitsutensilien von Händlern und Investoren - noch vor einigen Jahren bestimmte allerdings ein Utensil den Goldmarkt, welches ganz ohne Bildschirm und Internet auskam: Beim Londoner Goldpreisfixing wurde jeden Tag eine kleine britische Flagge geschwenkt, wenn der aktuelle Goldpreis feststand.

Geschichte des Goldfixing

Hintergrund dieser Zeremonie ist eine der traditionsreichsten Einrichtungen auf dem weltweiten Finanzmarkt: Seit dem 12. September 1919 wird beim so genannten Goldfixing auf dem London Bullion Market jeden Tag aufs Neue der Weltmarktpreis für Gold festgelegt. Zu dem ermittelten Kurs können Händler am Vormittag die nötigen Goldmengen einkaufen oder verkaufen. Zudem nutzen Edelmetallproduzenten, Banken und andere institutionelle Anleger das Goldfixing als Grundlage für ihre eigene Preispolitik.

Das Marktgeschehen sah dagegen vor fast hundert Jahren noch ganz anders aus - damals trafen sich fünf Vertreter der altehrwürdigen Londoner Geldhäuser N M Rothschild & Sons, Mocatta & Goldsmid, Samuel Montagu & Co., Pixley & Abell und Sharps & Wilkins in der Londoner Rotschild-Bank an einem Tisch und legten Tag für Tag den Goldpreis fest. In der Hand trugen sie kleine britische Fähnchen, die sie bei einer Einigung als Zeichen des erfolgreichen fixings senkten.

Die Treffen begannen traditionell mit einer Richtpreisnennung durch den Vorsitzenden, woraufhin alle Teilnehmer den genannten Preis an ihre Kunden weitergaben. Die Händler gaben eine Rückmeldung, wieviel sie zu diesem Preis kaufen oder verkaufen wollten - gab es keine Transaktionen, wurde der Preis am runden Tisch nach oben oder unten angepasst, bis ein Gleichgewicht zwischen Käufern und Verkäufern geschaffen wurde. Mit der Formel "There are no flags, and we're fixed" wurde der Fixing-Prozess abgeschlossen, der tagesaktuelle Goldpreis bekannt gegeben und die angeschlossenen Händler konnten zu dem genannten Preis ihr Gold verkaufen oder neue Ware erhalten.

Das traditionelle Treffen der einflussreichen Goldhändler hat sich seit 1919 freilich gewandelt - die Anwesenheit der Händler am Tisch in der Rothschild-Bank ist seit 2004 nicht mehr erforderlich, per Telefonkonferenz und dem kurzen Hinweis flag wird der Goldpreis heutzutage "gefixt".

Teilnehmende Banken beim zweimal täglichen Goldfixing

Seit 1968 gibt es zudem zwei Fixings pro Tag, um mögliche Marktschwankungen besser abbilden zu können. Zudem hat sich die Teilnehmerliste des Fixings geändert - aktuell sind Barclays Capital, HSBC aus Großbritannien, die französische Société Générale und die Bank of Nova Scotia aus Kanada die beteiligten Geldhäuser. Die Deutsche Bank ist am 13. Mai 2014 vom Preisbildungs-Prozess zurückgetreten. Seitens der Deutschen Bank betonte man aber, dass die Bank "voll im Edelmetallgeschäft engagiert" bleiben werde.

Die tägliche Telefonkonferenz ist in der Vergangenheit immer wieder zu einem Gradmesser für die Stabilität der Finanzmärkte geworden und bildet das Marktgeschehen auf dem Goldmarkt eindrucksvoll ab - je nach Nachfrage kann es mehrere Stunden dauern, bis der Goldpreis feststeht. Zudem können Händler bereits im Vorfeld ihre Kauf- oder Verkaufswünsche durchgeben oder sich während des Fixings über Preisschwankungen informieren lassen und die Bestellungen entsprechend anpassen. Und dieser Prozess zieht sich an ereignisreichen Handelstagen durchaus in die Länge, wie beispielsweise am 19. Oktober 1987, als die Goldhändler insgesamt zwei Stunden und 15 Minuten zusammen saßen, nachdem der "schwarze Montag? die US-Börsen durchgeschüttelt hatte.

Auch im Jahr 2014 hat das Londoner Goldpreisfixing eine große Bedeutung für den weltweiten Handel mit dem gelben Metall. So wird der Weltmarktpreis beispielsweise als Grundlage für die Berechnung von Gold-Futures genutzt. Allerdings ist der Fixing-Kurs im Zeitalter von Internet und Computer nur eine Momentaufnahme und schon nach wenigen Augenblicken überholt, da der Spot-Preis ständig angepasst wird.

Der London Bullion Market ist allerdings auch weiterhin ein Handelsplatz mit besonders hohem Renomée bei den Marktteilnehmern, weil Transaktionen hier "over the counter" abgewickelt werden, also außerbörslich und mit einer ständigen physischen Deckung - was auf dem "Bullion Market" angeboten wird, ist auch tatsächlich in einem Tresor in London vorhanden.

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