Stand: 05.09.2017 von Jörg Bernhard 6 Kommentare

Im August überwand der Goldpreis relativ dynamisch die Marke von 1.300 Dollar. Dies war aber in erster Linie den Spekulanten an der Terminbörse zu verdanken. Bei Goldmünzen wie dem American Eagle ging dieser Nachfrageboom eher spurlos vorüber.

Kräftiges Absatzminus bei US Mint

Obwohl in den USA der Goldpreis im August ein kleines Comeback gefeiert hat, kann man jenseits des Atlantiks nicht von einer ausgeprägten Kapitalflucht in den sicheren Hafen Gold sprechen.

Ein Indikator eignet sich zum Beweis dieser These besonders gut: Die Verkäufe von American-Eagles-Goldmünzen der nationalen Prägeanstalt US Mint. Grundsätzlich werden zum einen ältere Jahrgänge wie auch „nagelneue“ American-Eagles gehandelt.

Monat für Monat veröffentlicht die US Mint die Verkaufszahlen der frisch geprägten Exemplare. Dem Jahr 2017 kann man einen regelrechten Absatzeinbruch attestieren (s. Grafik).  

American Eagle Verkaufszahlen Dezember 2016 - August 2017

So wurden zum Beispiel im August lediglich 25.500 American-Eagles-Goldmünzen mit einem Feingewicht von insgesamt 9.500 Unzen ausgeliefert.

Zur Erinnerung: Im Januar lag der Vergleichswert noch bei 117.500 Feinunzen und im November, dem Monat des Wahlsiegs von Donald Trump, waren sogar 147.500 Feinunzen Gold auf diesem Weg abgesetzt worden.

Als noch miesere Monate erwiesen sich 2017 vor allem der April und der Juni, wo lediglich jeweils 6.000 Feinunzen Gold in Form von American-Eagles in den Besitz von US-Anlegern überging.

Extrem schwaches Absatzjahr droht

In den ersten acht Monaten gab es gegenüber den American-Eagles-Verkaufszahlen des vergleichbaren Vorjahreszeitraums ein ausgesprochen dickes Minus zu vermelden. Während 2016 von Januar bis August immerhin 598.000 Feinunzen Gold auf diesem Weg verkauft wurden, hat sich der Absatz 2017 auf 220.500 Feinunzen mehr als halbiert.

Hochgerechnet auf das Gesamtjahr droht mit über 330.000 Feinunzen das schlechteste Jahr seit 2007. Damals belief sich der Verkauf „fabrikneuer“ American-Eagles-Goldmünzen auf lediglich 198.500 Unzen. Zur Erinnerung: In den Jahren 2009 bis 2011 wurden Verkäufe von jeweils mindestens einer Million Feinunzen registriert.

Dies lässt nur einen Schluss zu: Der ultimative Krisenschutz in Form von physischem Gold scheint bei US-Anlegern derzeit nicht sonderlich stark gefragt zu sein. Große deutsche Edelmetallhandelshäuser berichten, dass sie seit Längerem von Mitbewerbern aus den USA verstärkt ältere Jahrgänge erwerben und an ihre Kundschaft veräußern.

Offenbar sorgen sich Deutsche stärker um ihre Währung als dies US-Amerikaner tun - trotz chaotischer politischer Verhältnisse in Washington. Jenseits des Atlantiks scheint der Glaube an die dauerhafte Werthaltigkeit des Dollars stärker ausgeprägt zu sein als in Deutschland.

Möglicherweise liegt dies daran, dass die USA - im Gegensatz zu Deutschland - noch nie unter einer Hyperinflation zu leiden hatten und ihre Währung seit der Unabhängigkeit im Jahr 1776 noch nie durch eine andere ersetzt worden ist.

Solche Worst-Case-Szenarien kann oder will der Durchschnittsamerikaner offensichtlich nicht in Erwägung ziehen.

Ausblick für die laufende Woche

Den Goldmärkten könnte ein heißer Herbst bevorstehen. Gründe hierfür gibt es zuhauf. Besonders heiß dürfte beispielsweise die Nordkorea-Krise diskutiert werden, nachdem Diktator Kim Jong Un am Wochenende einen Atombombentest durchführen ließ. Möglicherweise handelte es sich dabei sogar um eine Wasserstoffbombe.

Daneben dürfte aber auch die für Donnerstag anberaumte Sitzung der Europäischen Zentralbank für erhöhte Spannung sorgen. Für den Herbst wurde nämlich eine Neuausrichtung der europäischen Geldpolitik angekündigt.

In der Eurozone entwickelte sich die Wirtschaft in der jüngsten Vergangenheit relativ robust, schließlich wurde für das zweite Quartal ein BIP-Wachstum von 2,2 Prozent p.a. gemeldet. Hinweise über die aktuelle Entwicklung der deutschen Wirtschaft stehen mit aktuellen Zahlen zur Industrieproduktion und zur Handelsbilanz (Juli) am Donnerstag bzw. Freitag auf der Agenda.

Eine anhaltend starke Wirtschaft in der Eurozone hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass der starke Euro die Performance des Goldpreises bremst.

Während auf Dollarbasis seit dem Jahreswechsel ein Plus von 17 Prozent zu Buche schlug, sprang in Euro gerechnet ein magerer Wertzuwachs von lediglich 3,5 Prozent heraus.

Goldpreis: Flaute bei US-Goldmünzenverkäufen
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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Kommentare [6]
  • von Hein | 06.09.2017, 09:53 Antworten

    Es ist natürlich richtig, dass Kriesen den Goldpreis anfeuern.
    Auch die Zinspolitik spielt eine wesentliche Rolle.
    Schaut man sich die charts in € an so wird die Rendite Großteils vom starken € gedrückt.
    In $ sieht das ganz anders aus. Wir durften durch den starken € mehr als 15% "Verlust" hinnehmen.
    Schön, wenn jetzt eine Korrektur nach oben erfolgt.

    • von Christian G | 06.09.2017, 10:27 Antworten

      Wenn man es positiv betrachtet, bekommen wir durch den Wechselkurs 15 % Rabatt beim Nachkauf.

  • von Goldmann | 07.09.2017, 11:23 Antworten

    Nullzinspolitik bringt keine Inflation. Mal sehen ob die Zuwanderung eine Inflation bringt?
    Das Geld muß doch zu entwerten sein.
    Es ist nur eine Frage der Zeit...

  • von Hein | 08.09.2017, 06:30 Antworten

    China: Rohöl in Yuan mit Umtauschrecht in physisch Gold.
    [URL von Redaktion entfernt]
    Das finde ich interessant.

    • von Hanni und Nanni | 09.09.2017, 18:20 Antworten

      lieber Hain es gibt die Möglichkeit seinen Artikel anders zu puschen, als auf diese Art und weise! Das ist schon eher sehr subtil!!

  • von bling bling | 11.09.2017, 18:45 Antworten

    zum glück konnte ich den artikel noch lesen.
    was war denn daran verkehrt?
    ich fand das gut.
    [6. versuch]

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