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Stand: 16.11.2022 von Hannes Zipfel
Mit Aktien und Anleihen wurde auch der Goldpreis in den letzten Wochen mit nach oben gezogen. Doch es gibt einen speziellen Preisimpuls, über den vor allem Gold verfügt.
Goldpreis: Folgt nach dem Ausbruch die nachhaltige Kurswende?

Ausbruch aus dem Abwärtstrend

Mit der Hoffnung auf eine langsamere Gangart der US-Notenbank (Fed) in Sachen Zinsanhebungen und sich in den USA abschwächenden Inflationsraten, was den Zinsanhebungsdruck mindert, gelang dem Goldpreis der Ausbruch aus dem seit Anfang März dieses Jahres etablierten Abwärtstrends.

Dabei übertraf die Dynamik sogar die der Anleihe- und Aktienmärkte.

Bis fast an die charttechnisch wichtige gleitende 200-Tage-Durchschnittlinie hat es der Kurs des gelben Edelmetalls schon geschafft. Dieser verläuft aktuell bei der psychologisch wichtigen Marke von 1.800 US-Dollar pro Unze. Auf diesem Kursniveau bildeten sich bereits im Sommer Zwischenhochs, die nun zusammen mit der 200-Tage-Linie einen recht hartnäckigen Widerstand bilden.

Goldpreis in US-Dollar pro Unze

Auch die Oszillatoren „Relative Stärke“ (RSI) und die Stochastik zeigen zumindest kurzfristig eine "Überkauftheit" des Marktes an.

Übergeordnetes Bild zeigt klare Trendwende

Im längerfristigen Chartverlauf lässt sich bereits eine ausgedehnte Bodenbildungsformation beim Goldpreis erkennen. Zudem konnte das wichtige 61,8 Prozent Fibonacci-Retracement-Level mehrfach zurückerobert und zuletzt sogar das 50-Prozent-Level der vorherigen Korrekturbewegung seit Beginn des Jahres nach oben durchbrochen werden.

Goldpreis Ausbruch pro Unze in US-Dollar

Ohne geldpolitische Wende keine nachhaltige Hausse

Auch wenn zuletzt das Interesse der Profiinvestoren an Gold, erkennbar an den Zuflüssen in Gold-ETFs (Exchange Traded Funds) und in Gold-Long-Positionen an den Terminmärkten, wieder deutlich zunahm, benötigt es für eine nachhaltige Trendwende ein Umsteuern der Fed und nicht nur ein Hoffen darauf.

Nach dem unerwarteten Erfolg der Demokraten bei den Zwischenwahlen zum US-Kongress stehen die Chancen dafür gleichwohl nicht schlecht: Die Vizepräsidentin der Fed und Demokratin, Lael Brainard, sitzt mit im Entscheidungsgremium, dem Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) und spricht sich aufgrund der konjunkturellen Risiken, speziell für den Arbeitsmarkt, für ein deutlich moderateres Vorgehen in Sachen Geldpolitik aus, was auch dem zinslosen und liquiditätssensitiven Gold zugutekommt.

Hier gibt es also erste ernst zu nehmende Anzeichen für ein Ende des Zinszyklus und je nach Konjunkturverlauf oder anderen Ereignissen, sogar einer geldpolitischen Wende.

Die Besonderheit bei Gold

Ein wichtiger Aspekt, der Gold in besonderer Weise als Beimischung zum Gesamtvermögen interessant macht, ist der Schutz vor Systemkrisen, also jenen Ereignissen außerhalb des Einflussbereiches der Fed, die nicht vorhersehbar sind und das gesamte Finanzsystem destabilisieren können.

Gold hat 5.000 Jahre voller Krieg und Krisen mit und ohne Zentralbanken werthaltig überstanden und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die kommenden Turbulenzen überstehen.

Daher wundert es nicht, dass in diesen ungewöhnlich unsicheren Zeiten mit ökonomisch und geopolitisch ungewissem Ausgang sogar die Zentralbanken, die normalerweise keine Gelegenheit auslassen, ihr selbst gedrucktes Fiat-Geld als die Krönung der monetären Schöpfung zu vermarkten, die nur noch durch eine digitale Version verbessert werden könne, das "archaisches" Metallgeld Gold akkumulieren wie seit Langem nicht mehr.

Insgesamt belief sich die weltweite Goldnachfrage von Juli bis September 2011 auf 1.181 Tonnen, was einem Anstieg um 28 Prozent gegenüber den 922 Tonnen im gleichen Zeitraum des Jahres 2021 entspricht.

Die Käufe der Zentral- und Notenbankenbanken übertrafen dabei bei Weitem den bisherigen vierteljährlichen Rekord in Daten, die bis ins Jahr 2000 zurückreichen und erhöhten ihre Käufe für das Jahr 2022 bis Ultimo September auf 673 Tonnen.

Das entspricht mehr als den Gesamtkäufen bis zu diesem Zeitpunkt in einem ganzen Jahr seit 1967 (Quelle: World Gold Council):

Goldnachfrage der Zentralbanken bis September 2022 (WGC)

System am Anschlag

Wie stark das wirtschaftliche System in den USA bereits am Limit operiert, kann man an folgender Grafik erkennen: Sie zeigt, wie desperat besonders US-Verbraucher, deren Volkswirtschaft zu 70 Prozent vom Konsum abhängt, nach dem Auslaufen der Stimulus-Schecks sowie im Zuge des Inflations- und Zinsschocks durch noch mehr Schuldenaufnahme z. B. via Kreditkarten und das Verbrauchen der Ersparnisse versuchen, ihren Lebensstandard noch etwas länger aufrecht zu erhalten:

US-Kreditkartenschulden in Miliarden US-Dollar

Daher wird die Fed kurzfristig gezwungen, die Kreditkonditionen wieder deutlich laxer zu gestalten und Liquidität in die Vermögenswerte zu pumpen, damit diese wiederum zum Zwecke des Konsums aufgebläht und erneut beliehen werden können (z. B. Immobilien).

Wie extrem die Abhängigkeit von billigem und reichlich zur Verfügung stehendem Kredit in der nach wie vor größten Volkswirtschaft der Welt ist, zeigt folgendes Verhältnis (Quelle: Bureau of Economic Analysis):

Für 1,00 US-Dollar Wirtschaftswachstum (BIP-Wachstum) mussten im Jahr 2021 4,50 US-Dollar Neuverschuldung aufgenommen werden.

Grafisch sieht das dann so aus und zeigt, dass es sich um ein stetig verschlimmerndes Problem handelt, was keine nachhaltigen Zinsanstiege mehr zulässt und Gold als "Krisengeld" umso attraktiver macht, da der nächste Crash de facto vorprogrammiert ist.

USA: Gesamtverschuldung vs. BiP vs. Zinsen

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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