Stand: 03.10.2017 von Jörg Bernhard 3 Kommentare

Im September markierte der Goldpreis mit über 1.350 Dollar zwar ein Jahreshoch, rutschte aber danach wieder signifikant unter die Marke von 1.300 Dollar. Die Bilanz nach neun Monaten fällt gemischt aus.

Eurostärke verhagelt die Bilanz von Gold

Auf Dollarbasis kann sich die Performance des Goldpreises in den ersten neun Monaten durchaus sehen lassen. Seit dem Jahreswechsel belief sich diese nämlich auf plus 10,7 Prozent. Für uns Europäer trübte der starke Euro jedoch die Freude – in Euro gerechnet fiel die vergleichbare Performance mit minus ein Prozent sogar leicht negativ aus. Grundsätzlich kann man der diesjährigen Goldpreisentwicklung dennoch einige positive Aspekte abgewinnen. Nach zwei gescheiterten Versuchen gelang dem gelben Edelmetall Mitte Juli das nachhaltige Überwinden der langfristigen 200-Tage-Linie.

Besonders interessant: In den nachfolgenden Wochen drehte diese nach oben. Beides gilt in der Chartlehre als Kauf- bzw. Trendwechselsignal.

Dieser Stimmungswechsel war auch in der Wahrnehmung der politischen Verhältnisse dies- und jenseits des Atlantiks auszumachen. Sorgte man sich in den ersten Monaten des Jahres wegen des Brexit und anstehender Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland eher um die Zukunft Europas, führte die chaotische Amtsführung und Politik von US-Präsident Donald Trump zu einem Umdenken. Diese Trump-Skepsis ließ sich besonders gut an der von März bis September zu beobachten Dollarschwäche ablesen.

Gegenüber dem Euro verbilligte sich der Greenback während dieses Zeitraums um über 15 Prozent, was an den Devisenmärkten als regelrechtes „Kursbeben“ anzusehen ist.

Goldpreisentwicklung 2017

Perfor. 2017 Hoch 2017 am Tief 2017 am Rekord Hoch am Abstand  in %
$ 10,7% 1350,90 08.09.17 1148,65 03.01.17 1896,5 05.09.11 47,8%
-1,0% 1209,54 13.04.17 1060,10 10.07.17 1382,2 01.10.12 27,1%
Xetra -1,3% 38,95 13.04.17 34,00 10.07.17 44,48 04.10.12 27,5%
Quelle: London Bullion Market Association; Deutsche Börse; Stand: 30.09.2017

Starke ETF-Nachfrage in 2017

Dass sich Investoren angesichts hoher Preise für Staatsanleihen Aktien und Immobilien um die Stabilität der Finanzmärkte sorgen, ließ sich an der gestiegenen Nachfrage von physisch besichertem „Papiergold“ besonders gut ablesen. Dieser Trend war sowohl beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares als auch beim deutschen Blockbuster-Produkt Xetra-Gold zu beobachten.

Bei der US-Variante erhöhte sich die gehaltene Goldmenge – nach einem temporären Absacker unter die Marke von 800 Tonnen – in den ersten neun Monaten von 822,17 auf 864,65 Tonnen (+5,2 Prozent). Erheblich stärker ging es mit dem Marktwert bergauf, der sich im Jahresverlauf von 30,6 Milliarden auf 35,6 Milliarden Dollar (+16,3 Prozent) erhöht hat.

Deutlich ausgeprägter war der Goldappetit bei Xetra-Gold. Dessen Goldmenge kletterte nämlich seit Ende Dezember von 117,591 auf 170,372 Tonnen (+44,9 Prozent). Trotz schwachem Dollar erhöhte sich der Marktwert von 4,16 Milliarden auf 5,94 Milliarden Euro (+42,8 Prozent) recht deutlich.

Dies lässt den Schluss zu, dass deutsche Investoren derzeit erheblich verunsicherter bzw. vorsichtiger sind, als US-Anleger. Vielleicht liegt das auch daran, dass US-Amerikaner noch keine einzige Währungsreform – inklusive hoher Entwertung – erlebt haben. Wir Deutsche sind in diesem Punkt um einiges erfahrener.

Ausblick für die laufende Woche

Nach der Bundestagswahl rutschte der Goldpreis auf den tiefsten Stand seit fünf Wochen ab. Verantwortlich für diese Entwicklung ist weniger Frau Merkel, sondern vielmehr Frau Yellen. Die Fed-Chefin bereitet die Akteure weiterhin auf eine Zinserhöhung im Dezember vor. 

Außerdem geht sie weiterhin davon aus, die US-Leitzinsen bis Ende 2019 auf fast drei Prozent zu erhöhen. Die Aktienmärkte haben auf diese Drohung bislang relativ gelassen reagiert, obwohl steigende Zinsen normalerweise als Belastungsfaktor für Aktien betrachtet werden. Das gelbe Edelmetall reagierte darauf hingegen leicht verschnupft. Eines sollten Goldanleger aber nicht vergessen. Die Bonität von Staatsanleihen kann sich ändern.

Im September haben Länder wie China und Großbritannien dies zu spüren bekommen, nachdem die Chinesen von der Ratingagentur S&P und die Briten von Moody`s herabgestuft wurden. In den kommenden Handelstagen dürften vor allem die anstehenden US-Arbeitsmarktdaten mit Argusaugen verfolgt werden. In diesem Zusammenhang dürfte der Freitag besonders spannend werden.

Dann steht nämlich das September-Update des US-Arbeitsministeriums an. Laut einer von der Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich die Arbeitslosenrate gegenüber dem Vormonat mit 4,4 Prozent nicht verändert haben und die Zahl neu geschaffener Stellen allerdings von 156.000 auf 95.000 deutlich gesunken sein.

Goldpreis: Gemischte Bilanz nach neun Monaten
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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Kommentare [3]
  • von bling bling | 03.10.2017, 11:35 Antworten

    einen schwachen dollar wollte trump ja. es scheint als sei er da strategielos reingestolpert. wird er jetzt fuß fassen?

    • von Hein | 11.10.2017, 10:20 Antworten

      Ich glaube nicht.
      Derzeit läuft eine Wette - bis Ende 2018 - in einer Höhe von 1,5 Milliarden Dollar auf einen Goldpreis von 3000$ je Unze.
      Diese Wette könnte mit einer starken Abwertung des Dollar, in der nächsten Zeit, begründet sein.
      Das hilft uns Europäern aber nicht..

      • von bling bling | 14.10.2017, 19:00 Antworten

        scheint ein interessantes jahr zu werden, danke für den hinweis.

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