Stand: 08.06.2015 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

In der vergangenen Handelswoche überwogen beim Goldhandel eindeutig die Molltöne. US-Zinsängste und charttechnische Probleme haben das gelbe Edelmetall erheblich belastet. Unsicherheit und Nervosität dominieren derzeit das Geschehen.

Galgenfrist für Griechenland

Griechenland und die internationalen Geldgeber feilschen weiterhin um die finanzielle Zukunft des Landes. Die am Freitag fällige Tilgung von IWF-Schulden in Höhe von 300 Millionen Euro konnten die chronisch klammen Griechen durch das Zusammenlegen sämtlicher im Juni anfallenden Rückzahlungen erst einmal umgehen. Damit muss Ende Juni nun ein Betrag von 1,6 Milliarden Euro aufgebracht werden. Die richtig großen Brocken kommen aber erst noch. So müssen in den nächsten drei Monaten Gesamtschulden in Höhe von über 22 Milliarden Euro getilgt werden.

Heißer Sommer für Griechenland und seine Gläubiger

Termin Summe Rückzahlung an
05. Juni 305 Millionen Euro* IWF
12. Juni 343 Millionen Euro* IWF
12. Juni 3,6 Milliarden Euro T-Bills (kurzfristige Staatsanleihen)
16. Juni 572 Millionen Euro* IWF
19. Juni 343 Millionen Euro* IWF
19. Juni 1,6 Milliarden Euro T-Bills (kurzfristige Staatsanleihen)
10. Juli 2,0 Milliarden Euro T-Bills (kurzfristige Staatsanleihen)
13. Juli 457 Millionen Euro* IWF
17. Juli 1,0 Milliarden Euro T-Bills (kurzfristige Staatsanleihen)
20. Juli 3,5 Milliarden Euro EZB
01. August 177 Millionen Euro* IWF
07. August 1,0 Milliarden Euro T-Bills (kurzfristige Staatsanleihen)
14. August 1,4 Milliarden Euro T-Bills (kurzfristige Staatsanleihen)
20. August 3,2 Milliarden Euro EZB
04. September 305 Millionen Euro* IWF
04. September 1,4 Milliarden Euro T-Bills (kurzfristige Staatsanleihen)
14. September 343 Millionen Euro* IWF
16. September 572 Millionen Euro* IWF
21. September 343 Millionen Euro* IWF
* Zahlungen an den IWF werden in sogenannten Sonderziehungsrechten (SDR) berechnet, einer Art Kunstwährung, die auf Basis der vier Währungen US-Dollar (Gewichtung mit 41,9 %), Euro (37,4 %), britischem Pfund (11,3 %) und Yen (9,4 %) errechnet wird. Die Umrechnungskurse in die einzelnen Währungen schwanken daher.
Quelle: tagesschau.de

Das heißt: Die Verhandlungen über Finanzhilfen und Reformen sorgen weiterhin auf beiden Seiten für Unmut und ein hohes Maß an Unsicherheit. Wo das Geld zur Rettung herkommen soll, steht für Griechenlands Regierung außer Frage - aus Europa. Noch stemmt sich Finanzminister Wolfgang Schäuble gegen ein Aufweichen der mit der Vorgänger-Regierung vertraglich verabredeten Reformzusagen.

Doch es sieht so aus, als ob dem deutschen Finanzminister dasselbe Schicksal droht wie seinem griechischen Kollegen Varoufakis. Offensichtlich wurde das Problem Griechenland mittlerweile zur Chefsache erklärt. Da Bundeskanzlerin Angela Merkel in den vergangenen Jahren jedoch eher durch das Aussitzen und Ignorieren von Fehlentwicklungen aufgefallen ist, wäre das "Kaltstellen" von Wolfgang Schäuble für Europa auf kurze Sicht vielleicht die bequemere, auf lange Sicht aber höchstwahrscheinlich die teurere Lösung.

Richtig ungemütlich dürfte es werden, wenn andere Krisenländer Europas dem Beispiel Griechenlands folgen und ebenfalls auf Konfrontationskurs mit ihren Geldgebern gehen sollten. Der klare Linksruck bei den Kommunal- und Regionalwahlen in Spanien lieferte hierfür den besten Beweis.

Sommerflaute am Kassamarkt

Weil selbst in China der Appetit auf Gold mittlerweile deutlich nachgelassen hat, sollte man sich über dessen aktuelle Talfahrt nicht allzu sehr wundern. Mit einem durchschnittlichen Tagesumsatz in Höhe von 19.170 kg wurde in der abgelaufenen Handelswoche an der Shanghai Gold Exchange bei den besonders gefragten 1 kg Goldbarren der niedrigste Wert seit 15 Wochen registriert. Ähnliche Tendenzen kann man auch beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares beobachten. Dessen gehaltene Goldmenge rutschte am Freitag mit 708,70 Tonnen auf den niedrigsten Wert seit Mitte Januar. Dabei dürfte die Dollarstärke der vergangenen Monate das Vertrauen in Gold massiv untergraben haben. Die Aussicht auf höhere Zinsen macht dem Krisenschutz derzeit schwer zu schaffen. Bei niedrigen Zinsen fällt der für ein Goldinvestment erforderliche Verzicht leichter als bei höheren Zinsen. Gegenüber dem Rest der Welt scheint es der US-Wirtschaft zwar ziemlich gut zu gehen, eine solide Finanzpolitik kann man aber auch den US-Amerikanern derzeit wahrlich nicht attestieren. Die seit 35 Jahren negative US-Handelsbilanz ist nur ein Indikator für diese These.

Charttechnisch bedingte Hochspannung

Neben den fundamentalen Belastungsfaktoren sorgt derzeit aber auch die Charttechnik für schlechte Laune, schließlich gab es hier in den vergangenen Wochen diverse Rückschläge zu vermelden. So drückte unter anderem das Scheitern an der 200-Tage-Linie auf die Stimmung der Goldinvestoren. Außerdem verletzte das gelbe Edelmetall die im Bereich von 1.180 Dollar angesiedelte Unterstützung, was Chartisten gar nicht gerne sehen und als Verkaufssignal interpretieren. Eine weitere Abwärtsbewegung dürfte Gold noch stärker in die Bredouille bringen. Im Bereich von 1.140 Dollar befindet sich nämlich eine wichtige Unterstützung, die es zu verteidigen gilt. Gelingt dies nicht, droht ein neues Fünfjahrestief.

Ausblick für die kommende Woche

Das Thema Griechenland dürfte auch für den Rest des Monats für Gesprächs- bzw. Zündstoff an den Goldmärkten sorgen, schließlich können beide Seiten wieder wochenlang diskutieren. In welche Richtung dieses Gezerre um notwendige Reformen in Griechenland den Goldpreis bewegen wird, ist offen. Es steht jedoch zu befürchten, dass Griechenland ohne Rücksicht auf Verluste in der Eurozone gehalten werden soll. US-Präsident Obama macht sich aus geopolitischen Gründen bereits seit Längerem für eine Rettung Griechenlands stark. Ob die deutsche Bundeskanzlerin über das Rückgrat verfügt, einen anderen Weg einzuschlagen, darf angesichts der bislang eher duckmäuserischen Politik gegenüber den USA jedoch bezweifelt werden. Am 30. Juni endet zwar das Hilfsprogramm für die Griechen, ohne eine Verlängerung der Rettungsmaßnahmen oder ein neues, mittlerweile drittes Rettungsprogramm dürfte die Staatspleite Griechenlands jedoch nicht mehr aufzuhalten sein. Eine Entscheidung über die Rettung des südeuropäischen Landes mutet ein bisschen wie die Wahl zwischen Pest oder Cholera an.

Goldpreis und Griechenland Krise: Heißer Sommer im Anmarsch?
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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