Stand: 02.06.2015 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Beim gelben Edelmetall halten sich derzeit Kaufargumente und Belastungsfaktoren in etwa im Gleichgewicht. In der Konsequenz bewegt sich der Goldpreis weiterhin seitwärts.

US-Zinsen versus Griechenland-Sorgen

So langsam wird es richtig eng für Griechenland. Am kommenden Freitag muss das von der Staatspleite akut bedrohte Land IWF-Schulden in Höhe von 300 Millionen Euro zurückzahlen und eine Einigung mit den europäischen Partnerländern über eine Freigabe von Finanzhilfen steht weiterhin aus. Insgesamt müssen im Juni allein IWF-Schulden in Höhe von 1,5 Milliarden Euro getilgt werden. Auf der anderen Seite droht in den USA nach dem Sommer die erste Anhebung der Leitzinsen seit 2006.

Während die Griechenland-Krise Gold als Krisenschutz attraktiv erscheinen lässt, wirkt die Aussicht auf steigende US-Zinsen eher kontraproduktiv. In Europa steht ein Ende der Nullzinspolitik derzeit nicht zur Debatte. Dank des starken Dollars, der sich gegenüber dem Euro innerhalb von 12 Monaten um fast 20 Prozent verteuert hat, wurden europäische Goldbesitzer von Verlusten verschont. Während Gold innerhalb dieses Zeitraums um vier Prozent zurückfiel, verteuerte es sich auf Eurobasis um fast 18 Prozent.

Goldminensektor in Bewegung

Die Analysten von UBS trauen Goldminenaktien nach jahrelanger Talfahrt mittlerweile einiges zu. Mit Ausnahme von zwei Unternehmen stufen sie nämlich sämtliche gecoverten Werte als "Kauf" ein. Bei den zwei "verpönten" Aktien handelt es sich um Newcrest Mining (Verkaufen) und Independence Group (Neutral). Als wichtigste Kaufargumente nannten die Experten die positiven Goldpreisperspektiven und die aktuelle Übernahmewelle im Goldminensektor.

Allein in der vergangenen Woche kauften zum Beispiel die Chinesen über die im Staatsbesitz befindliche Zijin Mining Group der kanadischen Barrick Gold für 298 Millionen Dollar die Hälfte einer Goldmine in Papua-Neuguinea ab. Dem chinesischen Staat wird seit Jahren ein massiver Goldhunger attestiert. Der vom World Gold Council seit Jahren gemeldete unveränderte Goldbestand in Höhe von 1.054,1 Tonnen wird von vielen Goldexperten bezweifelt und erheblich höher eingeschätzt.

Das Reich der Mitte gilt zudem als weltgrößter Goldproduzent. In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres kletterte die chinesische Goldförderung um 14,7 Prozent p.a. auf 110,704 Tonnen. Weil bis dato der Goldanteil lediglich einen Bruchteil der chinesischen Währungsreserven darstellt, machen unter dem Aspekt einer notwendigen Diversifikation verstärkte Goldinvestments durchaus Sinn. Hier haben die Chinesen nämlich erheblichen Nachholbedarf. Auf Basis der höchstwahrscheinlich zu niedrig angesetzten 1.054,1 Tonnen beläuft sich die Goldquote auf lediglich ein Prozent. Zum Vergleich: Für Deutschland wird bezüglich dieser Kennzahl ein Wert von über 66 Prozent ausgewiesen (siehe Tabelle).

Land Gold in Tonnen (t) % der Reserven
USA 8133,5 74 %
Deutschland 3383,4 68 %
Italien 2451,8 67 %
Frankreich 2435,4 65 %
Russland 1238,3 13 %
China 1054,1 1 %
Schweiz 1040,0 7 %
Japan 765,2 2 %
Niederlande 612,5 57 %
Indien 557,5 6 %

Die 10 Länder mit den höchsten Goldreserven in Tonnen und in Prozent der Währungsreserven
Quelle: World Gold Council (Stand: März 2015)

Terminspekulanten wieder skeptischer

An den Terminmärkten hat unter den spekulativen Marktakteuren der Optimismus in der Woche zum 26. Mai markant nachgelassen, nachdem er in der Woche zuvor noch den stärksten Sprung nach oben seit August 2013 verbucht hatte. Laut aktuellem Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission, der einmal pro Woche die eingegangenen Long- und Short-Positionen der unterschiedlichen Marktakteure ausweist, nahm die kumulierte Netto-Long-Position (optimistische Markterwartung) großer und kleiner Spekulanten im Berichtszeitraum von 132.334 auf 109.720 Kontrakte (-17,1 Prozent) signifikant ab.

Während bei den Großspekulanten (Non-Commercials) ein Rückgang der Netto-Long-Position von 122.621 auf 104.694 Futures (-14,6 Prozent) registriert worden war, haben die Kleinspekulanten (Non-Reportables) ihre Netto-Long-Position auf Wochensicht von 9.713 auf 5.026 Kontrakte fast halbiert. Diese Entwicklung sollte kein Grund zur Sorge sein, sondern als Normalisierung interpretiert werden. Zum Jahreswechsel bewegte sich der Optimismus großer und kleiner Spekulanten auf einem ähnlichen Niveau.

Ausblick für die kommende Woche

Nachdem es in den vergangenen Tagen um den Goldpreis eher ruhig geworden ist, könnte es in der laufenden Woche wieder etwas turbulenter werden. Ob die Griechen ihre am 5. Juni fällig werden IWF-Schulden fristgerecht zurückzahlen werden, dürfte für ein hohes Maß an Spannung sorgen. Am Donnerstag findet zudem eine Sitzung der Europäischen Zentralbank an. Deren Wertpapierkäufe sprechen aufgrund der damit verbundenen Geldmengenexplosion eher für Gold.

Neue Hinweise bzw. Spekulationen über den konkreten Zeitpunkt geldpolitischer Maßnahme durch die US-Notenbank Fedkönnte die anstehende Flut wichtiger US-Arbeitsmarktdaten liefern. In diesem Zusammenhang ist der US-Arbeitsmarktbericht für den Monat Mai von besonderem Interesse. Das Arbeitsministerium wir diesen am Freitagnachmittag kommunizieren. Laut einer vom Wall Street Journal veröffentlichten Umfrage unter Analysten wird mit einer unveränderten Arbeitslosenquote in Höhe von 5,4 Prozent und einem Rückgang bei der Zahl neu geschaffener Stellen von 223.000 auf 220.000 gerechnet.

Goldpreis Pros und Contras: Griechenland, Zinsen, Goldminen und Goldreserven
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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