Stand: 03.08.2015 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Mit 6,7 Prozent erlitt das gelbe Edelmetall im Juli den höchsten Monatsverlust seit zwei Jahren. Noch deutlicher bergab ging es mit dem Krisenschutz im Juni 2013. Damals war sogar ein Minus im zweistelligen Prozentbereich zu beklagen (siehe Grafik). Es sieht ein bisschen so aus, als ob sich der Krisenschutz Gold derzeit selbst in der Krise befindet.

Asiatische Schnäppchenjäger bleiben aus

Nach Asien floss in den vergangenen Jahren der Löwenanteil des globalen Goldangebots. Inder und Chinesen griffen in der Regel beherzt zu, wenn das gelbe Edelmetall schwächelte. Diese Schnäppchenjäger blieben nach dem jüngsten Absacker jedoch aus. Während auf dem Subkontinent weniger Hochzeiten sowie wetterbedingte Ernteeinbußen der Landbevölkerung - und damit weniger Goldkäufe - befürchtet werden, scheint den Chinesen nach dem Crash an den Aktienmärkten die Lust auf Gold bzw. das hierfür notwendige Kapital abhandengekommen zu sein. Michael Mesaric, der Chef der weltgrößten in der Schweiz beheimateten Goldscheideanstalt Valcambi, hält in diesem Jahr sogar einen chinesischen Nachfrageeinbruch um 40 Prozent für möglich.

Hedgefondsmanager bleiben "bearish"

Der am Freitagabend veröffentlichte Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission wies unter den Hedgefondsmanagern (Managed Money) erneut eine Netto-Short-Position (pessimistische Markterwartung) aus. Das heißt: Diese Gruppe von Marktakteuren wettete mit Gold-Futures mehrheitlich auf fallende Goldpreise. In der Woche zum 21. Juli haben sich diese Großspekulanten erstmals seit der Datenerhebung (2006) mehrheitlich als Pessimisten positioniert. Auf Basis der Daten vom 28. Juli hat sich diese Netto-Short-Position von minus 13.556 auf 14.663 Futures ausgedehnt. In der Vergangenheit machte es unter Timingaspekten allerdings wenig Sinn, deren Strategie zu kopieren. Waren sie nämlich historisch betrachtet relativ skeptisch, folgte häufig eine markante Erholung des Goldpreises.

Die Marktmeinung der Hedgefondsmanager als Kontraindikator zu nutzen, machte im Herbst 2006, Mitte 2007, im Herbst 2008, Mitte 2012 und Ende 2013 Sinn. Natürlich gibt es trotz des Wechsels der Fondsmanager ins "Bärenlager" keine Garantie, dass der Goldpreis demnächst das "Tal der Tränen" verlassen wird. Es gibt einem jedoch das gute Gefühl, dass man sein Geld nicht während eines Goldrauschs in das Edelmetall investiert hat. Antizyklisches Handeln macht grundsätzlich in jeder Anlageklasse Sinn. Das Hauptproblem besteht aber stets darin, das Stimmungstief inklusive Trendwechsel optimal zu erwischen.

Randnotiz: Einen guten Beleg, dass sich die Stimmung für Gold derzeit im Keller befindet und Antizykliker möglicherweise gerade jetzt einsteigen sollten, lieferte am vergangenen Freitag die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim. Deren PR-Agentur lädt nämlich Journalisten zu einem Pressegespräch zum folgendem Thema ein: "Gold ist kein sicherer Hafen mehr".  

Monatsverluste Gold in Prozent von 2011

In der Einladung wird sogar darauf hingewiesen, dass Sal. Oppenheim sämtliche Goldinvestments aus ihrem Portfolio gestrichen habe. Zur Erinnerung: Die einst größte Privatbank Europas verlor ihre Unabhängigkeit und wurde lediglich durch die Übernahme der Deutschen Bank vor der eigenen Insolvenz gerettet. In den Jahren zuvor knüpfte das Finanzinstitut über waghalsige Geschäfte das eigene Schicksal an die Zukunft der Quelle-Erbin Madelaine Schickedanz und des Handelskonzerns Arcandor - beide sind mittlerweile pleite. Angesichts einer solch desaströsen Erfolgsbilanz eignet sich das "Daumen-Senken" der Kölner eher als guter Kontraindikator für Gold.

Ausblick für die anstehende Woche

An den Goldmärkten herrscht weiterhin ein hohes Maß an Unsicherheit und eine extrem nervöse Stimmung unter den Akteuren. Kein Wunder, schließlich befindet sich das gelbe Edelmetall weiterhin auf Tuchfühlung mit dem tiefsten Stand seit fünfeinhalb Jahren. Außerdem droht nach Ansicht zahlreicher Analysten ein Rutsch unter die psychologisch wichtige Marke von 1.000 Dollar. In der zweiten Wochenhälfte steht wieder einmal eine wahre Flut an US-Arbeitsmarktdaten auf der Agenda. Die US-Notenbank Fed hat immer wieder betont, dass ihr dieser Konjunkturindikator bei der Ausrichtung der künftigen Geldpolitik besonders wichtig ist.

Für ein besonders hohes Maß an Aufmerksamkeit dürfte daher vor allem der für Freitag angekündigte Juli-Bericht des US-Arbeitsministeriums sorgen. Eine vom Wall Street Journal veröffentlichte Analystenumfrage rechnet für den Monat Juli im Durchschnitt mit einer unveränderten Arbeitslosenquote in Höhe von 5,3 Prozent und einem Rückgang bei der Zahl neu geschaffener Stellen von 223.000 (Juni) auf 212.000. Aus charttechnischer Sicht gibt es gegenwärtig ebenfalls wenig Grund für Optimismus.

Eine neue "Zitterzone" verläuft im Bereich von 1.050 Dollar, wo Gold Anfang 2010 massiv nach oben drehte. Richtig ungemütlich dürfte es werden, falls die psychologisch wichtige Marke von 1.000 Dollar unterschritten wird. Diese könnte dann zu einem von einigen Goldanalysten erwarteten finalen Ausverkauf führen und die noch verbliebenen zittrigen Hände aus dem Markt schütteln.

Goldpreis: Höchster Monatsverlust seit über zwei Jahren
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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