Stand: 07.03.2016 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Obwohl an den internationalen Aktienmärkten in der abgelaufenen Handelswoche eine überwiegend freundliche Tendenz vorgeherrscht hat, geriet der Goldpreis dennoch kaum unter Druck - im Gegenteil. Mit rund 1.280 Dollar kletterte er am Freitag auf den höchsten Stand seit immerhin 13 Monaten.

Gold im Blick: Bye, bye Belastungsfaktoren

Eines ist offensichtlich: Das gelbe Edelmetall verweigert sich weiterhin einer nennenswerten Korrektur. Nachhaltiges Kaufinteresse ist aus mehreren Segmenten zu vermelden. Notenbanken, ETF-Investoren und Goldmünzenkäufer sind in den ersten beiden Monaten auf der Käuferseite besonders aktiv geworden. Beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares hat sich die gehaltene Goldmenge seit dem Jahreswechsel von 642,37 Tonnen auf 793,12 Tonnen (Stand: 04.03.2016) erhöht. Im selben Zeitraum ging es dank des starken Goldpreises mit der Marktkapitalisierung des physisch besichertenExchange Traded Fund sogar von 21,9 Milliarden auf 32,6 Milliarden Dollar (+48,9 Prozent) nach oben. Zur Erinnerung: Während 2015 aus dem Finanzprodukt mit "Goldanstrich" per saldo über 66 Tonnen Gold abgeflossen sind, gab es allein in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres eine Gewichtszunahme um über 146 Tonnen zu vermelden (siehe Grafik).

Beim Absatz von American-Eagle-Goldmünzen ist eine ähnlich positive Entwicklung zu beobachten. So verkaufte die US Mint im Januar und Februar bereits insgesamt 207.500 Feinunzen Gold in Münzform und übertraf damit den vergleichbaren Vorjahreswert um 109 Prozent. Der allgemein zu beobachtende Boom bei der Goldnachfrage lässt auf einen erheblichen Gesichtsverlust der Notenbanken schließen. Das Vertrauen in die Europäische Zentralbank, die US-Notenbank Fed sowie in die japanische bzw. chinesische Notenbank hat in den vergangenen Monaten massiv gelitten. Das unkontrollierte Öffnen der Geldschleusen hat die Konjunktur weniger stark belebt als erhofft und die angestrebte Zielinflation in Höhe von zwei Prozent hat man ebenfalls klar verfehlt. Die anhaltende Diskussion um Negativzinsen und die Zukunft des Bargeldes zeigt auf, dass es um die Stabilität der globalen Finanzsysteme aktuell nicht gerade zum Besten bestellt ist.

Umsatzboom auch bei Gold-Futures

Die Transaktionen an den Terminmärkten üben sich erfahrungsgemäß besonders stark auf den Goldpreis aus - böse Zungen sprechen in diesem Zusammenhang häufig sogar von Manipulationen. Am vergangenen Freitag verlief der Handel von Gold-Futures besonders rege. An diesem Handelstag wurden nämlich allein beim April-Kontrakt Umsätze von über 392.000 Futures gehandelt. Zum besseren Verständnis der Größenordnung: Da sich ein Gold-Future auf 100 Feinunzen bezieht, wurden an diesem Handelstag 1.219 Tonnen Gold bewegt - zumindest auf dem Papier. Dies sollte jeder Anleger als Warnzeichen interpretieren.

Die diesjährige Goldpreisrallye war aber nicht nur von steigenden Umsätzen bei Gold-Futures, sondern auch durch einen signifikant höheren Open Interest (Anzahl offener Kontrakte) begleitet worden. Letztgenannter hat sich seit Ende Dezember um 12,1 Prozent von 401.880 auf 450.555 Kontrakte (Stand: 01.03.2016) erhöht, wodurch das erhöhte allgemeine Interesse an Gold zum Ausdruck kommt. Viel wichtiger war aber der Umstand zu werten, dass große und kleine Terminspekulanten während dieses Zeitraums deutlich optimistischer geworden sind. So haben laut aktuellem Commitments of Traders-Reportder US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission zum Beispiel Großspekulanten (Non-Commercials) ihre Netto-Long-Position (per saldo optimistisch gestimmt) in lediglich zwei Monaten von 19.102 auf 152.413 Futures fast verachtfacht. Kleinspekulanten (Non-Reportables) sind während dieses Zeitraums ebenfalls optimistischer geworden und wandelten eine Netto-Short-Position (per saldo pessimistisch gestimmt) von minus 3.767 Kontrakte in eine Netto-Long-Position von 19.018 Kontrakten um.

Ausblick für die laufende Woche

In der vergangenen Woche machte EZB-Chef Mario Draghi Hoffnung auf weitere geldpolitische Schützenhilfe, am kommenden Donnerstag muss er "Nägel mit Köpfen" machen. Das Vertrauen der Anleger in die schützenden Hände der wichtigsten Notenbanken hat in den vergangenen Monaten kräftig gelitten. Nachdem deren Nullzinspolitik nicht den erhofften Erfolg gebracht hatte, versuchen sich die Notenbanker nun an Negativzinsen. Bislang müssen lediglich Banken "Strafzinsen" für das Parken von Kapital bei der EZB entrichten. Eines sollte jedem Anleger klar sein: Negative Zinsen sind absolut abnormal. Ob sie geeignet sind, die langfristige Entwicklung einer Volkswirtschaft positiv zu beeinflussen, darf auf jeden Fall bezweifelt werden. Deutsche-Bank-Chef John Cryan warnte bereits vor einer weiteren Senkung des Zinses auf Bankeinlagen durch die EZB. Er gibt zu bedenken, dass dies die Gewinne der Banken mindern und damit zu einer Verteuerung der Kredite führen würde. Für die europäische Konjunktur wäre eine solche Entwicklung auf jeden Fall kontraproduktiv.

Goldpreis: Höchster Stand seit 13 Monaten
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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