Stand: 20.07.2018 von Egmond Haidt 7 Kommentare

Während der S&P500 in die Nähe des Rekordhochs geklettert ist, ist der Goldpreis auf ein 52-Wochen-Tief eingebrochen. Dabei gibt es eine Menge Warnsignale, die auf eine heraufziehende Wirtschaftskrise und einen deutlichen Kursrückschlag am Aktienmarkt hindeuten. Dennoch könnten Spekulanten den Goldpreis noch weiter nach unten treiben.

Jeden Tag das gleiche Spiel an der Börse: Der S&P500 steigt angetrieben von den Technologieaktien, Apple, Amazon, Facebook, Microsoft und Alphabet in die Nähe des Rekordhochs. Gleichzeitig drücken Investoren beim Goldpreis kräftig den Verkaufsknopf, woraufhin sich der Abwärtstrend bei der Notierung des Edelmetalls beschleunigt.

Goldpreis in US-Dollar 52 Wochen als Überblick

Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: Der kräftige Anstieg des Dollar belastet den Goldpreis erheblich. Dabei ignorieren viele Investoren die Entwicklungen bei der Wirtschaft und am Finanzmarkt völlig, die eigentlich für eine Trendwende bei der Performance am Aktienmarkt und beim Goldpreis sprechen.

So hat zuletzt Larry Kudlow, der Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump gesagt, dass trotz der Entwicklung am Anleihenmarkt keine US-Rezession heraufziehen würde, woraufhin Investoren bei US-Aktien zugegriffen haben.

Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: Der kräftige Anstieg des Dollar belastet den Goldpreis erheblich. Dabei ignorieren viele Investoren die Entwicklungen bei der Wirtschaft und am Finanzmarkt völlig, die eigentlich für eine Trendwende bei der Performance am Aktienmarkt und beim Goldpreis sprechen.

So hat zuletzt Larry Kudlow, der Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump gesagt, dass trotz der Entwicklung am Anleihenmarkt keine US-Rezession heraufziehen würde, woraufhin Investoren bei US-Aktien zugegriffen haben.

US-Zinsstrukturkurve sendet starkes Warnsignal

Dabei ist das, was Kudlow gesagt hat, reine Dampfplauderei. Die immer flacher werdende Zinsstrukturkurve, die meiner Meinung nach noch vor der übernächsten Sitzung der US-Notenbank (Fed) am 26. September invers werden dürfte, signalisiert klar, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession abrutschen dürfte.

Das habe ich hier auf der Seite wiederholt geschrieben. Schauen Sie sich bitte selbst im Internet den Zinsaufschlag für zehnjährige US-Anleihen gegenüber zweijährigen an. Seit 1980 gab es fünf Mal eine inverse Zinsstrukturkurve, die Zinsen für zehnjährige Anleihen waren also niedriger als jene für zweijährigen.

Und was ist passiert? In fünf Fällen ist die US-Wirtschaft in die Rezession abgerutscht. Die Zinsstrukturkurve hat also eine Trefferquote von 100 Prozent. Dennoch sagt Kudlow, dass das Signal von der Kurve falsch wäre – unglaublich!

Die Frage ist also nicht ob, sondern nur wann die US-Wirtschaft in die Rezession abrutschen wird. Früher hat es meist vier bis fünf Quartale nach der Inversion gedauert, bis die Wirtschaft in die Rezession abgeglitten ist. Weil die Schulden des privaten Sektors, also von privaten Haushalten und Unternehmen, aber nicht nur nominell, sondern auch im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung viel höher sind als jemals zuvor, dürfte die Rezession diesmal früher eintreten als sonst.

Ich bin der Überzeugung, dass die US-Wirtschaft im Sommer 2019 in der Rezession sein dürfte. Sollte das tatsächlich so kommen und der US-Aktienmarkt beginnen das einzupreisen, könnte es schon bald zu einem kräftigen Kursrutsch beim S&P500 kommen, zumal die US-Notenbank die Zinsen immer weiter erhöht und damit quasi das Sicherheitsnetz unter dem Aktienmarkt zusehends wegzieht.

Abwertung des Renminbi birgt enorme Risiken

Neben der US-Zinsstrukturkurve gibt es noch eine Reihe anderer Warnsignale für die Weltwirtschaft und damit den weltweiten Finanzmarkt. So steuert meiner Meinung nach China auf eine Krise zu. Nachdem sich das Wirtschaftswachstum in den vergangenen Monaten abgeschwächt hatte, wird durch die Eskalation des Handelskriegs die Lage weiter verschärft.

Das spiegelt der Aktienmarkt klar wider. So ist der Shanghai Shenzhen CSI 300 Index gegenüber dem Mehr-Jahres-Hoch von Ende Januar um 22 Prozent gesunken – und der Abwärtstrend dürfte weitergehen. Ein weiteres Warnsignal ist, dass der Kupferpreis auf ein 52-Wochen-Tief kollabiert ist. Und was machen Investoren in dem Umfeld? Sie kaufen US-Aktien und verkaufen Gold - logisch, oder?

Wie reagiert China auf die heraufziehende Krise? Es lockert die Geldpolitik weiter. Nachdem zuletzt die Mindestreservesätze gesenkt worden waren, woraufhin die Banken mehr Geld für die Kreditvergabe hatten, hat die Notenbank nun die Kreditfazilität für mittelfristige Kredite weiter aufgestockt – und die Banken greifen kräftig zu. Zuletzt sind diese Kredite auf 4,42 Billionen Renminbi (651,7 Mrd. Dollar) nach oben geschossen.

Seit Anfang 2016 hat sich dieser Wert damit versechsfacht – Sie lesen richtig: versechsfacht. Ansonsten geht es der Wirtschaft prima.

Hohe Inflation macht den gigantischen Schuldenberg tragbar

China reagiert darauf, dass sich die Perspektiven für die Wirtschaft wegen des Handelskriegs eintrüben und wertet den Renminbi weiter ab. Auch das habe ich wiederholt so vorhergesagt. Zuletzt ist der Renminbi auf ein 52-Wochen-Tief gegenüber dem Dollar gesunken.

Das sind sehr schlechte Nachrichten für die Weltwirtschaft, werden doch chinesische Produkte in den USA billiger, während US-Produkte in China teurer werden. In dem Umfeld nimmt bei Investoren die Sorge vor einer Deflation, also sinkenden Verbraucherpreisen zu.

Für Notenbanker und viele „Experten“ ist eine Deflation aber das Schlimmste das passieren kann. Sie streben vielmehr eine möglichst hohe Inflation an, weil dadurch der weltweit gigantische Schuldenberg entwertet und damit am Leben gehalten werden kann.

Können Sie sich noch erinnern was im August 2015 passiert war, als damals der Reminbi kräftig gegenüber dem Dollar abgewertet hatte? Damals kam es zu einem kräftigen Kursrutsch bei DAX und S&P500. Ähnlich dürfte es auch diesmal kommen, wenn der Renminbi im Rückwärtsgang bleiben sollte, wovon ich ausgehe.

Zuletzt hat der Internationale Währungsfonds (IWF) eindringlich davor gewarnt, dass die Bewertung vieler Aktien- und Anleihenmärkte deutlich zu hoch sei und es plötzlich zu einem Kurseinbruch kommen könne, falls sich wegen des Handelskrieges die Perspektiven für das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne eintrüben würden. Und was tun Investoren trotz dieser Warnung? Sie kaufen Aktien, auch DAX-Aktien, weshalb er sich zuletzt erholt hat und verkaufen Gold – logisch, oder?

Wie es kurzfristig beim Goldpreis weitergehen wird, kann niemand vorhersagen. Umso spannender könnte es sein, die Entwicklung am Aktienmarkt zu beobachten. Entgegen der Behauptung vieler Experten könnte schon bald ein kräftiger Kursrutsch kommen, diesseits und jenseits des Atlantiks. Dann wird sich zeigen, wie sich der Goldpreis in dem Umfeld entwickeln könnte.

Goldpreis ist im freien Fall
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [7]
  • von Ilse rezapazappel | 31.07.2018, 17:57 Antworten

    Vorsicht, im Herbst geht der Preis steil nach oben !!

  • von Helge Zabelt | 29.07.2018, 19:52 Antworten

    Ich nutze den Preis zum kaufen

    • von Goldliesl | 30.07.2018, 01:21 Antworten

      Das ist sehr klug. Und in einem halben Jahr, wenn die Unze bei 950,- EUR steht, dann guckst auch Du dumm aus der Wäsche. Dann kannst Du hier wieder schreiben: Ich nutze den Preis zum kaufen.

  • von Bernd Wolldecker | 24.07.2018, 12:23 Antworten

    Der fallende Goldpreis steht seit Jahren im engen Zusammenhang mit der steigenden Sommertemperatur,hier gibt es verläßliche Aussagemöglichkeiten.

  • von apokalyptiker | 23.07.2018, 23:32 Antworten

    Über dem Markt hängt ein gigantisches Kredit Volumen, das nur deshalb zustande kam, weil die Kosten für Zins und Tilgung über Jahre gefallen sind u. damit Finanz-Spielraum eröffneten. Die ach so „unabhängige“ Geld Politik trägt bis zum heutigen Tage zur Staats-Finanzierung mit ungedecktem Geld bei „... was immer es kostet.“

    Erinnert man sich an die Hypotheken-Krise 2008 so ging damals neben Aktien und Anleihen auch der Goldpreis zurück um sich anschließend mehr als zu verdoppeln.

    Ich kann mir durchaus vorstellen, daß Gold diesmal zuerst fällt, weil die Banken Termin- u. Swap-Geschäfte machen, um die Preise für das „hoch spekulative Gold“ zu drücken.
    Das trifft besonders auf die „freie Zinsbildung“ zu, wenn sich Staat€n Geld aus der Notenpresse zu manipulierten Zinsen besorgen, anstatt rechtlich überprüfbare Steuer-Gesetze zu erlassen.
    Zur Umverteilung der Steuerlast kommt am Ende noch eine ungesetzliche Inflations-Steuer hinzu und obendrauf als Sahne-Häubchen „Strafzölle“... alles zu Lasten von Sparern und Konsumenten.

  • von Goldmann | 22.07.2018, 07:55 Antworten

    Bei 1000 € sollen sich die Förderkosten für eine Unze belaufen.

  • von Karin Bödefeld | 20.07.2018, 11:24 Antworten

    Wir steuern auf eine hervorragende Einkaufsphase für Gol zu und übertreffen
    den Dezember 17 Wert.

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