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Stand: 20.04.2026 von Jörg Bernhard
Der am 15. April veröffentlichte Quartalsbericht der London Bullion Market Association (LBMA) – dem weltweit führenden Handelsplatz für physisches Gold – zeichnet ein klares Bild: Der Goldmarkt hat im ersten Quartal 2026 historische Bewegungen erlebt.
Goldpreis im Q1 2026: Rekordvolatilität trotz starkem Quartal

Zwar fiel die reine Q1-Performance mit einem Plus von etwas mehr als fünf Prozent (siehe Tabelle) auf den ersten Blick solide, aber unspektakulär aus – insbesondere im Vergleich zum starken vierten Quartal 2025 (+10,9 Prozent). Doch diese Zahlen würden die eigentliche Dynamik verschleiern.

Tatsächlich bewegte sich der Goldpreis im ersten Quartal in einer außergewöhnlichen Bandbreite von über 29 Prozent, fast doppelt so stark wie im Vorquartal.

Treiber dieser extremen Ausschläge war nicht nur die geopolitische Lage, sondern auch ein ausgeprägtes FOMO-Verhalten am Markt. FOMO („Fear of Missing Out“) bezeichnet die Angst, eine Gewinnchance zu verpassen, wodurch Anleger oft emotional und impulsiv in steigende Märkte investieren. Anleger trieben dadurch den Goldpreis Ende Januar weit über fundamentale Bewertungsniveaus hinaus, insbesondere rund um die psychologisch wichtige Marke von 5.000 Dollar.

Goldhandel an der LBMA im ersten Quartal 2026

Performance 1. Jan. bis 31. Mrz.5,87 %
Preishoch am 29. Jan. (Vormittags-Fixing)5.501,70 USD
Preistief am 23 Mrz. (Vormittags-Fixing)4.263,55 USD
Preisspanne Q1 202629,04 %
Höchste Handelsmenge pro Woche350,01 Mio. Unzen
Höchstes Umsatzvolumen pro Woche1.809,46 Mrd. USD
Durchschnittliche Handelsmenge pro Tag49,25 Mio. Unzen
Durchschnittliches Umsatzvolumen pro Tag240,82 Mrd. USD
Quelle: lbma.org.uk

Goldpreisrallye: Vorspiel zum Krieg

Zu Beginn des Jahres schien der Fokus der Märkte laut LBMA noch auf makroökonomischen Faktoren wie Inflation und Wachstum zu liegen. Doch bereits Anfang Januar zeigte sich, wie fragil diese Einschätzung war.

Der US-Militäreinsatz in Venezuela sorgte für einen ersten sprunghaften Anstieg des Goldpreises, ausgelöst durch eine steigende Nachfrage nach sicheren Häfen. Parallel verschärfte sich die Lage im Iran: Nach Protesten kappte die Führung das Internet und drohte offen mit Angriffen auf US-Stützpunkte in der Region. Diese geopolitischen Spannungen entluden sich in einer massiven Rallye, die den Goldpreis im Januar um rund 25 Prozent auf ein Gold-Allzeithoch von über 5.500 Dollar trieb.

Verstärkt wurde diese Bewegung durch einen schwächeren Dollar infolge enttäuschender Konjunkturdaten. Doch die Euphorie hielt nicht lange an – bereits wenige Tage später folgte eine scharfe Korrektur, die die enorme Nervosität am Markt verdeutlichte.

Dämpfer durch „Epische Wut“

Die entscheidende Wende im Quartal kam jedoch Ende Februar mit der militärischen Eskalation im Nahen Osten. Unter dem Codenamen „Epische Wut“ starteten die USA gemeinsam mit Israel Angriffe auf iranische Ziele und verbündete Kräfte. Die unmittelbare Reaktion folgte prompt: Raketenangriffe, massive Störungen im Luftverkehr und wachsende Unsicherheit an den Märkten. Der Goldpreis reagierte zunächst erwartungsgemäß mit einem Anstieg über die Marke von 5.000 Dollar, konnte dieses Niveau jedoch nicht halten. Trotz eskalierender Konflikte fiel der Preis im März zeitweise sogar unter das Jahresanfangsniveau zurück.

Diese Entwicklung zeigt eine zentrale Erkenntnis des Berichts: Gold bleibt zwar ein sicherer Hafen, doch kurzfristig wird der Preis zunehmend von Liquiditätsbedürfnissen der Marktteilnehmer beeinflusst. In Phasen starker Marktverwerfungen wird Gold nicht nur gekauft, sondern auch verkauft, um Margin Calls zu bedienen oder Verluste in anderen Anlageklassen auszugleichen.

Fazit: Der LBMA-Bericht macht deutlich, dass der Goldmarkt aktuell von einer außergewöhnlichen Mischung aus geopolitischen Risiken, makroökonomischen Faktoren und spekulativem Verhalten geprägt ist. Die extremen Schwankungen im ersten Quartal unterstreichen, dass klassische Bewertungsmodelle zeitweise in den Hintergrund treten.

Für Anleger bedeutet das: Gold bleibt aufgrund der ständig wechselnden Nachrichtenlage derzeit schwer berechenbar – verkaufen sollte man den altbewährten Krisenschutz aber deshalb eher nicht.

Ausblick für die laufende Woche

An den Goldmärkten dürften die Akteure weiterhin gebannt in Richtung Naher Osten blicken. Sollte der „Noch-Waffenstillstand“ wieder zum „Krieg“ mutieren, dürfte der Ölpreis nach oben und der Goldpreis höchstwahrscheinlich nach unten tendieren.

Einige zur Bekanntgabe anstehende Konjunkturindikatoren dürften in den nächsten Handelstagen dennoch für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen, schließlich trüben hohe Energiepreise und Zinsängste auch die wirtschaftlichen Perspektiven der USA. Und dies, obwohl die Vereinigten Staaten hinsichtlich der Öl- und Gasversorgung unabhängiger sind als die Wirtschaftsregionen Asien und Europa.

Details zu den Daten, Prognosen sowie historische Zeitreihen finden Sie hier.

Besonders spannend dürfte es in diesem Zusammenhang am Donnerstag und Freitag werden. Dann erfahren die Investoren nämlich aktuelle Daten zum Chicago-Fed-Index, zu den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe, zu diversen Einkaufsmanagerindizes sowie ein Update zum von der Uni Michigan ermittelten Index zum Konsumentenvertrauen. Mit 47,6 Punkten markierte der Indikator zuletzt übrigens ein Rekordtief.

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Stand: 20.04.2026
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