Stand: 23.12.2016 von © Gold.de Redaktion EH/SH/GW 1 Kommentare

Während US-Aktien von Rekord zu Rekord eilen, ist der Goldpreis deutlich im Rückwärtsgang. Nachdem sich die Schere derart stark geöffnet hat, könnte es schon bald zu einer Gegenbewegung kommen. Anleger sollten vor allem eine Kennzahl genau im Auge behalten.

In die Nähe des tiefsten Niveaus seit Ende Januar 2016 ist der Goldpreis abgerutscht: Für den jüngsten Tiefschlag für die Notierung des Edelmetalls hat die Sitzung der japanischen Notenbank gesorgt. Notenbankchef Haruhiko Kuroda hat angekündigt, dass er den Zinssatz für zehnjährige Anleihen trotz des weltweiten Zinsanstiegs bei null Prozent halten will. Kuroda hatte bereits früher wiederholt gesagt, dass die Notenbank notfalls „unbegrenzt“ Geld drucken werde, um die Zinsen auf dem Niveau zu halten. Kurodas jüngste Aussagen belasten damit einmal mehr den Yen gegenüber dem Dollar, woraufhin der Carry Trade noch stärker läuft. Das belastet den Goldpreis, wie wir letztmals in dem Beitrag „Gold: Inflationsschutz gegen Geldentwertung“ aufgezeigt haben.

Spekulanten setzen auf sinkende Goldpreise

Bereits vor der Sitzung der japanischen Notenbank waren Investoren skeptischer geworden für den Goldpreis. So haben Spekulanten und andere Hedgefonds in der Handelswoche, die am 13. Dezember endete, die Zahl der Futures und Optionen auf steigende Goldpreise (Long) um 3.913 auf insgesamt 145.455 abgebaut. Gleichzeitig haben die Spekulanten die Zahl auf fallende Kurse (Short) um 7.996 auf 76.550 aufgestockt. Entsprechend ist die Netto-Long-Position auf 68.905 gesunken – das ist das niedrigste Niveau seit Februar. Das Jahreshoch vom Juli bei 286.921 rückt damit in immer weitere Ferne.

Amerikaner stecken tief im Schuldensumpf

Während der Goldpreis im Rückwärtsgang ist, scheint Nichts die Rekordfahrt das S&P500 stoppen zu können. Investoren setzen darauf, dass der designierte US-Präsident Donald Trump mit einem Infrastrukturprogramm von einer Billion Dollar und Billionen schweren Steuersenkungen die Wirtschaft kräftig ankurbeln und damit die Inflation stark anheizen wird. Damit bekämen die US-Unternehmen gleich von zwei Seiten Rückenwind, von steigenden Absatzmengen und höheren Preisen. Da sehen Investoren darüber hinweg, dass die Privatwirtschaft, also die privaten Haushalte und die Unternehmen außerhalb des Finanzsektors, derzeit von zwei Seiten deutlichen Gegenwind hat: von den steigenden Zinsen und dem steigenden Dollar. Immerhin waren die Schulden der Privatwirtschaft zuletzt auf den Rekord von 47 Billionen Dollar gestiegen. Das sind horrende 252 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Zudem belastet der steigende Dollar die US-Wirtschaft, weil US-Produkte im Ausland teurer werden, während ausländische Produkte in den USA billiger werden. Dass sich die Perspektiven durch das Konjunkturprogramm von Trump deutlich aufhellen, sollte der Aktienmarkt nach der Rekordfahrt aber allmählich eingepreist haben. So ist der Relative-Stärke-Index (RSI) des S&P500, der die Aufwärts- und Abwärtsbewegung des Index im Verhältnis zu einem Mittelwert widerspiegelt auf 70,8 Punkte gestiegen. Werte oberhalb der 70er-Marke deuten an, dass der Index überkauft ist und dass es möglicherweise zu einer Gegenbewegung nach unten beim S&P500 kommen könnte.

Dow-Gold-Ratio ist ein sehr wichtiger Indikator

Der RSI für den Dow Jones ist sogar auf mehr als 80 Punkte geklettert und zeigt damit, wie stark überkauft der Index ist. Im Gegensatz dazu liegt der Wert für Gold bei lediglich 31 Punkte. Werte um die 30er-Marke zeigen an, dass Etwas – in diesem Fall Gold - überverkauft ist und der Preis daher zu einer Gegenbewegung nach oben ansetzen könnte. Gold-Fans sollten zudem vor allem das Dow-Gold-Ratio (DGR) im Auge behalten. Es setzt den Kurs des Dow Jones, der an der Marke von 20.000 Punkten knabbert, ins Verhältnis zum Goldpreis. Das DGR drückt damit das Verhältnis von Aktien, also finanziellem Vermögen, zu Gold, also Sachwerten, aus. Wenn das Ratio deutlich über dem langjährigen Durchschnitt liegt, sind Aktien im Verhältnis zu Gold zu teuer. Das kann dadurch aufgelöst werden, dass entweder die Aktienkurse sinken, oder der Goldpreis steigt, oder beides gleichzeitig. Aktuell liegt das DGR mit 17,7 auf einem sehr hohen Niveau. Zwischen 1975 und 1995, also ehe der damalige US-Notenbankchef Alan Greenspan mit der starken Lockerung der Geldpolitik den Aktienmarkt immer weiter nach oben getrieben hat, lag der Faktor aber häufig zwischen drei und sieben, der Tiefpunkt lag sogar unter 2,5. Auf Basis dieser Zahlen hätte der Goldpreis deutlich Aufwärtspotenzial, zumal wenn die Trump-Euphorie etwas nachlassen sollte, beispielsweise weil das Konjunkturprogramm aufgrund der horrenden Staatsverschuldung von 19,9 Billionen Dollar deutlich kleiner ausfallen könnte als viele Investoren derzeit erwarten.

Zwei weitere Kennzahlen

Zwei andere Kennzahlen deuten hingegen darauf hin, dass der Goldpreis fair bewertet, oder leicht überbewertet sein könnte. Erstens das Gold-Öl-Ratio (GÖR). Dabei steht Öl quasi für die Weltwirtschaft, also die Nachfrage nach Energie. Wenn das GÖR hoch ist, deutet das auf einen zu hohen Goldpreis hin. Aktuell liegt das GÖR mit 21,5 in der Nähe des langjährigen Durchschnitts. Ein ähnlicher Indikator wie der GÖR ist das Gold-Silber-Ratio (GSR) (siehe auch Ratio auf Stockcharts). Dabei spiegelt Silber ähnlich wie Öl die Weltwirtschaft, also die industrielle Nachfrage wider, stammen doch rund 50 Prozent der weltweiten Silbernachfrage aus Industrieanwendungen, wie der Solarbranche. Zuletzt haben Investoren Silber aber vor allem als „kleinen Bruder“ von Gold, also als Edelmetall, angesehen und kräftig verkauft. Mit 71 ist das GSR zwar viel höher als in den Jahrzehnten vor 1985, als der Wert im Schnitt bei rund 30 gelegen hatte. In den vergangenen 30 Jahren lag der Schnitt allerdings eher zwischen 70 und 75, weshalb Gold nicht zu teuer erscheint.

Kurzfristig könnte der Goldpreis zwar noch etwas Gegenwind haben, gerade wenn der Yen gegenüber dem Dollar weiter sinken sollte. Unabhängig von den täglichen Kursschwankungen an der Börse werden aber die mittel- und langfristigen Perspektiven von Gold immer besser. Immerhin wächst die US-Geldmenge derzeit um eine Billion Dollar pro Jahr. Das spricht mittel- und langfristig nicht gerade für einen steigenden Dollar. Sollte der Dollar nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Jahre allmählich den Rückwärtsgang einlegen, sollte Gold beginnen, zu glänzen.

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Kommentare [1]
  • von Sammy Qin | 05.01.2017, 12:50 Antworten

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