Stand: 07.03.2017 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Freundliche Aktienmärkte, starke US-Konjunkturdaten und restriktivere Töne diverser US-Notenbanker haben zu einem Comeback der Zinssorgen geführt und beim Goldpreis zu einer leichten technischen Korrektur geführt.

Inflation weiter auf dem Vormarsch

In der vergangenen Woche meldete das Statistische Bundesamt einen Anstieg der deutschen Inflationsrate auf 2,2 Prozent, den höchsten Wert seit November 2011. Damit fiel die Geldentwertung etwas stärker als von Analysten erwartet aus.

In der Eurozone schlug mit 2,0 Prozent zwar ein etwas niedrigerer Wert zu Buche, der von der Europäischen Zentralbank (ECB) kommunizierte Wunschwert wurde damit aber ebenfalls erreicht. Maßgeblich verantwortlich für das eindrucksvolle Comeback der Inflation (siehe Tabelle) waren natürlich die gestiegenen Ölpreise, da diese im Index für die Lebenshaltungskosten besonders stark gewichtet sind. In den Jahren 2015 und 2016 war der fossile Energieträger aufgrund seiner massiven Preisschwäche für die ungewöhnlich niedrige und zeitweise sogar deflationäre Tendenz verantwortlich. Aufgrund des Basiseffekts könnte die Teuerung mittelfristig nachlassen, falls der Ölpreis aus seinem seit Dezember zu beobachtenden Seitwärtstrend nicht nach oben ausbrechen sollte.

Comeback der Inflation

Nov.-16 Dez.-16 Jan.-17 Feb.-17
USA 1,7 2,1 2,5 3/15/2017
Eurozone 0,6 1,1 1,8 2,0
Deutschland 1,7 1,7 1,9 2,2
China 2,3 2,1 2,5 3/9/2017

Die große Frage lautet nun: Was steigt schneller die Renditen von Staatsanleihen bester Bonität oder die Inflationsrate? Falls letzteres der Fall sein sollte, spräche dies für Gold kaufen. Dann würden nämlich die inflationsbereinigten Realzinsen zu einer anhaltend Vernichtung von Sparvermögen in Deutschland führen. Deutsche Anleger bunkern gegenwärtig nämlich über eine Billion Euro auf zinslosen Giro- bzw. Tagesgeldkonten. Und selbst mit 30-jährigen Bundesanleihen kann man die aktuelle Geldentwertung nicht kompensieren, da diese Papiere aktuell bei lediglich knapp über einem Prozent rentieren. Völlig unberücksichtigt bliebe zudem das angesichts des extrem langen Anlagehorizonts nicht unerhebliche Kurs- und Tilgungsrisiko.

Wachsender Optimismus unter Großspekulanten - Goldpreis

Seit Jahren ist der Goldpreis vor allem von der Entwicklung an den US-Terminmärkten stark abhängig, wo in erster Linie auf Kredit Berge von Papiergold bewegt werden. Diese US-Futures sind - im Gegensatz zum Handel an der Shanghai Gold Exchange - nur zu einem extrem geringen Teil mit physischem Gold hinterlegt. Einmal pro Woche informiert die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission, wie sich die Stimmung unter den spekulativen Marktakteuren entwickelt hat. Sobald zum Beispiel der Optimismus großer Terminspekulanten (Non-Commercials) wächst, ist der Goldpreis in der Regel durch einen Aufwärtsdrang gekennzeichnet. Seit Ende Dezember hat sich die Netto-Long-Position der Großspekulanten (mehrheitlich optimistisch gestimmt) von 98.300 auf 163.800 Kontrakte (+66,7 Prozent) kräftig erhöht. Innerhalb dieses Zeitraums ging es mit dem Goldpreis um acht Prozent bergauf.

Goldpreis: In den Korrekturmodus gewechselt Goldpreis von November 2016 -März 2017


Diese Korrelation funktioniert aber auch in die entgegengesetzte Richtung. Das von Juli bis Dezember 2016 zu beobachtende Kollabieren der Netto-Long-Position vom Rekordhoch bei fast 369.000 auf rund 98.000 Futures (-73 Prozent) ließ den Goldpreis um nahezu 250 Dollar abstürzen. Ein extrem ausgeprägter Optimismus unter den Großspekulanten sollte daher stets als Warnzeichen gesehen werden. Bei Gold-Futures deuten die Zeichen diesbezüglich eher auf „Entwarnung“ hin, schließlich befindet sich die Zuversicht großer Terminspekulanten noch meilenweit unter dem Rekordniveau vom vergangenen Sommer.

Völlig anders sieht die Lage hingegen bei Futures auf die US-Sorte WTI aus, wo große Terminspekulanten ihre Netto-Long-Position auf Zwölfmonatssicht von 212.500 in der Spitze auf das Rekordniveau von 556.600 Kontrakten (21. Februar) mehr als verdoppelt haben. Beim „schwarzen Gold“ dürfte das Rückschlagpotenzial daher erheblich ausgeprägter sein als beim „echten Gold“.

Ausblick für die laufende Woche

Die Wahrscheinlichkeit, dass Mitte März die US-Leitzinsen erhöht werden, ist in der vergangenen Woche deutlich gestiegen. Darauf deutet zumindest das von der US-Terminbörse CME Group entwickelte FedWatch-Tool hin.  Die von Fed-Chefin Janet Yellen am Freitag getätigten Statements weisen ebenfalls in diese Richtung. Von entscheidender Bedeutung könnte nun die  in den kommenden Tagen anstehende Datenflut zur Entwicklung des US-Arbeitsmarktes im Februar sein. Laut einer von der Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich die Arbeitslosenrate von 4,8 auf 4,7 Prozent reduziert haben und die Zahl neu geschaffener Stellen von 227.000 auf 195.000 abgerutscht sein. Angesichts der robusten US-Wirtschaft und der von US-Präsident Donald Trump in Aussicht gestellten milliardenschwere Konjunkturprogramme gehen der Fed so langsam aber sicher die Argumente für ein Verzögern der Zinserhöhungen aus, zumal die US-Inflation im Januar mit 2,5 Prozent p.a. auf dem höchsten Niveau seit fast fünf Jahren ausgewiesen hatte. Höhere Zinsen müssen aber nicht zwangsweise das Ende der relativen Stärke des Goldpreises bedeuten, schließlich verfügt das gelbe Edelmetall noch über diverse weitere Kaufargumente.

Goldpreis: In den Korrekturmodus gewechselt
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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