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Stand: 24.11.2021 von Hannes Zipfel
Nur noch ca. 150 Euro notiert der Goldpreis in der Gemeinschaftswährung unter seinem Allzeithoch. Die hohen Metallkosten schlagen sich auch in den Münz- und Barrenpreisen nieder. Lohnt jetzt noch der Einstieg?
Goldpreis in Euro nahe Rekord – worauf es jetzt ankommt

Goldpreis in Euro mit starkem Aufwärtsdrang

Seit über drei Jahren klettert der Goldpreis wieder nach oben. Im September 2018 zahlten Anleger aus der Eurozone für eine Feinunze Gold knapp über 1.000 Euro (Spot-Preis). Mittlerweile müssen für das Edelmetall knapp 60 Prozent mehr aufgewendet werden. Das schlägt sich auch in den Preisen für Barren und Münzen nieder.

Für Anleger aus Deutschland und der gesamten Eurozone stellt sich daher die Frage, ob die Notierungen weiter ansteigen oder ob es zu einer ausgeprägten Korrektur kommt und Gold noch mal deutlich günstiger wird.

Goldpreis in Euro per Oz

Das typische saisonale Muster der letzten 15 Jahre zeigt kurzfristig bis MItte Dezember eine temporäre Schwächephase, sieht aber ansonsten bis Ultimo Februar des Folgejahres sehr positiv aus (gelbe Linie im Chart).

Saisonales Muster des Goldpreis

Da der Goldpreis an den internationalen Märkten generell in US-Dollar gehandelt wird, sind die aktuell hohen Notierungen in Euro auch auf die Schwäche der Gemeinschaftswährung zurückzuführen.

Während Gold in US-Dollar gut 15 Prozent unter dem Höchststand notiert, sind es in Euro nur noch gut 10 Prozent. Die Differenz erklärt sich aus der Abwertung der Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar.

Für deutsche Anleger ist der Goldpreis in Euro entscheidend. Dies gilt auch für Immobilien, Aktien und sonstigen Vermögenswerte in der Vermögensbilanz.

Euro vs. Dollar

Die sich aktuell beschleunigende Schwäche des Euro gegenüber dem US-Dollar spiegelt die Pandemiedynamik in Europa wider, wo die vierte Welle im Moment deutlich ausgeprägter verläuft als in den USA.

Der generelle Abwärtstrend des Euro seit Sommer dieses Jahres geht allerdings auf das Konto der Europäischen Zentralbank (EZB) und ihrer extrem lockeren Geldpolitik trotz hoher Inflationsdynamik.

In den USA ist die Verbraucherpreisinflation zwar aktuell noch höher als in der Eurozone, aber die US-Notenbank "Fed" hat bereits umgesteuert und verringert seit diesem Monat zumindest die Flut neuen Geldes.

Die EZB wird dies vor März nächsten Jahres nicht tun, bis das Pandemie-Notfall-Programm "PEPP" ausläuft.

Doch auch für die Zeit danach halten sich die Zentralbanker mit Sitz im Frankfurter Ostend in Sachen Euro-Geldmengensteigerung alle Optionen offen. Zinserhöhungen, das hat EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Freitag vergangener Woche nochmals klargestellt, wird es bis zum Jahr 2023 in der Eurozone nicht geben.

Der Leitzins soll bei null verharren und der Einlagenzinssatz sogar bei -0,5 Prozent p. a. Für die USA preisen die Future-Märkte hingegen bereits ür 2022 zwei Zinserhöhungen ein (Quelle: CME Group, FedWatch Tool). Die daraus resultierende perspektivische Zinsdifferenz lässt den US-Dollar in den Augen der Anleger deutlich attraktiver erscheinen als den Euro.

Anhand der Frühindikatoren, wie zum Beispiel den Erzeugerpreisen, ist bereits absehbar, dass die Preisinflation in der Eurozone weiterhin hoch bleibt. So stieg im Oktober der Index der deutschen Erzeugerpreise mit +18,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat so stark an wie seit 70 Jahren nicht mehr (Quelle: DeStatis).

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Preissteigerungen zumindest in Teilen auch bei den Endverbrauchern ankommen. Inflationsraten wie in den USA um die Marke von sechs Prozent p. a. sind gemäß der jüngsten Prognose der Deutschen Bundesbank (Monatsbericht November) auch hierzulande in Kürze Realität

EZB-Zwangslage begünstigt Gold in Euro

Der Grund für das Festhalten der EZB an der ultralaxen Geldpolitik trotz Teuerungsschock ist nach eigenem Bekunden neben der Pandemie auch die hohe Verschuldung einzelner Euro-Staaten. So beträgt zum Beispiel die Staatsschuldenquote in Griechenland aktuell 207 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts und in Italien 156 Prozent (Quelle: Statista).

Erlaubt sind gemäß den Verträgen von Maastricht lediglich 60 Prozent. Würden die Zinsen nun steigen und die EZB ihre Käufe von Anleihen dieser Staaten zurückfahren, bestünde die Gefahr, dass es zu einer neuerlichen Euro-Krise käme, weil die Kapitalmärkte die Schuldpapiere aus den "Südstaaten" fallen lassen.

Dies würde das Risiko von Staatsbankrotten Griechenlands, Portugals und Italiens stark erhöhen, da für diese Länder der Schuldendienst ohne Hilfe der EZB nicht mehr zu schultern wäre.

Da sich sowohl die Verschuldung als auch die Inflation als hartnäckig herausgestellt haben, bleibt nicht viel Handlungsspielraum für die EZB. Klar ist allerdings, dass sich die Zentralbank gegen ihr primäres Mandat der Wahrung der Preisstabilität und für die Aufrechterhaltung der Schuldentragfähigkeit hoch verschuldeter Euro-Staaten entschieden hat. Wahrscheinlich aus Angst vor einem Dominoeffekt, der von Griechenland auf Italien, Portugal, Spanien und sogar Frankreich übergreifen könnte, so wie wir es bereits während der letzten Eurokrise im Ansatz erlebt haben.

Allerdings ist der Verschuldungsgrad seitdem nochmals deutlich angestiegen.

In der Konsequenz der EZB-Politik ist mit einer gegenüber dem US-Dollar tendenziell weiter abwertenden Gemeinschaftswährung zu rechnen, was zu einem relativ höheren Goldpreis in Euro führt.

Welchen Einfluss der Wechselkurs auf den heimischen Goldpreis haben kann, sieht man aktuell in sehr ausgeprägter Form in der Türkei. Dort hat auf Anweisung des Staatspräsidenten die Zentralbank (TCMB) trotz steigender Inflationsraten Richtung 20 Prozent den Leitzins mehrfach auf jetzt 15 Prozent abgesenkt.

Auch hier gilt die Verschuldung als Hauptgrund für eine Zinspolitik, die nicht geeignet ist, der Inflation entgegenzuwirken. Die Landeswährung hat daraufhin zuletzt massiv abgewertet, gegenüber dem US-Dollar in den letzten sechs Monaten um gut die Hälfte. Der Goldpreis in türkischer Lira ist in der Folge bereits auf ein Allzeithoch angestiegen, der Goldpreis in US-Dollar dagegen nicht.

Goldpreis in Türkische Lira TRY per Oz

Solch ein Szenario ist in abgeschwächter Form auch für den Goldpreis in Euro denkbar. Dies war bereits vor neun Jahren der Fall, als der Goldpreis während der Eurokrise im September 2012 ein neues Allzeithoch in der Gemeinschaftswährung erreichte, der Preis in US-Dollar allerdings nicht.

Die große Diskrepanz zwischen den geldpolitischen Perspektiven diesseits und jenseits des Atlantiks spricht für eine Fortsetzung der Euroschwäche und damit stärkere Kurszuwächse des gelben Edelmetalls in der Gemeinschaftswährung als in US-Dollar.

Anleger aus Deutschland und der Eurozone können sich ergo mit Gold vor der nicht nachhaltigen Geldpolitik der EZB und dem damit einhergehenden Risiko einer sich fortsetzenden Abwertung des Euro-Außenwertes schützen.

Käufe von Gold-ETFs entscheidend

Der wohl wichtigste Impuls für den Goldpreis geht in den kommenden Wochen und Monaten von der Nachfrageentwicklung durch die Gold-ETFs aus (börsengehandelte Gold-Fonds). Mit 3.558 Tonnen sind sie bereits der zweitgrößte Goldhalter der Welt, nach den Vereinigten Staaten von Amerika und noch vor der Bundesrepublik Deutschland.

Die monatlichen Zu- und Abflüsse überschritten in den vergangenen zehn Jahren immer öfter die Marke von 100 Tonnen. Damit haben die Gold-Fonds die Zentralbanken als bedeutendste physische Angebots- und Nachfragegruppe abgelöst.

Die Korrelation zwischen dem Goldpreis und den ETF-Zu- bzw. Abflüssen ist sehr hoch. Wobei die Kapitalflüsse in Nordamerika und Europa prozyklisch auf die Goldnotierungen reagieren und somit bestehende Preistrends verstärken.

Der Zusammenhang zwischen der asiatischen ETF-Goldnachfrage und der Preisentwicklung ist hingegen deutlich geringer und spiegelt eher die allgemeine Wohlstandsentwicklung wider.

Korrelation des Goldpreises zu Gold-Etf-Beständen

Seit Ende September 2021 steigen die Goldpreise auch in US-Dollar wieder an. Im Oktober flossen aber noch netto 25,5 Tonnen Gold aus ETFs ab. In der ersten Novemberhälfte hat sich das Bild gleichwohl aufgehellt. In den ersten drei Wochen dieses Monats flossen netto nur noch 0,3 Tonnen ab.

In Europa gab es in dieser Zeit bereits Nettozuflüsse in Höhe von  4,0 Tonnen, davon allein in der KW 46 netto über 2,1 Tonnen.

Die europäischen Gold-ETFs haben sich zuletzt also wieder zu Nettokäufern gemausert. Ebenso wie die nordamerikanischen Gold-Fonds, die in der KW 46 ganze 10,2 Tonnen absorbierten. Dahingegen sieht die Lage in Asien und hier speziell in China völlig anders aus.

Die asiatischen Gold-ETFs warfen in nur zwei Wochen (KW 45 u. 46) über 9 Tonnen Gold auf den Markt.

Möglicherweise handelt es sich hier bereits um die Folge von Liquiditätsengpässen bei chinesischen Anlegern im Zuge der Immobilienmarktturbulenzen im Reich der Mitte. Es kann sich aber auch schlicht um Gewinnmitnahmen handeln, da die asiatischen Anleger in der Vergangenheit des Öfteren antizyklisch am Goldmarkt agierten.

Nettoveränderungen der Gold-Etfs-Bestände

Ein Blick auf die Gesamtbestände der ETFs in den einzelnen Regionen zeigt ein klares Übergewicht in Nordamerika (1.818 Tonnen) und Europa (1.559 Tonnen) gegenüber Asien (128 Tonnen).

Das potenzielle Goldangebot durch ETFs aus der Region Asien ist also stark limitiert. Was die Nachfrageentwicklung in Europa und Nordamerika in Zukunft noch mehr bestimmen könnte, ist die Entwicklung der Inflation.

Gold gilt nach wie vor als eine verlässliche Möglichkeit, sich vor genereller Preisinflation zu schützen. Dies ist auch der Grund dafür, warum Zentral- und Notenbanken weltweit Gold in bedeutendem Umfang als Reservewährung halten. In den USA entsprechen die Goldreserven 78,7 Prozent der gesamten Devisenreserven, in Deutschland sind es 76,2 Prozent und in den Euro-Ländern im Schnitt 62,8 Prozent (Quelle IWF, WGC).

Diverse Frühindikatoren legen nahe, dass die Inflation kein vorübergehendes Phänomen ist.

Im Gegenteil entwickelt sich hier gerade eine sich selbst verstärkende Aufwärtsspirale, der die Notenbanken aufgrund der Schuldenproblematik nur schwer entgegenwirken können.

Gründe für eine anhaltend hohe Inflation sind u. a.:

  • Hartnäckige Präsenz der Pandemie

  • Chinas Covid-Null-Toleranz-Politik (Hafenschließungen etc.)

  • Lieferkettenunterbrechungen

  • Material- und Rohstoffknappheit

  • Stark steigende Erzeugerpreise

  • Stark steigende Großhandelspreise

  • Energiekrise und administrative Preiserhöhungen (z. B. CO2-Steuer)

  • Anhaltend laxe Geldpolitik in Japan, China, Europa und den USA

  • Beginnende Lohn-Preis-Spirale

  • De-Globalisierung

Das Thema Inflation dürfte somit ein Nachfragetreiber für Gold bleiben, da sich immer mehr private und institutionelle Anleger der Nachhaltigkeit des Teuerungstrends bewusst werden.

Fazit und Ausblick

Die zuletzt konstruktive Entwicklung bei den ETF-Beständen in Nordamerika und Europa lässt darauf schließen, dass von dieser wichtigen Nachfragefront wieder mehr Unterstützung für den Goldpreis zu erwarten ist.

Die Europäische Zentralbank steckt hingegen in einem Interessenskonflikt zwischen Preisstabilität und Aufrechterhaltung der Schuldentragfähigkeit fest. Der Inflation hat sie daher wenig entgegenzusetzen.

Mittlerweile liegt der Leitzins in der Eurozone über vier Prozent unter der offiziellen Inflationsrate (HVPI Eurozone Okt.´21: 4,1 Prozent p. a.). Zum Vergleich: In der Türkei liegt der Leitzins momentan fünf Prozent unter der Inflationsrate, also nur 100 Basispunkte mehr als in der Eurozone.

Die Zwickmühle der Europäischen Zentralbank und die diversen Faktoren für eine anhaltend hohe Inflation sind eine Gemengelage, die speziell Gold zugutekommt, da es erfahrungsgemäß seit über fünf Jahrtausenden vor Inflation und Währungsabwertung schützt.

Neue Preisrekorde beim Goldpreis in Euro sind daher deutlich wahrscheinlicher als ein Preisverfall.

Autor: Hannes Zipfel
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"