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Stand: 15.11.2022 von Jörg Bernhard
Eine Korrelation erwies sich in diesem Jahr als wenig zuverlässig. So reagierte der altbewährte Inflationsschutz Gold auf die Inflationsentwicklung alles andere als schulbuchmäßig. In der vergangenen Woche hat er sich trotz rückläufiger US-Inflation deutlich verteuert.
Goldpreis: Inflationsschutz feiert starkes Comeback

US-Inflation im Sinkflug

Am vergangenen Donnerstag fiel die für den Monat Oktober gemeldete US-Inflationsrate mit 7,7 Prozent p.a. (siehe Chart) deutlich niedriger als erwartet aus und löste dadurch nicht nur an den Aktienmärkten, sondern auch beim Goldpreis starkes Kaufinteresse aus. Dies führte zum Beispiel beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares erstmals seit vier Wochen zu einem Anstieg der gehaltenen Goldmengen von 908,38 auf 911,57 Tonnen.

Damit sieht es zumindest in den USA danach aus, dass sich die Geldentwertung spürbar verlangsamt, schließlich war im Juni mit 9,1 Prozent p.a. noch der höchste Wert seit über 40 Jahren gemeldet worden.

US-Inflation auf Sicht von zehn Jahren

US-Inflation auf Sicht von zehn Jahren

Normalerweise gilt Gold als Anlageklasse, die von einer steigenden Inflation profitiert. Da wir aber nach wie vor in alles andere als normalen Zeiten leben, tendierte das gelbe Edelmetall trotz nachlassendem Inflationsdruck deutlich bergauf. Grund: Zusammen mit den Inflationszahlen haben auch die Zinsängste nachgelassen, was sich am FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group besonders gut ablesen lässt. Aktuell wird nämlich eine Wahrscheinlichkeit von lediglich 19,4 Prozent angezeigt, dass wir Mitte Dezember einen weiteren XXL-Zinsschritt um 75 Basispunkte sehen werden, nachdem vor einem Monat hier noch ein Wert von fast 70 Prozent ausgewiesen worden war.

Dies wird dahingehend interpretiert, dass sich die US-Leitzinsen – und damit auch die Opportunitätskosten (Zinsverzicht der Goldbesitzer) – künftig weniger dynamisch erhöhen könnten. Folgende Punkte sollten Geldanleger dabei aber stets im Hinterkopf behalten.

Erstens: Steigende Zinsen gehen stets mit rückläufigen Anleihepreisen einher, was bei den Besitzern von festverzinslichen Wertpapieren in diesem Jahr zu hohen Vermögensverlusten geführt hat.

Zweitens: Noch immer übertrifft die Geldentwertung die mit US-Staatsanleihen erzielbaren Renditen recht deutlich, was zu hohen negativen Realzinsen führt. Dieses Phänomen ist in Deutschland aufgrund der niedrigeren Renditen und der höheren Inflation von aktuell 10,4 Prozent p.a. noch erheblich stärker ausgeprägt.

Eignen sich Anleihen als Inflationsschutz?

Obwohl sich diesseits- wie jenseits des Atlantiks die Anleiherenditen seit dem Jahreswechsel vervielfacht haben, leidet diese Anlageklasse weiterhin unter massiven Kaufkraftverlusten. In der Eurozone dürfte sich daran aufgrund der unzähligen Krisenherde (Ukraine-Krieg, Klimawandel, Lieferkettenprobleme, Energie-, Verschuldungs- und Flüchtlingskrise) kaum etwas ändern, schließlich achtet die EZB bereits seit Längerem weniger auf die Preisstabilität des Euros, sondern räumt vor allem der Schuldentragfähigkeit hochverschuldeter Mitgliedsländer eine hohe Priorität ein.

Da Anleihen bei Fälligkeit zu maximal 100 Prozent ihres Nennwerts zurückgezahlt werden, können inflationsbedingte Kaufkraftverluste nur in begrenzter Form durch Kursgewinne kompensiert werden. Inflationsschutz würden sie somit nur bieten, wenn die Inflationsrate das Niveau der Renditen unterschreiten sollten, wobei bei dieser Betrachtung das Kontrahenten- bzw. Ausfallrisiko gar nicht berücksichtigt wäre.

Ausblick für die laufende Woche

Das Thema „Inflation“ dürfte auch in den kommenden Handelstagen heiß diskutiert werden, schließlich stehen zum Beispiel in der Eurozone sowie in folgenden Ländern aktuelle Teuerungsraten zur Bekanntgabe an: Großbritannien, Italien und Japan. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten sollen sich in der Eurozone die Konsumentenpreise im Oktober gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode von 9,9 auf 10,7 Prozent verteuert haben.

Sollte die Geldentwertung geringer als erwartet ausfallen, könnte dies beim Goldpreis zusätzlichen Rücken- bzw. Aufwind generieren. Aus charttechnischer Sicht erfolgte mit dem Überwinden der Marke von 1.750 Dollar nämlich ein vielversprechender Ausbruch aus dem seit März zu beobachtenden Abwärtstrendkanal.

Falls nun auch noch die oberhalb von 1.800 Dollar verlaufende 200-Tage-Linie überwunden wird, stünden beim gelben Edelmetall die charttechnischen Ampeln eindeutig auf „Grün“.

Autor: Jörg Bernhard
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