Stand: 10.08.2018 von Egmond Haidt 0 Kommentare

Die neue italienische Regierung hält absolut Nichts vom Sparen, sondern will vielmehr mit massiven neuen Schulden die Wirtschaft ankurbeln. Das Thema dürfte in den nächsten Wochen zu deutlichen Turbulenzen am Anleihen- und am Währungsmarkt führen. Anleger aus Deutschland verfolgen daher die dortige Entwicklung mit Sorge.

Italiens Regierung macht Ernst: Die beiden stellvertretenden Ministerpräsidenten, Matteo Salvini von der Lega-Partei und sein Kollege Luigi Di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung, wollen ihre Wahlversprechen in die Tat umsetzen und im September den Haushalt für 2019 beschließen. So sollen unter anderem eine Flat Tax, also ein einheitlicher Steuersatz über alle Einkommensgruppen hinweg, und ein Grundeinkommen für Einkommensschwache eingeführt werden.

Die Folge:

Die Einnahmeausfälle des Staates und die zusätzlichen Ausgaben würden dazu führen, dass die Neuverschuldung gegenüber dem 2017er-Wert von 43,5 Mrd. Euro um mehr als 100 Mrd. Euro nach oben schießen würde.

Damit würde die Neuverschuldung auf horrende acht oder neun Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung explodieren, was klar gegen die EU-Regeln verstößt.

Die EU-Kommission unter Druck setzen

Dabei hat Italien bereits horrende 2,33 Billionen Euro Schulden - das sind mehr als 130 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Italien will also einmal mehr mit massiven neuen Staatsschulden, also den alten Rezepten, die Wirtschaft ankurbeln und dabei mit vollen Händen Wahlgeschenke verteilen.

Die EU-Kommission dürfte davon allerdings nicht gerade begeistert sein, Di Maio will das dennoch gegenüber der Kommission durchsetzen. Er hat auch bereits klar gesagt, wie das gehen soll: indem die gleiche harte Verhandlungstaktik angewendet werden soll, mit der Italien bereits in der Flüchtlingskrise erhebliche Zugeständnisse von anderen Ländern erreicht hat.

„Wir wollen diese Reformen mit der EU besprechen, um die Manövriermasse zu bekommen, die es uns erlauben, diese Maßnahmen einzuführen“, sagte Di Maio der stellvertretende Ministerpräsident.
„Das bedeutet, dass wir das Gleiche tun, wie bei der Einwanderung“

Die Budget-Regeln seien nicht „die Bibel“, sagte sein Kollege Salvini.

„Es kann nicht sein, dass wir es wegen der Budget-Parameter nicht machen.“

Italien manipuliert die Zinsen nach unten

Dass die Investoren am Anleihenmarkt von derartigen Pläne nicht besonders begeistert sind, versteht sich von selbst, weshalb die Zinsen für zweijährige italienische Anleihen zwischenzeitlich nach oben geschossen waren.

Um die Lage dennoch unter Kontrolle zu halten und den Anschein zu erwecken, Alles sei normal, hat das italienische Finanzministerium am Freitag, 3. August für 950 Mio. Euro kurzlaufende Anleihen zurückgekauft, woraufhin die Zinsen für zweijährige Anleihen kräftig gesunken sind. Nachdem sie am Freitag zuvor noch bei 1,35 Prozent gelegen waren, sind sie am Montag auf 0,92 Prozent zurückgegangen.

Das war das bislang größte Anleihekaufvolumen, nachdem das Finanzministerium bereits Ende Mai für 500 Mio. und Ende Juni für 750 Mio. Euro Papiere gekauft hatte. Mit den Transaktionen manipuliert Italien die Zinsen nach unten. Wenn die Regierung ihre Pläne weiter vorantreibt, - wovon ich fest ausgehe -, dürften bald noch größere Anleihekäufe folgen.

Goldpreis notiert am Mehr-Jahres-Tief

Trotz dieser besorgniserregenden Entwicklung notiert der Goldpreis mit Kursen von knapp über 1.200 Dollar in der Nähe des tiefsten Niveaus seit März 2017, auf Euro-Basis liegt er am Zweieinhalb-Jahres-Tief. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Spekulanten am Futures-Markt stärker als je zuvor auf die sinkende Goldpreisentwicklung setzen, also dass der bisherige Abwärtstrend einfach weitergeht.

Dass es eine Menge Risiken für die Weltwirtschaft und damit für den Aktienmarkt und im Gegenzug Chancen auf eine mögliche Trendwende beim Goldpreis gibt, darüber sehen die Spekulanten hinweg.

Zu den Faktoren gehören die Eskalation im Handelskrieg, wodurch sich die Perspektiven für die Weltwirtschaft deutlich eintrüben, die Serie schwacher US-Konjunkturdaten, die Gefahr eines ungeordneten Brexit, also des Austritt Britanniens aus der EU, die Halbzeitwahlen in den USA am 6. November und eben das schwelende Italien-Risiko.

Investoren werden die Lage in Italien genau verfolgen. Bei anhaltend schlechten Nachrichten könnte der Euro, der ohnehin in die Nähe des 52-Wochen-Tiefs gegenüber dem Dollar gesunken ist, nach unten ausbrechen. Das würde den Goldpreis auf Euro-Basis etwas stützen.

Gold – Italien spielt weiter mit dem Feuer
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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