Stand: 20.12.2016 von Jörg Bernhard 4 Kommentare

Fed-Chefin Janet Yellen verpasste dem gelben Edelmetall in der vergangenen Woche einen weiteren Nackenschlag. Weniger durch den Zinsschritt um 25 Basispunkte nach oben, sondern vielmehr durch die Drohung weiterer Zinsanhebungen.

In der Spitze verbuchte der Goldpreis Anfang Juli noch eine Performance von plus 30 Prozent. Diese ist mittlerweile auf fünf Prozent zusammengeschmolzen. Gelitten hat der Krisenschutz seither vor allem unter dem starken US-Dollar und dem kräftigen Zinssprung nach oben.

Je höher die Zinsen, desto schwieriger fällt Goldbesitzern offensichtlich der Verzicht auf die regelmäßigen Zahlungen. Diese sogenannten Opportunitätskosten waren hauptverantwortlich für die an den Terminmärkten bzw. im ETF-Sektor losgetretene Verkaufswelle. Zugleich litt Gold aber auch unter der stärkeren Anziehungskraft von Aktien und diversen konjunktursensitiven Rohstoffen. Während der Dow-Jones-Index in der vergangenen Handelswoche neue Rekordhochs erzielte, schaffte der DAX immerhin ein neues Jahreshoch. Derzeit scheint Gold eindeutig „out“ zu sein.

Beim Handel von physischem Gold kann von Verkaufsdruck hingegen keine Rede sein – im Gegenteil. Bei einigen großen Edelmetallhändlern sind diverse Barren und Münzen aufgrund der starken Nachfrage und dem bevorstehenden Jahreswechsel nicht mehr verfügbar und die Prämien haben sich ebenfalls signifikant erhöht.

Terminspekulanten im Verkaufsrausch

Erheblicher Verkaufsdruck ging in der zweiten Jahreshälfte vor allem von der weltweit wichtigsten Terminbörse Commodity Exchange aus. Einmal pro Woche informiert die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission via Commitments of Traders-Report über die Stimmung der diversen Terminmarktakteure.  

So kam es zum Beispiel beim allgemeinen Interesse an Gold-Futures, welches sich an der Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) ablesen lässt, in der zweiten Jahreshälfte zu einem massiven Rückgang von 653.000 auf nur noch 397.000 Kontrakte (-39 Prozent). Außerdem hat sich seit dem Ende Juli markierten Rekordhoch (bedingt durch den Brexit) die kumulierte Netto-Long-Position (Optimismus überwiegt) großer und kleiner Terminspekulanten von über 399.000 Futures auf rund 150.000 Kontrakte (Stand: 13.12.2016) um 62 Prozent reduziert.

Bei Großspekulanten (Non-Commercials) war die Skepsis besonders auffällig. Sie haben nämlich innerhalb dieses Zeitraums ihre Long-Seite (Wette auf steigenden Goldpreis) um fast 208.000 Futures reduziert und zugleich ihr Short-Exposure (Wette auf fallenden Goldpreis) um rund 32.000 Kontrakte nach oben gefahren. Nur zur Erinnerung: Mit einem Gold-Future wird der Gegenwert von 100 Feinunzen Gold bewegt.

Optimismus der Analysten lässt nach

Die nachlassende Tendenz des Goldpreises hat auch viele Analysten skeptischer werden lassen. Dies schlug sich in den vergangenen zwei Monaten in überwiegend nach unten revidierten Kurszielen nieder. Auf Basis von insgesamt 30 von der Nachrichtenagentur Bloomberg erfassten Kursziele für 2017 (siehe Tabelle) schwanken die Prognosen zwischen 1.100 (Rising Glory Finance) und 1.651 US-Dollar (Incrementum), was einer Range von 50 Prozent entspricht.

Der durchschnittliche Mittelwert aller Schätzungen liegt bei rund 1.300 US-Dollar. Für 2018 reicht bei insgesamt 21 Prognosen die Bandbreite der Schätzungen von 1.117 (Itau Unibanco Holding) bis 2.200 US-Dollar (Incrementum) und ergibt einen durchschnittlichen Erwartungswert von 1.372 US-Dollar.

Die Spanne zwischen niedrigstem und höchstem Kursziel geht für 2019 bei insgesamt 14 Analystenschätzungen noch weiter auseinander und reicht von 1.130 (Itau Unibanco Holding) bis 2.500 US-Dollar (Incrementum).

Die Differenz zwischen beiden Extremwerten beläuft sich somit auf 121 Prozent, wobei sich der Mittelwert sämtlicher Schätzungen für dieses Jahr auf 1.398 US-Dollar beläuft.

Goldprognosen


2017 2018 2019
Anzahl der Analysten 30 21 14
Durchschnitt (in USD) 1.300,94 1.371,57 1.397,77
Tief (in USD) 1.100,00 1.117,00 1.130,00
Hoch (in USD) 1.651,00 2.200,00 2.500,00

Quelle: Bloomberg; Stand: 16.12.2016

Ausblick für die laufende Woche

Vor den Weihnachtsfeiertagen könnte es noch einmal spannend werden. In den kommenden Tagen stehen nämlich noch einige wichtige US-Konjunkturindikatoren zur Bekanntgabe an. Vor allem der Donnerstag bietet mit dem Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter (November), den endgültigen Zahlen zum US-Wirtschaftswachstum (Q3), den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe sowie den Einnahmen und Ausgaben der US-Amerikaner (November) einige „Hingucker“. Ob diese zum „Aufreger“ werden, bleibt abzuwarten.

Sollte sich die US-Konjunktur robuster als erwartet präsentieren, dürfte sich dies für den Goldpreis als kontraproduktiv erweisen. Dann könnten nämlich wachsende Zinssorgen und ein starker US-Dollar an den Goldmärkten für miese Laune sorgen. Wie lange dieses Desinteresse an Krisenschutz anhalten wird, lässt sich nur schwer prognostizieren. Um zumindest eine erfolgreiche Bodenbildung zu erzielen, müsste der „Aderlass“ an der Terminbörse Comex und bei Gold-ETFs gestoppt werden.

Goldpreis: Jahresgewinne schmelzen dahin
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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Kommentare [4]
  • von Meerai | 20.12.2016, 17:50 Antworten

    Ich verstehe nicht wieso eine Zinsanhebung den Goldpreis zusetzt, ist Gold nicht eine Sicherung, die gegen die Entwertung von Geld schützen soll. Ist eine Zinsanhebung nicht fast gleichbedeutend mit inflation. Na ja soll mir egal sein.

    • von Stephan | 21.12.2016, 09:39 Antworten

      Ich bin auch kein Finanzexperte, allerdings könnte ich mir denken, dass bei einer Zinsanhebung einige Leute ihr Erspartes dann doch lieber aufs Konto bringen und dafür einen Zinsertrag erzielen möchten.

  • von Jupp | 22.12.2016, 00:18 Antworten

    Ich glaube, wir haben sowohl eine Inflation als auch eine Deflation. Diejenigen, die Geld aus irgendeinem Grund haben, verbrauchen nicht viel. Diejenigen, die Geld bräuchten, haben keins.

    • von Rainer | 29.12.2016, 18:17 Antworten

      Gewinne, die nicht durch vergegenständlichte Arbeit erziehlt werden, also Geld aus Geld, wird das Geld, wie eine gefährliche Krebsarkrankung, aushöhlen und vernichten.

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