Stand: 27.02.2018 von Jörg Bernhard 2 Kommentare

Obwohl Inflationssorgen für den diesjährigen Einbruch der Aktienkurse und die gestiegene Unsicherheit mitverantwortlich waren, profitierte der Inflationsschutz Gold davon bislang kaum.

Globale Geldentwertung auf dem Vormarsch

Besonders kräftig haben sich die Konsumentenpreise vor allem in den USA nach oben entwickelt. Im Januar fiel diese mit 2,1 Prozent p.a. einen Tick höher als erwartet aus und hat damit den von der US-Notenbank Fed vorgegebenen Zielkorridor erreicht.

Die Reaktion der Börsianer fiel ausgesprochen heftig aus. Aktienindizes brachen massiv ein, während Volatilitätsindizes zeitweise regelrecht explodiert sind. Auch in Deutschland bzw. Europa hat sich die Inflation deutlich nach oben entwickelt, insbesondere auf Jahressicht. So hat sich die deutsche Inflationsrate seit 2015 von 0,3 Prozent p.a. auf 1,8 Prozent p.a. im Jahr 2017 (siehe Grafik) vervielfacht.


Verbraucherindex von Deutschland von 2000-2017


Obwohl Goldinvestments stets das Attribut „Inflationsschutz“ zugestanden wird, fiel dessen Performance eher enttäuschend aus. Auf Sicht von drei Jahren gelang dem Goldpreis auf Eurobasis nämlich lediglich eine „magere“ Performance von etwas mehr als zwei Prozent.

Gefragt waren während dieses Zeitraums eindeutig andere Anlageklassen wie zum Beispiel Aktien, Immobilien oder Kryptowährungen wie der Bitcoin. Selbst der Bund-Future (+6,6 Prozent) entwickelte sich auf Dreijahressicht besser als Gold.

In der vergangenen Woche veröffentlichten zahlreiche Länder aktuelle Teuerungsraten, die eindeutig weniger beängstigend ausfielen als die der USA. Eine regelrechte Datenflut gab es in diesem Zusammenhang am Donnerstag zu „verdauen“.

An diesem Tag veröffentlichten nämlich

  • Frankreich (1,3 Prozent)
  • Hongkong (1,7 Prozent)
  • Italien (0,8 Prozent)

ihre Inflationsraten.

Am Freitag folgten dann noch Japan (1,4 Prozent), Kanada (1,7 Prozent) und die Eurozone (1,3 Prozent).

Deutsche Anleger leiden unter negativen Realzinsen

In Deutschland können Anleger mit Anleihen bester Bonität nicht einmal die Inflation ausgleichen.

Das heiß:

Wer derzeit Bundesanleihen kauft, wird Jahr für Jahr auf inflationsbereinigter Basis ärmer. Für den Monat Januar meldete das Statistische Bundesamt zum Beispiel eine jährliche Teuerungsrate in Höhe von 1,6 Prozent.

Diese Geldentwertung ließe sich nicht einmal mit einer 30-jährigen Bundesanleihe erwirtschaften. Diese wirft derzeit nämlich lediglich 1,38 Prozent ab. Ob Mario Draghi an diesem Dilemma irgendetwas ändern wird, bleibt abzuwarten. Richtig viel Zeit bleibt ihm nicht, schließlich endet seine Amtszeit im Oktober 2019.

Weil bei der Neubesetzung des EZB-Vizechefs Vitor Constancio, dessen Amtszeit im Mai endet, alles auf eine Berufung des Spaniers Luis de Guindos hindeutet, sind die Chancen von Bundesbankchef Jens Weidmann auf den Posten des künftigen EZB-Chefs deutlich gestiegen.

Bleibt zu hoffen, dass der Chefposten nicht in „südeuropäische Hände“ gerät. Für deutsche Anleger, die für ihre Ersparnisse angemessene Zinsen wünschen, wäre dies wohl „zu viel des Schlechten“.

Ausblick für die laufende Woche

Den Akteuren an den Finanzmärkten bereitet derzeit offensichtlich weder die gestiegene Inflation noch das erhöhte Zinsniveau Kopfzerbrechen. Weil das wirtschaftliche Wachstum rund um den Globus einen ausgesprochen robusten Eindruck hinterlässt, hält sich der Bedarf am Krisenschutz Gold in Grenzen.

Ausgemustert dürfte das gelbe Edelmetall auf lange Sicht deshalb aber nicht sein. Insbesondere vor dem Hintergrund der enormen Vermögensinflation bei Aktien, Immobilien und Kryptowährungen dürfte Gold seiner Rolle als altbewährter Krisenschutz weiterhin gerecht werden. Selbst in den USA scheint die Verkaufswelle nachzulassen und das Goldinteresse wieder anzuziehen.

Darauf deuten unter anderem die deutlich gestiegenen Januarumsätze der  United States Mint (US Mint) an American-Eagles-Goldmünzen, die leichten Kapitalzuflüsse beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares sowie die wachsende Zuversicht großer Terminspekulanten (Non-Commercials) beim Handel von Gold-Futures hin.

Staatsanleihen oder Aktien werfen derzeit zwar mehr Zinsen bzw. Dividenden ab, im Gegensatz zu Gold bewegen sich diese Anlageklassen auf Sicht mehrerer Jahre aber auf einem recht hohen Niveau und damit möglicherweise auf „dünnem Eis“. Die Gefahr eines heftigen Kurseinbruchs dürfte in der aktuellen Marktphase bei Gold geringer ausfallen als bei Aktien und Anleihen. Auf eine angemessene Goldkomponente sollte deshalb niemand verzichten.

Goldpreis: Kein Rückenwind durch Inflationssorgen
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
Weitere Beiträge:
MEISTDISKUTIERTE ARTIKEL
MEISTGELESENE ARTIKEL
Kommentar zum Artikel schreiben
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf gold.de gespeichert wird. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per Mail an info@gold.de widerrufen.
Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung.
Kommentare [2]
  • von blo-rakane | 28.02.2018, 08:53 Antworten

    Teil2:Wandelt euer Buchgeld

  • von blo-rakane | 28.02.2018, 08:52 Antworten

    Inflationssorgen sehe ich nicht! Eher ist die Gefahr der Deflation gegeben. Die jährliche Inflationsrate im Euroraum lag im Januar 2018 bei 1,3%, gegenüber 1,4% im Dezember 2017. Ein Jahr zuvor hatte sie 1,8% betragen. Die jährliche Inflationsrate in der Europäischen Union lag im Januar2018 bei 1,6%, gegenüber 1,7% im Dezember2017. Ein Jahr zuvor hatte sie 1,7% betragen. (Diese Daten werden von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union veröffentlicht.)
    Ich kann nur jedem antraten , den ganzen Sermon an Erwartungen,Voraussagen,Prognosen, was die ganzen selbsternannten Pseudo-Experten so vom Stapel lassen ,einfach zu ignorieren. Bei so vielen Variablen in einem Finanz/Wirtschaftssystem eine verbindliche Aussage zu tätigen, hat den selben Glaubwürdigkeitseffekt , wie die viel zitierte Wahrsagerin auf der Kirmes.
    Wandelt euer Buchgeld

Copyright © 2009-2018 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr. Sie betrachten die Seite: Gold.de - Gold und Silber kaufen im Preisvergleich

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany