Stand: 23.04.2020 von Hannes Zipfel
Am Donnerstagvormittag übersprang der Goldpreis erstmals in der Geschichte die Marke von 1.600 Euro pro Unze und erreichte damit den höchsten Stand seit Einführung der Gemeinschaftswährung im Jahr 1999 (als Buchgeld). 
Goldpreis knackt die 1.600 Euro Marke

Auch in D-Mark hatte der Goldpreis nie zuvor ein solch hohes Niveau erreicht (Umrechnungskurs EUR/DEM = 1,95583). Die Wertsteigerung beträgt damit auf 12-Monatssicht in Euro + 41 Prozent, steuerfrei bei Anlagegold.

Goldpreis in Euro 1.600 Euro Marke geknackt

Gleich mehrere Faktoren trugen zur jüngsten Rekordjagd beim Goldpreis bei.

Einkaufsmanager brechen massiv ein

Das Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise wird immer deutlicher. Heute Morgen wurden mehrere Konjunkturindikatoren für den Monat April veröffentlicht, die dem Goldpreis Auftrieb verliehen, u. a. das Konsumklima für Deutschland, das Geschäftsklima für Frankreich sowie die Vorabschätzungen zu den Einkaufsmanager-Indizes für Deutschland, Frankreich und die Eurozone. 

Alle veröffentlichten Daten erreichten historische Negativrekorde und unterboten die ohnehin niedrigen Erwartungen der Ökonomen. 

Der von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelte Konsumklimaindex brach beispielsweise auf -23 Punkte ein. Die befragten Konsumenten beurteilen sowohl die allgemeine Wirtschaftslage als auch ihre eigene Situation sowie die Perspektiven für die kommenden Monate sehr negativ. 

Der bisher schlechteste Wert zum Konsumklima für Deutschland stammte aus dem April 2003 und betrug -3,5. 

Bedingt durch den Shutdown ist besonders der Dienstleistungssektor stark negativ betroffen. Die vorläufigen Werte des deutschen Einkaufsmanager-Index gingen auf 15,9 zurück. Werte über 50 signalisieren Wachstum, Werte darunter Kontraktion. Der bisher niedrigste Wert stammt hier aus der Finanzkrise vom Februar 2009 mit 41,3 Punkten. 

EZB akzeptiert jetzt auch Schrottanleihen als Sicherheiten

Um den Zusammenbruch des Kreditmarktes und des europäischen Bankensystems zu verhindern, hat die Europäische Zentralbank (EZB) heute Nacht einen weiteren Tabubruch begangen, der ebenfalls zur Nachfragesteigerung bei Gold beitrug. 

Gemäß ihren Statuten darf die EZB als Sicherheiten von Banken gegen die Ausgabe von Notenbankkrediten eigentlich nur Wertpapiere mit guter Bonität akzeptieren. Im Zuge der jüngsten Bazooka in Form von Anleihekäufen in Höhen von 750 Mrd. Euro hatte die EZB diese Regel im Bereich der Staatsanleihen bereits gebrochen, indem sie nun auch Schuldpapiere Griechenlands aufkauft. 

Jetzt will die EZB aber auch Unternehmensanleihen als Sicherheiten von Geschäftsbanken für Kredite akzeptieren, die in der Fachsprache als „Non Investmentgrade“ oder umgangssprachlich als „Schrottanleihen“ bezeichnet werden. Das Ausfallrisiko dieser Anleihen ist deutlich erhöht.

Als Begründung für diesen weiteren Tabubruch gibt die EZB an, dass sie eine Welle an negativen Neubewertungen der Qualität von Unternehmensanleihen erwartet (Downgrades). Damit müsste die Notenbank eigentlich massenhaft Kredite an Geschäftsbanken, die mit diesen Anleihen besichert sind, kündigen. Das wiederum würde das gesamte Finanzsystem durch Kreditmangel gefährden.

Bank of America sieht Goldpreis bei 3.000 US-Dollar pro Unze 

Der jüngste Schub beim Goldpreis begann bereits am Dienstag, als die Bank of America (BofA) eine viel beachtete Analyse zum gelben Edelmetall vorlegte, in der ein erstaunliches Preisziel genannt wird. 

Die nach Bilanzsumme zweitgrößte Bank der USA nach JPMorgan Chase war bislang nicht mit aggressiven Goldpreisprognosen aufgefallen. Doch die extrem laxe Geldpolitik der US-Notenbank (Fed) veranlasste die Analysten der Abteilung Metals Research der Bank zu einer Neubewertung des monetären Edelmetalls. 

Die Analysten hob das Kursziel von durchschnittlich 1.695 US-Dollar pro Unze für dieses Jahr auf bis zu 3.000 US-Dollar pro Unze innerhalb der nächsten 18 Monate an. Als Hauptargument für dieses ambitionierte Kursziel führte der Leiter der Research-Abteilung Michael Widmer folgendes bestechendes Argument an:

„Die Fed kann kein Gold drucken“.

Im Detail erläutert der Bericht der Bank das neue Goldkursziel u. a. folgendermaßen: 

„Da die Wirtschaftsleistung stark schrumpft, die fiskalischen Ausgaben steigen und sich die Bilanzen der Zentralbanken verdoppeln, könnten Fiat-Währungen unter Druck geraten. Die Anleger werden nach Gold greifen“. 
Autor: Hannes Zipfel
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von Commander C | 23.04.2020, 17:53 Antworten

Leider können die Zentralbanken indirekt doch Gold drucken, indem sie Unternehmen finanzieren, die mit Papiergold handeln. Darum habe ich die Gunst der Stunde genutzt und Papiergold liquidiert. Von jetzt an nur noch Hardcore und wenn es wie in der Türkei kommt beantrage ich die Schweizer Staatsbürgerschaft.

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von Aureus | 24.04.2020, 11:58 Antworten

In Papier tauschen ist momentan nicht so klug, selbst bei noch höheren Kursen. Mal sehen, ob es angesichts der größeren Geldmenge zu inflationären Tendenzen kommt oder nicht.

Die Gefahr, die ich sehe, ist, dass der Goldbesitz verboten werden könnte. Historische Beispiele existieren dafür ja.

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