Stand: 06.04.2021 von Hannes Zipfel
Am Dienstag vor den Osterfeiertagen testete der Goldpreis nochmals die seit Ende Mai 2019 etablierte Aufwärtstrendlinie bei 1.678,80 US-Dollar pro Unze. Anschließend vollzog das gelbe Edelmetall eine scharfe Trendwende nach oben und konnte am 1. April (kein Scherz) sogar die erste wichtige Widerstandslinie überwinden.
Goldpreis knackt über Ostern wichtige Chart-Marke

Welche Ereignisse haben in dieser erneut verkürzten Handelswoche Relevanz für die weitere Preisentwicklung des Goldpreises?

Erstes Hoffnungssignal oder Fehlausbruch

Kaum war das Ende des ersten Quartals erreicht, zog der Goldpreis nach dem vorherigen Ausverkauf wieder spürbar an. Es scheint so, als würde sich ein Doppelboden im Chart bilden, getragen von drei sich überlappenden Unterstützungslinien. Aktuell notiert der Goldpreis bei 1.742 US-Dollar pro Unze (Stand: 06.04.2021 16:30).

Goldpreis in US-Dollar p. Unze Chart

Die Stimmung hatte sich zuletzt deutlich gegen den Goldpreis gedreht, was zum einen anhand der wiederholten Ausflüsse aus den Gold-ETFs zu erkennen ist und zum anderen anhand der signifikanten Bereinigung spekulativer Terminkontrakte an der COMEX, die den „COT-Index“ tief in den bullischen Bereich für Gold führten („Buy-Zone“: siehe grüner Pfeil im unteren Chart).

COT-Daten Gold

Renditen sinken wieder leicht

Ein Hauptbelastungsfaktor für den Goldpreis sind die gestiegenen Zinsen am Kapitalmarkt. Auch hier hat sich über Ostern eine leichte Entspannung gezeigt, was mit zu der jüngsten Kurserholung beigetragen haben dürfte:

Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen

Die weitere Entwicklung der Edelmetallpreise wird nun kurzfristig stark von dem Verlauf der dritten Welle der Pandemie, sich anbahnenden geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China bzw. USA und Russland sowie den Konjunkturdaten speziell zur Inflation abhängen (am Freitag).

Wichtige Termine in dieser Woche

Ostermontag 05.04.

In Deutschland standen am Montag feiertagsbedingt keine Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an.

Gestern um 09:00 Uhr MESZ wurde der türkische Verbraucherpreisindex bekannt gegeben. Nach einer Jahresteuerung von 15,6 Prozent im Februar ist die Inflation im März mit 16,19 Prozent nochmals höher ausgefallen als erwartet.

Die Türkische Lira (TRY) verliert weiter an Wert. Aktuell kostet 1 EUR 9,62 TRY. 

Die um 16:00 Uhr MESZ veröffentlichten Daten zum Einkaufsmanager-Index (EMI) für den US-Dienstleistungssektor zeigen eine deutliche Expansion an: nach einem Wert von 55,3 im Februar kam es zu einem kräftigen Anstieg des Index durch gelockerte Pandemie-Einschränkungen und steigende Preise auf 63,7 Indexpunkte im März (Werte über 50 signalisieren Expansion).

Dienstag 06.04.

Bereits um 03:45 MESZ Uhr in der früh wird aus China der Caixin-Einkaufsmanager-Index (gesamt) bekannt gegeben. Mit einem erwarteten Wert von 53,1 soll sich die wirtschaftliche Dynamik in dem auch für die deutsche Exportwirtschaft wichtigen Land wieder beschleunigt haben.

Dies wäre der erste deutliche Anstieg seit November 2020.

Um 17:00 Uhr MESZ beginnt die virtuelle Frühjahrstagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF). Themenschwerpunkte werden die finanzielle Unterstützung für Entwicklungs- und Schwellenländer in der Pandemie sowie das Abwenden einer Währungskrise sein. Die Konferenz dauert bis zum 10. April.

Mittwoch 07.04.

Am Mittwochfrüh um 9:55 Uhr wird die erste Schätzung des deutschen Einkaufsmanagerindex (EMI gesamt) für den Monat April veröffentlicht. Nach einem guten Wert von 56,8 wird ein deutlicher Rückgang auf nur noch 51,6 Indexpunkte erwartet. Hauptverantwortlich dafür sollen Befürchtungen vor einem anstehenden erneuten harten Lockdown sein.

Um 10:00 Uhr folgt der EMI (gesamt) für die Eurozone. Auch hier soll sich das Wirtschaftsklima gegenüber März gemäß der ersten Umfrageergebnisse von 52,5 auf 49,1 und damit in den kontraktiven Bereich verschlechtern.

Am Abend folgt noch um 20:00 Uhr MESZ das Minuten-Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung (Fed Minutes), von dem sich die Marktteilnehmer noch nicht veröffentlichte Diskussionsdetails und aufschlussreiche Einzelmeinungen der stimmberechtigten Gouverneure erhoffen.

Donnerstag 08.04.

Am Donnerstagfrüh um 08:00 Uhr beziffert das Bundesministerium für Wirtschaft den Auftragseingang für die deutsche Industrie im Monat Februar. Nach einem Monatsplus von 1,4 Prozent im Januar wird mit einer leichten Abkühlung der Expansionsdynamik auf +1,2 Prozent gerechnet.

Um 14:30 Uhr MESZ folgen die Daten zu den US-Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung. Diese sollen mit 680k zwar immer noch relativ hoch ausfallen, aber deutlich unter dem Stand der Vorwoche mit noch 719k Erstanträgen liegen.

Am Donnerstagabend gegen 18:00 Uhr MESZ findet noch eine virtuelle Rede des US-Notenbankchefs Jerome Powell statt. Seine Einlassungen haben i. d. R. zumindest kurzfristig starken Einfluss auf die Märkte, v. a. auf die Edelmetallpreise.

Freitag 09.04.

Am Freitagmorgen werden um 8:00 Uhr sowohl die deutschen Im- und Exporte für den Monat Februar von der Bundesbank bekannt gegeben als auch die Zahlen zur deutschen Industrieproduktion für Februar.

Die Industrieproduktion, die im Januar mit einer Monatsrate von 2,5 Prozent schrumpfte, soll im Februar wieder mit 1,5 Prozent gewachsen sein.

Bei den Exporten wird ein leichtes Abflauen in der Monatsveränderung von +1,4 Prozent im Januar auf 1,0 Prozent im Februar erwartet. Die Importe sollen sich hingegen in der gleichen Zeitperiode von -4,7 Prozent auf 2,4 Prozent erholen.

Die wichtigsten Daten der Woche folgen am Freitagnachmittag aus den USA, wo um 14:30 Uhr MESZ der US-Erzeugerpreisindex (Kernrate) veröffentlicht wird. Die Jahresveränderungsrate, die der Konsumententeuerung vorausläuft, soll von 2,5 Prozent im Februar auf 2,7 Prozent im März ansteigen.

Für den US-Erzeugerpreisindex (gesamt) wird sogar mit einer Jahresveränderungsrate in Höhe von 3,8 Prozent gerechnet.

Sollten sich diese Teuerungsschübe wie üblich mit Zeitverzögerung zumindest teilweise auch in den Warenkörben der US-Konsumenten niederschlagen, würde dies erneut ein Absinken der Negativzinsen bedeuten (Zins minus Inflation), was ein positiver Impuls für die Edelmetalle wäre.
Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"