Stand: 15.04.2020 von Hannes Zipfel
Zwei Ereignisse der letzten Tage sorgen für neue Allzeithochs beim Goldpreis in Euro und ein Siebenjahreshoch bei den Notierungen in US-Dollar. 
Goldpreis knackt wichtige Marken – IWF-Prognose schockiert

Am Gründonnerstag verkündete die US-Notenbank (Fed) überraschend ein weiteres Hilfsprogramm über 2,3 Billionen US-Dollar, finanziert aus der digitalen Notenpresse. 

Erstmals in der 106-jährigen Geschichte der Fed vergibt die Notenbank nun direkt Kredite an privatwirtschaftliche Schuldner und kauft entgegen des Notenbankgesetzes von 1913 (Federal Reserve Act) sogar Schuldpapiere minderer Qualität am Sekundärmarkt auf, um diesen Markt vor dem Kollaps zu bewahren. 

Mit dem Erwerb dieser sogenannten „Junk-Bonds“ oder „Schrottanleihen“ bricht die Fed erneut ein Tabu. 

Das schwindende Vertrauen in die Seriosität der Fed und in die Nachhaltigkeit der Geldpolitik der „Währungshüter“ brachte den Goldpreis bereits vor Ostern nahe an die charttechnisch und psychologisch wichtige Marke von 1.700 US$/Unze heran.

Nachdem sich die Marktteilnehmer über die Tragweite dieser gesetzeswidrigen Entscheidung bewusst wurden und zudem bekannt wurde, dass das US-Finanzministerium bei diesem illegalen Vorgehen mit der Notenbank kollaboriert, brachen beim Goldpreis alle Dämme und die Notierungen schossen über die Marke 1.700 US-Dollar hinaus.

Am gestrigen Dienstag zeichnete dann der Internationale Währungsfonds (IWF) ein düsteres Bild von der Weltwirtschaft und schockierte mit seinem „World Economic Outlook“, in dem die Ökonomen des IWF die tiefste Weltrezession seit der großen Depression von 1929 ff. prognostizierten. Die Weltwirtschaft wird demnach in diesem Jahr um real 3 Prozent schrumpfen. 

Zum Vergleich: Zum Höhepunkt der Weltfinanzkrise im Jahr 2009 brach die Weltwirtschaft real um 0,1 Prozent ein. Deutschland muss sich nach Meinung des IWF auf einen Einbruch von 7 Prozent einstellen, die Eurozone auf -7,5 Prozent und die USA auf -5,9 Prozent.

Üblicherweise werden die Wachstumsprojektionen des IWF quartalsweise revidiert – in Rezessionen meistens weiter nach unten.

Es ist nun sehr wahrscheinlich, dass die Corona-Krise noch tiefere Spuren in den privaten und öffentlichen Haushalten sowie den Unternehmensbilanzen hinterlassen wird als bisher vermutet. Dies wird unweigerlich eine noch desperatere Geld- und Fiskalpolitik nach sich ziehen und das Vertrauen in das globale Finanz- und Währungssystem weiter erodieren lassen.

Der Goldpreis in Euro erreichte daher gestern (Stand 14.04.2020) in der Spitze 1.591 EUR/Unze (Allzeithoch Intraday) und notiert aktuell nach leichten Gewinnmitnahmen bei 1.566 EUR/Unze. In US-Dollar hält sich der Goldpreis aktuell mit 1.711 US-Dollar über der runden 1.700er-Marke. 

Der Höchstkurs lag in Dollar gestern bereits bei 1.747,47 US$/Unze. Da genau an diesem Wert eine Widerstandslinie in Form einer aufsteigenden Trendlinie verläuft, war mit einer Verschnaufpause nach dem signifikanten Anstieg zu rechnen. 

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von Peter L Ustig | 16.04.2020, 00:30 Antworten

Ja, Kaufkraftvermehrung der Rücklagen ist was feines !
Gut nur,wenn man nicht darauf zurückgreifen muss und sein Edelmetall als Notgroschen für einen eventuellen EXIT bei Seite liegen lassen kann und zuschaut, wie die Summe des Preises sich von allein nach oben bewegt.

Die MEGA-INFLATION aus den ZWANZIGERN des letzten Jahrhunderts ruft schon "Huhu....ich komme bald wieder zu euch" und viele haben die Zeichen der Zeit/Geschichte noch immer nicht erkannt.
CORONA-ENDE und das was danach kommt, wird einiges der zurückliegenden Geschichte in den Schatten stellen und das GEJAULE zum Standard werden.

Bye-bye KOMFORTZONE der Vergangenheit !!!

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"