Stand: 17.08.2020 von Jörg Bernhard
Trotz diverser Rettungspakete in Billionenhöhe befinden sich die Volkswirtschaften auf rasanter Talfahrt. Die Einbrüche fallen deutlich heftiger als während der Finanzkrise 2008/2009 und sprechen somit mehr denn je für die Krisenwährung Gold.
Goldpreis: Kollabierende Konjunkturdaten verpuffen

Volkswirtschaften im "Corona-Würgegriff"

In der vergangenen Woche meldete Großbritannien für das zweite Quartal einen Konjunktureinbruch in Höhe von 21,7 Prozent p.a. Damit wurden die Horrorzahlen aus Europa (-15,0 Prozent) und Deutschland (-11,7 Prozent) deutlich übertroffen.

Nur zur Erinnerung: Im Krisenjahr 2009 brach die deutsche Wirtschaft um 5,7 Prozent ein und während der Großen Depression kollabierte die Wirtschaftsleistung sogar um 16,4 Prozent (1931) bzw. 17,6 Prozent (1932). Sollten das dritte und vierte Quartal nicht deutlich besser ausfallen, droht den Deutschen ein extrem mageres Jahr. Der Internationale Währungsfonds ist seit dem Jahreswechsel vor allem durch seine nach unten revidierten BIP-Prognosen aufgefallen.

Für Deutschland liegt die aktuelle Schätzung aktuell bei minus 7,0 Prozent. Noch düsterer sehen unter den großen Industrieländern die Prognosen lediglich für Frankreich (-7,2 Prozent), Italien (-9,1 Prozent), Niederlande (-7,5 Prozent) und Neuseeland (-7,2 Prozent) aus.

Weltweit soll sich das Minus im Jahr 2020 auf 3,0 Prozent belaufen. In der unten aufgeführten Tabelle finden Sie die aktuellen IWF-Prognosen für diverse Volkswirtschaften, die aufgrund der Pandemie allerdings mit einem hohen Maß an Unsicherheit behaftet sind.

Weitere Schätzungen für andere Länder und eine Weltkarte, in der die Länder mit sinkendem BIP rot gekennzeichnet sind, kann auf imf.org abgerufen werden.

IWF-Konjunkturprognosen für 2020

Land BIP
Griechenland -10,0%
Italien -9,1%
Spanien -8,0%
Portugal -8,0%
Niederlande -7,5%
Frankreich -7,2%
Neuseeland -7,2%
Deutschland -7,0%
Belgien -6,9%
Schweden -6,8%
Australien -6,7%
Mexiko -6,6%
Dänemark -6,5%
Großbritannien -6,5%
Norwegen -6,3%
Kanada -6,2%
Schweiz -6,0%
USA -5,9%
Südafrika -5,8%
Brasilien -5,3%
Japan -5,2%
Türkei -5,0%
Singapur -3,5%
Saudi-Arabien -2,3%
Südkorea -1,2%
Indonesien 0,5%
China 1,2%
Indien 1,9%
Quelle: IWF (Stand: August 2020)
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Konsequenzen für den Goldpreis?

Eine schwache Weltkonjunktur muss sich aus folgenden Gründen nicht zwangsläufig positiv auf den Goldpreis auswirken. Die globale Schmucknachfrage hängt bspw. in hohem Maße von der Kaufkraft asiatischer Konsumenten ab. Sollten dort die verfügbaren Einkommen rezessionsbedingt sinken, dürfte die Nachfrage aus diesem Sektor weiter bergab tendieren.

Nur zur Erinnerung: Allein im zweiten Quartal 2020 brach das Interesse in den beiden goldhungrigsten Nationen Indien und China auf 44,0 Tonnen (-74,0 Prozent p.a.) bzw. 90,9 Tonnen (-33,0 Prozent p.a.) ein. Dies lag einerseits am hohen Goldpreis und andererseits an den corona-bedingten Restriktionen sowie den eingetrübten Konjunkturperspektiven.

Unter Investoren fungiert ein steigender Goldpreis selten als "Bremsklotz", sondern häufig sogar als "Katalysator", weil dadurch noch mehr Aufmerksamkeit und Kaufinteresse generiert wird. Trotz der jüngsten Rally dürfte das gelbe Edelmetall in vielen Portfolios weiterhin unterrepräsentiert sein. Sollte eine "echte" Flucht aus Aktien und/oder Staatsanleihen in den sicheren Hafen Gold erfolgen, könnte dies den Goldpreis in deutlich höhere Regionen katapultieren.

Nur zum Vergleich: Während das Technologieunternehmen Apple auf einen Marktwert von fast zwei Billionen Dollar kommt, bringt der weltgrößte Gold-ETF SPDR Gold Shares lediglich 78 Milliarden Dollar auf die Waage. Sollte sich der Trend "Raus aus Aktien, rein in Gold" weltweit abzeichnen, dürfte dies Preisturbulenzen, explodierende Aufgelder und Lieferprobleme und ähnliche (oder schlimmere) Verhältnisse wie im März nach sich ziehen.

Ausblick für die laufende Woche

In der vergangenen Woche machte Fed-Notenbanker Eric Rosengren von der Boston Fed Investoren wenig Hoffnung auf eine Erholung der US-Wirtschaft. Er rechne mit einer anhaltenden Abkühlung der wirtschaftlichen Aktivitäten. An den Aktienmärkten scheint dies angesichts neuer Rekordhochs bei US-Technologieaktien aber kaum zu interessieren.

Am Mittwoch dürfte daher die Finanzwelt auf das Fed-Protokoll der jüngsten Notenbanksitzung gespannt sein. Wie es um die Stimmung unter den US-Notenbankern vor zwei Wochen bestellt war, könnte den Finanzmärkten je nach Tenor neue Impulse zu verleihen. Derzeit glauben Börsianer offenbar an das altbewährte Rezept der Zentralbanken, über niedrige Zinsen und riesige Kaufprogramme die wenig gesund erscheinenden Finanzsysteme zu kurieren.

Wer darauf wetten möchte, dass die ultralockere Geldpolitik funktionieren wird, kauft Aktien. Wer sich vor potenziellen Komplikationen oder negativen Nebenwirkungen schützen möchte, vertraut eher auf den altbewährten Krisenschutz Gold.

Fazit: Darauf völlig verzichten sollte in Zeiten wie diesen niemand.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von GoldJammer | 17.08.2020, 19:39 Antworten

Hallo Ihr Lieben,

7 % für Deutschland, im Lebtag nicht, wie man so sagt. 14 % entspricht der Realität, dies können Sie alles selber nachprüfen und glaube Sie mir nicht! Ich frage mich immer noch wer letztes Jahr für 2021 auf Gold 4.000 USD gewettet hat. 4.000 USD ist viel zu wenig. Bis Ende 2021 oder mitte 2022 werden wir locker bei 15.000 USD liegen.

3 Antworten an GoldJammer anzeigen
von Silverbullet | 21.08.2020, 18:09 Antworten

Fallender Goldpreis durch sinken der globale Schmucknachfrage?
Bei der geringen weltweit verfügbaren Menge (ca. 1oz je Weltbürger) und dem großen Anteil als Wertanlage eigelagerten Goldes, gehen die Preisschwankungen durch globale Schmucknachfrage allein in den täglichen Preisänderungen beim Anlagegold völlig unter. Mangelnde Nachfrage beim Goldschmuck kann sich unter diesen Verhältnissen kaum negativ auf den Goldpreis auswirken. Außer Spekulanten hat auch niemand wirklich ein Interesse an einem fallenden Goldpreis. Alle die weltweit was zu sagen haben, haben auch "Gold im Keller"

von Schlaubi | 21.08.2020, 19:26 Antworten

Die Besonderheiten des Goldes haben auf seinen Preis oft mehr Einfluss als die Weltkonjunktur.
Die Kosten einer Wertanlage sind eigentlich nur die Differenz zwischen verbindlichen Kauf- und Verkaufspreis. Das waren heute bei Gold lächerliche 2,2%, also 33,00Euro bei 1oz Barren mit Zertifikat. Für manche mag das seltsam klingen aber es gibt, außerhalb des Spekulationshandels, keine billigere Anlage als Gold. Und das alles ohne Mehrwertsteuer! Dagegen ist Silber (ca. 28%) oder gar Platin (ca. 35%) der reinste Luxus.

von Logibär | 21.08.2020, 09:23 Antworten

Gold war über Jahrhunderte erstaunlich Wertstabil. Aber unser Jahrzehnt scheint alle Rekorde brechen zu wollen. Trotz des höchsten Aufwands (Förderkosten 900$ für 1oz) bei der weltweiten Goldförderung, stagniert seit 2019 die Fördermenge. Die Nachfrage steigt aber gewaltig. Für einen Rohstoff ist die Marge von 50% ohnehin lächerlich gering. Bei einem zu erwartenden Anstieg der Förderkosten auf 2000$ ist eigentlich ein Goldpreis von weit über 5000$ zu erwarten. Der Druck auf den Goldpreis von allen Seiten muss kurzfristig zu einer Preisexplosion führen. Das leichte Zucken im Goldpreis dieses Jahr war noch nicht die große Korrektur, die alle erwarten.

von Timebandit | 20.08.2020, 18:35 Antworten

Gold ist das eine, Geld etwas ganz anderes. Natürlich kann durch die praktisch schon wirkende Inflation der Goldpreis durch jede Decke gehen. Das erstaunliche ist aber, heute hat Gold ungefähr die gleiche Kaufkraft in Lebensmitteln wie zur Römerzeit. Ist doch bemerkenswert, oder?

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