Stand: 16.02.2016 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

In der abgelaufenen Handelswoche war erneut eine Kapitalflucht in Richtung Gold registriert worden. Aus charttechnischer Sicht führte dies zu einem klaren Ausbruch aus dem Abwärtstrend und dem höchsten Stand seit über zwölf Monaten. Zum Wochenstart ist der Glanz aufgrund einer technischen Korrektur aber wieder ein bisschen verblasst.

Indien: Rabatte auf Rekordniveau

Der Aufwärtsdrang des Goldpreises geriet in der vergangenen Woche erst am Freitag ins Stocken. Hierfür gab es mehrere Gründe. Erstens: An den internationalen Aktienmärkten hat der Verkaufsdruck nachgelassen und somit die Fluchtbewegung in den sicheren Hafen Gold abklingen lassen. Zweitens: Unter den Indern hat nach der jüngsten Kursrallye die Lust auf Gold einen Dämpfer erhalten. Dies ließ sich unter anderem an den rekordhohen Abschlägen von bis zu 25 Dollar pro Feinunze gegenüber den in London gemachten Referenzpreisen ablesen. Drittens: Die feiertagsbedingte Abstinenz der chinesischen Marktakteure machte sich in der zweiten Wochenhälfte ebenfalls negativ bemerkbar. Man darf daher gespannt sein, ob sie nach der Rückkehr aus dem Urlaub - wie am Montag zu beobachten war - weiter auf der Verkäuferseite stehen werden.

World Gold Council mit Jahreszahlen für 2015

Am Donnerstag veröffentlichte der World Gold Council (WCC), der Branchenverband der Goldminenindustrie, Jahreszahlen bezüglich Angebot und Nachfrage bei Gold. Dabei gab es einige interessante Erkenntnisse. So hat sich zum Beispiel im Gleichschritt zum nachgebenden Goldpreis das Angebot an Gold auf Jahressicht von 4.413,90 auf 4.258,30 Tonnen (-3,5 Prozent) reduziert. Bereinigt um Absicherungstransaktionen nahm das Angebot aus Goldminen (Primärproduktion) von 3.244,10 auf 3.165,40 Tonnen (-2,4 Prozent) ab, während beim Recycling von Altgold (Sekundärproduktion) ein Rückgang von 1.169,70 auf 1.092,80 Tonnen (-6,6 Prozent) registriert worden war.

Leicht bergab ging es im Jahr 2015 mit der globalen Goldnachfrage, wo laut World Gold Council ein marginales Minus von 4.226,40 auf 4.212,20 Tonnen (-0,3 Prozent) zu Buche schlug. Die unterschiedlichen Marktsegmente wiesen aber keine einheitliche Tendenz aus. Negative Vorzeichen gab es bei der industriellen und der Schmucknachfrage zu vermelden. Im Industriebereich war ein Rückgang von 346,40 auf 330,70 Tonnen (-4,5 Prozent) zu beobachten, während bei Goldschmuck das Interesse ebenfalls nachgelassen hat. In dem wichtigsten Anwendungsgebiet von Gold war ein Minus von 2.480,80 auf 2.414,90 Tonnen (-2,7 Prozent) zu beklagen. Als Stütze für den Goldpreis erwiesen sich hingegen die Investmentnachfrage, also der Handel von Goldmünzen und Goldbarren, sowie das Geschäft mit ETFs. So kletterte die Nachfrage bei geprägtem bzw. gegossenem Gold auf Jahressicht von 1.000,50 auf 1.011,70 Tonnen (+1,1 Prozent) und die ETF-Abflüsse beruhigten sich von 185,1 auf 133,4 Tonnen. Unvermindert hoch fiel das Interesse der Notenbanken aus, die ihre Goldreserven netto von 583,9 Tonnen auf 588,4 Tonnen aufgestockt haben (siehe Grafik).



Bye bye Notenbankvertrauen

In den vergangenen Monaten deutete einiges darauf hin, dass das Vertrauen in die Notenbanken und damit auch in die Stabilität des globalen Finanzsystems mehr und mehr schwindet. Die starke Performance des Goldpreises ist nur ein Indiz, dass den Finanzmärkten 2016 stürmische Zeiten bevorstehen könnten. Dass der DAX innerhalb von sechs Wochen 16,5 Prozent verloren hat, sagt schon einiges über die labile Lage an den deutschen Aktienmärkten aus. Richtig mulmig wird vielen Investoren aber, wenn man berücksichtigt, dass die beiden DAX-Banken Commerzbank und Deutsche Bank im selben Zeitraum mit Verlusten in Höhe von 34 bzw. 21 Prozent besonders heftig "zur Ader gelassen" wurden. Wer hätte noch vor Monaten etwa gedacht, dass die Deutsche Bank - so wie am 8. Februar geschehen - im Rahmen einer Ad-hoc-Meldung mitteilt, dass man am 30. April 2016 fällige Zinskupons im Volumen von 350 Millionen Euro bedienen könne. Was ist bloß aus dem in früheren Zeiten über jeden Zweifel erhabenen Branchenprimus der deutschen Bankenlandschaft geworden? Auf dem diesjährigen Wirtschaftsgipfel in Davos meinte Deutsche-Bank-Chef John Cryan, dass Bargeld in zehn Jahren wahrscheinlich nicht mehr existieren werde - eine gewagte These. Ebenso gewagt wie die These, dass der Slogan "Passion to perform" zu Deutschlands größter Bank passt, schließlich hat die Aktie der Deutschen Bank in den vergangenen zehn Jahren in der Spitze über 87 Prozent an Wert verloren.

Ausblick für die laufende Woche

Die neue Handelswoche dürfte an den Goldmärkten weiterhin spannend bleiben. So darf man gespannt sein, wie sich das Comeback chinesischer Marktakteure aus dem Urlaub auf den Goldpreis auswirken wird. Befinden sich die traditionell goldhungrigen Chinesen in Katerlaune oder eher in Kauflaune? Das 2016 zu beobachtende Comeback des Goldpreises kann sich indes sehen lassen, schließlich legte die Krisenwährung seit dem Jahreswechsel auf Dollarbasis um 16,4 Prozent und in Euro gerechnet immerhin um 12,6 Prozent zu. Das Thema "Notenbanken" dürfte an den Goldmärkten in dieser Woche ebenfalls für ein hohes Maß an Aufmerksamkeit sorgen. Am Mittwoch bzw. Donnerstag stehen nämlich die Notenbankprotokolle von Fed und EZB auf der Agenda.

Goldpreis: Korrektur nach Zwölfmonatshoch
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [1]
  • von Stefan | 16.02.2016, 12:43 Antworten

    Gold hat in den letzten Tagen eine beispiellose Performance an der Börse hingelegt. Ich möchte jedoch zu bedenken geben, sobald sich der Aktienmarkt wieder in den Köpfen der Leute stabilisiert hat, wird wieder viel Geld in Wertpapiere umgeschichtet. Wenn dann der Goldpreis wieder etwas in seinen alten Abwärtstrendkanal hinein reicht, könnte dieses Signal Charttechnisch eine unglaubliche Abwärtsdynamik entwickeln und den Goldpreis wieder nach unten reißen.

    Bitte Augen auf beim Eierkauf! In den letzten Jahren hat sich ein Abwärtstrend Etabliert, der ohne Bodenbildung nach oben ausgebrochen ist. Ein erneutes Testen der letzten Tiefs kommt früher oder später wieder. Bitte nicht vergessen der Goldpreis wird an der Börse in USD gehandelt, daher müssen wir Europäer auch das Verhältnis von EUR zu USD mit beachten.

    Viele Grüße

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