Stand: 11.07.2017 von Jörg Bernhard 3 Kommentare

Deutlich gestiegene Renditen an den Bondmärkten haben Goldinvestoren in der vergangenen Woche erheblich verunsichert und dem Goldpreis ein Minus in Höhe von 2,8 Prozent eingebrockt. Aus charttechnischer Sicht hat sich damit die Lage erheblich eingetrübt.

Nach Verkaufswelle wieder Luft nach oben?

Dass der Goldpreis nicht durch den Handel von Barren und Münzen oder den Bedarf im Schmucksektor maßgeblich beeinflusst wird, sollte mittlerweile jedem Goldanleger klar sein. Preistrends für das gelbe Edelmetall werden vor allem an den Terminbörsen generiert, wo das ganz große Rad gedreht wird.

Nur zur Erinnerung: An der Commodity Exchange (Comex), der wichtigsten Börse für Futures und Optionen auf Gold, repräsentiert ein Kontrakt den Gegenwert von 100 Feinunzen Gold.

Als Sicherheitsleistung (Margin) muss man pro Kontrakt aktuell 3.950 Dollar hinterlegen. Nach der Eröffnung einer Long-Position (Short-Position) würde ein nachfolgender Goldpreisanstieg um zehn Dollar zu Buchgewinnen (Buchverlusten) in Höhe von 1.000 Dollar führen.

Das heißt: Läuft der Goldpreis um 39,50 Dollar in die „falsche“ Richtung, würde sich der Wetteinsatz (ohne Berücksichtigung von Broker-Gebühren) komplett in Luft auflösen.

Wie sich an der Commodity Exchange auf Wochensicht die Positionen der wichtigsten Marktakteure verschoben haben, erfährt die Finanzwelt einmal pro Woche über den sogenannten Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC).

In den vergangenen vier Wochen gab es hier besonders heftige Verwerfungen zu beobachten - vor allem unter großen Terminspekulanten (Non-Commercials). Diese haben nämlich seit dem 6. Juni ihre Netto-Long-Position (mehrheitlich optimistisch gestimmt) vom Jahreshoch bei 204.500 auf 93.800 Kontrakte (-54,1 Prozent) massiv zurückgefahren.

Goldpreis von Juli 2016 - 2017 1 Jahr in US-Dollar

Kräftig nachgelassen hat in diesem Zeitraum aber auch das allgemeine Interesse an Gold-Futures, welches sich an der Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) ablesen lässt. Diese hat sich nämlich vom Jahreshoch bei 494.000 auf 457.200 Futures (-8,3 Prozent) reduziert.

Realistische Chance auf Rebound

Einen ähnlichen „Aderlass“ hat es von Mitte April bis Mitte Mai unter den Großspekulanten schon einmal gegeben. Damals erodierte deren Optimismus um fast 74.000 Kontrakte. Besonders interessant: Danach setzte ein markanter Rebound ein, der den Krisenschutz über die 200-Tage-Linie hievte und einen Angriff auf das Jahreshoch von fast 1.300 Dollar auslöste.

In den vergangenen Jahren gab es nach solch massiven Sell-Offs (siehe Chart) häufig heftige Erholungsrallys zu beobachten. Diese erwiesen sich allerdings des Öfteren als „Strohfeuer“.

Krisenschutz über Gold-Futures zu betreiben, kann man aber fast schon als fahrlässig bezeichnen. Das viele Gold, das an den Terminmärkten allenfalls auf dem Papier hin- und hergeschoben wird, ist nämlich nur zu einem geringen Teil physisch hinterlegt worden.

Aktuelle Daten von der Website der Terminbörse weisen derzeit einen registrierten Bestand von lediglich 827.100 Feinunzen Gold (Stand: 6. Juli) aus. Damit fällt der auf Basis des Open Interest ermittelte Goldberg mit über 45,7 Millionen Feinunzen um den Faktor 64,9 höher aus. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies, dass das vorhandene Gold schlicht und einfach gar nicht vorhanden ist.

Ausblick für die laufende Woche

us Inflationsrate Stand Mai 2017

Nachdem in der vergangenen Woche die Entwicklung des US-Arbeitsmarktes mit Argusaugen verfolgt wurde, könnten in der kommenden Woche diverse Updates zur Inflation für Aufregung sorgen. Mitte Juni forderte zum Beispiel der Internationale Währungsfonds (IWF), dass Länder wie Deutschland Inflationsraten von über zwei Prozent hinnehmen sollten.

Da der IWF zugleich die Notenbanken mit Blick auf die angestrebte Zinswende zur Vorsicht mahnt, dürften deutsche Sparer weiterhin zu den Hauptverlierern der EZB-Geldpolitik gehören. Zum Wochenauftakt meldete China einen Anstieg der Produzentenpreise um 5,5 Prozent p.a. (Mai: 5,5 Prozent) sowie eine Inflationsrate in Höhe von 1,5 Prozent p.a. (Mai: 1,5 Prozent). Am Donnerstag erfahren wir, wie sich die deutsche Inflation im Juni entwickelt hat. Am Freitag folgt dann noch die US-Inflationsrate für den Monat Juni. Laut einer Bloomberg-Umfrage unter Analysten soll diese bei 1,7 Prozent p.a. liegen.

Goldpreis leidet unter turbulenten Terminmärkten
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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Kommentare [3]
  • von Goldmann | 12.07.2017, 06:29 Antworten

    Deutsche vererben bis zu 400 Milliarden Euro pro Jahr....da wird auch in Gold investiert.
    Das ständige gegensteuern geht nicht auf ewig.
    Nur keine Überhitzung wie am Aktienmarkt. Die Mühlen am Edelmetallmarkt mahlen langsam.

  • von Hehiwat | 17.07.2017, 15:11 Antworten

    Meine ganz persönlich Meinung dazu: Dieser von mir als Betrügereien angesehene "Handel" ist nur mittels wertloser und in beliebiger Höhe ausstellbarer Papieversprechungen möglich. "Im Elektrogeschäft steht ein einziger Staubsauger zum Verkauf, - Dieser aber wird an eintausend Kunden verkauft, davon 999 mal auf Papier! Alles normal? Der faire "Markt" ist längst aufgelöst und alle ehrlichen Händler vom Marktplatz vertrieben. Gewinnmaximierung zum eigenen Vorteil um jeden Preis und in jeder Disziplin - ist die Devise!
    Kennt Jemand noch den Begriff des "ehrbaren Kaufmannes"?
    Jeder weiss es, aber Niemand traut sich, diesem fragwürdigen Treiben ein Ende zu bereiten.
    Wie schrieb neulich ein seriöser Edelmetallhändler in seinem Infoblatt: " Es ist schon sehr praktisch, wenn man seinen eigenen Goldpreis bestimmen kann ". Ob Finanz-, Rohstoffmarkt - nicht ist mehr sicher vor diesen so genannten "Global Playern". Jahrtausende alte, ehrliche Werte haben in Zeiten einer von einigen Wenigen, die das große Rad drehen bestimmten Zeit, keine Chance mehr! Und vormals seriöse Landesbanken zocken offenbar ganz vorne mit. Mein Vertrauen in diese ganze Aktien-, Finanz- und Brokerwelt ist unwiederbringlich erschüttert. Jahrtausende-alte Werte wie Gold und Silber werden sich nicht zugunsten des Papiergeldes "verbiegen" lassen. Das hat bisher nie geklappt! Hoffentlich wird die Geschichte das Alles einmal richten. Ob ich das nach 43 Berufsjahren ehrlicher Arbeit noch erlebe glaube ich allerding nicht. Ich höre noch meine 90 jährige Großmutter singen: " Üb´immer treu und Redlichkeit bis an Dein kühles Grab "! - Altmodisch, oder?! Ich entschuldige mich für meine kritisch-altmodische Argumentation und Danke für Ihre Aufmerksamkeit meiner ganz persönlichen Betrachtung. Viele Grüße an Alle die noch an Gold und Silber glauben und bei der Verteufelung dessen nicht mitmachen. Lassen Sie sich nicht vom Weg abbringen, - es kommt eine Zeit...

    • von frank | 25.07.2017, 13:56 Antworten

      ganz meine meinung:-)

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