Stand: 20.04.2015 von Jörg Bernhard 3 Kommentare

Trotz turbulenter Aktienmärkte und trotz der drohenden Staatspleite Griechenlands kam das gelbe Edelmetall auf Wochensicht kaum voran und tendierte seitwärts. Dabei scheint die Marke von 1.200 Dollar eine magnetische Wirkung zu entfalten.

Patt-Situation an den Goldmärkten

Beim Goldpreis scheint das Kräfteverhältnis zwischen Bullen und Bären derzeit relativ ausgeglichen zu sein. Die Angst vor steigenden US-Zinsen bremst den Aufwärtsdrang des gelben Edelmetalls nach wie vor.

Gegen ein baldiges signifikantes Anheben der Zinsen sprechen allerdings mehrere Faktoren. So dürfte ein allzu kräftiges Drehen an der Zinsschraube aufgrund des enormen Schuldenbergs selbst den USA erhebliche Refinanzierungsprobleme bereiten. Die extrem vorsichtige und zurückhaltende Kommunikationsstrategie der Fed zeigt auf, dass die US-Notenbanker daran wohl kein Interesse haben. Da einige US-Konjunkturindikatoren mittlerweile auf eine nachlassende Wachstumsdynamik hindeuten, dürfte unter den Fed-Verantwortlichen der Wunsch nach einer restriktiven Geldpolitik erheblich nachgelassen haben.

In Japan und Europa war dies in den vergangenen Monaten ohnehin kein Thema. Mit Argusaugen werden die Akteure an den Energiemärkten daher weiterhin den Dollar und die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft beobachten.

Bank of America-Analysten machen Hoffnung

In der Vergangenheit sorgten Banken mit ihren Goldpreisanalysen eher selten für gute Laune. Die in der US-Regierung besonders gut verdrahtete US-Investmentbank Goldman Sachs propagiert bereits seit Längerem einen Kursrückschlag in Richtung 1.000 Dollar - bislang ohne Erfolg.

Man muss sicherlich keine Finanzmarkt-Koryphäe sein, um zu wissen, dass die Banker in einem funktionierenden Finanzsystem mit haussierenden Aktien-, Renten- und Immobilienmärkten besonders gute Geschäfte machen und daher an einer Fluchtbewegung in Sachwerte wie Gold und Silber kaum interessiert sind.

Den besten Beweis lieferten die Banker am vergangenen Donnerstag. Gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode kletterte bei Goldman Sachs der Gewinn pro Aktie um 47,8 Prozent von 4,02 auf 5,94 Dollar und die Quartalsdividende wurde dank der boomenden Handelsaktivitäten von 0,60 auf 0,65 Dollar angehoben.

Dass man gegenüber Gold aber nicht gänzlich abgeneigt ist, zeigt ein Blick in die Besitzverhältnisse des weltgrößten Gold-ETFs SPDR Gold Shares. Auf Basis der Marktdaten von Ende Dezember wird Goldman Sachs als neuntgrößter Einzelinvestor ausgewiesen. Besonders pikant: Auf Sicht von drei Monaten haben die "Goldmänner" ihr diesbezügliches Gold-Exposure von lediglich 481.000 auf 1,25 Millionen Anteile (+160 Prozent) ausgebaut. So richtig passt das nicht zur in der Öffentlichkeit kommunizierten Einschätzung gegenüber dem gelben Edelmetall.

Beim viertgrößten Anteilseigner des SPDR Gold Shares, der Bank of America, war in den drei Monaten zum Jahresultimo hingegen ein massiver Positionsabbau von 5,5 Millionen auf 2,9 Millionen Anteile (-47 Prozent) gemeldet worden. In der vergangenen Woche hörte man von den Analysten von Bank of America / Merrill Lynch jedoch ungewöhnlich positive Statements zu Gold. So machte man den Goldinvestoren Hoffnung, dass das Schlimmste überstanden sei und das gelbe Edelmetall bis 2017 wieder auf 1.500 Dollar ansteigen könnte. Überbewertungen attestierten die US-Kapitalmarktexperten indes den Aktien- und Rentenmärkten.

Grundsätzlich kann in der Analystenzunft von überschwänglichem Goldoptimismus derzeit nicht gesprochen werden. Der Durchschnittswert sämtlicher von Bloomberg erfassten Goldpreisprognosen für 2015 liegt mit 1.215 Dollar (siehe Grafik) nur unwesentlich über dem aktuellen Goldpreisniveau. Und selbst mit Blick auf 2018 und einem durchschnittlichen Erwartungswert von 1.260 Dollar scheint eine Goldgräberstimmung noch meilenweit entfernt zu sein.


Spekulanten schalten einen Gang zurück

An den Terminmärkten hat unter den spekulativen Marktakteuren in der Woche zum 14. April der Optimismus leicht nachgelassen. Nachdem sich die kumulierte Netto-Long-Position (optimistische Markterwartung) großer und kleiner Spekulanten vom 24. März bis 7. April glattweg verdoppelt hatte, schalteten die Terminspekulanten danach einen Gang zurück.

Laut aktuellem Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde CFTD, der einmal pro Woche die eingegangenen Long- und Short-Positionen der unterschiedlichen Marktakteure aufzeigt, nahm der Optimismus der Spekulanten in der Woche zum 14. April von 108.289 auf 103.593 Kontrakte (-4,3 Prozent) ab.

Bei den Kleinspekulanten (Non-Reportables) fiel die wachsende Skepsis im Zuge einer von 7.532 auf 5.196 Futures (-31,0 Prozent) um einiges markanter aus als bei den Großspekulanten (Non-Commercials). Deren Netto-Long-Position ermäßigte sich lediglich um 2,3 Prozent von 100.757 auf 98.397 Kontrakte.

Angesichts der vorherigen massiven Verschiebungen der Long-Positionen nach oben und der Short-Positionen nach unten kann man die jüngste Entwicklung zweifellos unter dem Punkt "Normalisierung" abhaken.

Goldpreis: Magnetwirkung bei 1.200 Dollar
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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Kommentare [3]
  • von martin | 22.04.2015, 16:37 Antworten

    Der Fixingbetrug geht weiter!Hat die bankenaufsicht keineHandhabe gegen

    diese Verbrecher,oder stecken sie mit ihnen unter einer Decke.

  • von esa Obama | 29.04.2015, 17:23 Antworten

    Heute 29.04.15 werden die Anleger wieder von der U S A Bank Mafia

    betrogen ! ! ! SIE brauchen wieder ein 9/01

  • von abdullah | 06.05.2015, 17:10 Antworten

    Wie kann man jetzt schon solche vorhersagen machem.. Oder ist das Fixing ein Wunschkonzert der beteiligten Banken?Sie manipulieren den
    Preis dahin wo er Ihnen am meisten Profit bringt.was will unsere Regierung mit der Banken aufsicht.Macht diesen Banken die Bude ZU!man kann
    sie auch in die Luftsprengen s.h - 11.09 /01

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