Stand: 12.09.2017 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Goldpreis: Massive ETF-Zuflüsse in Nordamerika

Im August war Gold sowohl an der Terminbörse Commodity Exchange als auch im ETF-Sektor schwer gefragt. Ein aktuelles Update des World Gold Council liefert hierfür den besten Beweis.

Gold-ETFs: Gefragt in Europa und Nordamerika

Am vergangenen Mittwoch veröffentlichte der Branchen zusammenschluss wichtiger Goldminenunternehmen World Gold Council eine ausgesprochen interessante Statistik über die globalen Kapitalzuflüsse bei Gold-ETFs für den Monat August.

Dieser lässt vor allem einen Schluss zu: In Nordamerika scheint der „Aderlass“ bei physisch besicherten Goldprodukten gestoppt zu sein.

Für Nordamerika wurden nämlich für August Zuflüsse in Höhe von 27,8 Tonnen gemeldet (siehe Tabelle), wodurch sich die insgesamt von ETFs gehaltene Goldmenge um 2,6 Prozent auf 1.197,9 Tonnen erhöht hat.

Globale Entwicklung im ETF-Sektor

Goldbestände (Tonnen) Diff. ggü. Vormonat (Tonnen) Diff. Jan. bis Aug. (Tonnen)
Nordamerika 1.197,90 27,80 22,3
Europa 978,1 6,40 130,5
Asien 74,5 -2,4 -10,4
Sonstige 44,9 -0,5 1,1
insgesamt 2.295,40 31,4 143,5

Stand: 31.08.2017, Quelle: World Gold Council


In Europa fiel das Interesse an ETF-Zuflüssen von 6,4 Tonnen erheblich geringer aus. In dieser Region werden derzeit 978,1 Tonnen Gold in solchen Finanzprodukten gehalten. Überraschenderweise spielt Asien in diesem Marktsegment lediglich eine Nebenrolle. Im August gab es bei asiatischen Gold-ETFs Abflüsse in Höhe von 2,4 auf 74,5 Tonnen zu melden.

Noch interessantere Erkenntnisse liefert Goldinteressierten aber vor allem die seit dem Jahreswechsel zu beobachtende Marktentwicklung.

Hier wurden nämlich für Nordamerika lediglich Zuflüsse in Höhe von 22,3 Tonnen registriert, während europäische ETFs im selben Zeitraum eine um ein Vielfaches höhere Gewichtszunahme von 130,5 Tonnen erzielt haben.

Auch hier fiel die Region Asien tendenziell negativ auf, schließlich gab es dort für die ersten acht Monate einen kräftigen Rückgang um 10,4 auf 74,5 Tonnen zu beklagen. Dieses Minus mag angesichts der stark ausgeprägten Vorliebe asiatischer Anleger für Investments in Gold schwer nachvollziehbar sein.

Auf lange Sicht dürfte der Goldappetit der Chinesen aber eher zu- als abnehmen. Weil die chinesische Regierung ihre Abhängigkeit vom Dollar reduzieren möchte, plant sie Medienberichten zufolge, den Handel mit Rohöl auf die Landeswährung Yuan umzustellen.

Dabei soll es Anleger erlaubt werden, die in der Landeswährung Yuan gehandelten neuen Terminkontrakte an den Goldbörsen in Schanghai und Hongkong in physisches Gold einzutauschen. Dies dürfte das Ansehen von Gold als alternative Währung weiter stärken.

Schwächeperiode offensichtlich überstanden

Auch auf lange Sicht verdichten sich im ETF-Sektor die Hinweise auf einen Trendwechsel. In den Jahren 2013 (minus 918 Tonnen), 2014 (minus 185 Tonnen) und 2015 (minus 137 Tonnen) gab es nämlich per Saldo mitunter kräftige Abflüsse zu verkraften.

2016 gelang dann mit kräftigen Zuflüssen in Höhe von 522 Tonnen ein eindrucksvoller Turnaround. Für die ersten acht Monate des laufenden Jahres beläuft sich dieser Wert auf immerhin 169 Tonnen.

Deutlich nach oben gedreht hat damit auch die von Gold-ETFs gemanagte Goldmenge. Nach einem im Jahr 2012 erzielten Rekordwert von 2.667 Tonnen rutschte dieser Betrag im Tief auf 1.717 Tonnen (2013) ab und erholte sich bis Ende August wieder auf 2.239 Tonnen. Damit sollte das Schlimmste überstanden sein, schließlich dürften die ungelösten geopolitischen Risiken und die globale Schuldenexplosion verhindern, dass der seit Jahrtausenden bewährte Krisenschutz Gold zum Auslaufmodell mutiert.

Noch mehr Infos finden Sie hier.

Ausblick für die laufende Woche

Am vergangenen Freitag kletterte der Goldpreis auf das höchste Niveau seit fast 13 Monaten. Getragen von nachlassenden Zinssorgen in den USA und Europa beurteilte man an den Goldmärkten, vor allem die niedrigen Opportunitätskosten positiv.

Analysten von Goldman Sachs stuften aber vor allem die Politik von US-Präsident Donald Trump als Hauptgrund für die jüngste Goldrally ein. Das politische Chaos in den USA entwickelt sich mehr und mehr zu einem Dauerzustand und hat dem Dollarindex in diesem Jahr ein Minus von über zehn Prozent eingebrockt.

Dieser Vertrauensverlust der Weltleitwährung bescherte der Fluchtwährung Gold ein starkes Comeback. Im Zuge der seit Anfang Juli zu beobachtenden Goldpreisrally um über 120 Dollar wird die charttechnische Luft nun aber zusehends dünner.

Zum einen wartet im Bereich von 1.360 Dollar eine massive Widerstandszone und zum anderen generierte der Timingindikator Relative-Stärke-Index mit dem Unterschreiten der Marke von 70 Prozent in der neuen Handelswoche ein klares Verkaufssignal.

Gold: ETF-Zuflüsse in Nordamerika
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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