Stand: 07.07.2020 von Jörg Bernhard
Der Krisenschutz Gold bleibt auch in diesem Jahr stark gefragt. Nachdem er sich 2019 um 18 Prozent verteuert hatte, erzielte er im ersten Halbjahr 2020 ein Plus von über 17 Prozent. Das Motto lautet: Glanz durch Substanz.
Goldpreis mit glänzender Halbjahresbilanz

Starke Outperfomance gegenüber „Konkurrenz“

Dass Gold in diesem Jahr durch eine starke Outperformance gegenüber den meisten anderen Anlageklassen geglänzt hat, dürfte für die meisten Kapitalmarktexperten keine große Überraschung gewesen sein.

Allein in den Monaten:

  • April (+7,4 Prozent)
  • Mai (+2,6 Prozent)
  • Juni (+2,8 Prozent)

verbuchte der Krisenschutz markante Monatsgewinne und erzielte dadurch das stärkste Quartal seit 2016. Seit dem Jahresultimo entwickelte sich die „Krisenwährung Nummer Eins“ auch deutlich besser als die anderen Edelmetalle.

Während Silber und Palladium stagniert haben, musste Platin sogar ein dickes Minus von 16 Prozent hinnehmen.

Angesichts der Tatsache, dass in den USA im Zuge der Corona-Krise in den Monaten März und April fast 22 Millionen Jobs vernichtet wurden und der Internationale Währungsfonds für das laufende Jahr einen Einbruch der Weltwirtschaft um 4,9 Prozent prognostiziert, mag man das Plus beim gelben Edelmetall fast schon als „bescheiden“ bezeichnen.

Derzeit gehen die Investoren offensichtlich davon aus, dass das von den Notenbanken verabreichte Beruhigungsmittel „billiges Geld“ auch bei dieser XXL-Krise wirken wird. Die massiven Zinssenkungen rund um den Globus haben die Opportunitätskosten bei Gold (Verzicht auf Zinsen) regelrecht kollabieren lassen und dadurch dessen Attraktivität erheblich gesteigert.

Während sich zum Beispiel der Goldpreis seit dem Jahreswechsel massiv verteuert hat, brach die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen um fast zwei Drittel ein (siehe Tabelle). Seit Jahrzehnten werden im Zuge der ultralockeren Geldpolitik für das Überlassen von Kapital nicht mehr angemessene Renditen erzielt.

Doch dies ist nur eine von vielen Anomalien – die Liste der ungesunden Entwicklungen innerhalb der globalen Finanzsysteme ist noch viel länger.

Goldpreis im ersten Halbjahr 2020

  30.06.2020 Jahrestief Jahreshoch Performance
2020
Goldpreis (USD) 1.779,55 1.451,75 1.785,85 17,29 %
Goldpreis (EUR) 1.584,29 1.299,69 1.611,27 17,16 %
Zehnjährige US-Rendite 0,654 % 0,569 % 1,877 % -65,94 %
Dollarindex (Punkte) 97,39 94,89 102,82 1,04 %
Dow-Jones (Punkte) 25.812,88 18.591,93 29.551,42 -9,55 %
DAX (Punkte) 12.310,93 8.441,71 13.789,00 -7,08 %
Stand: 30. Juni 2020

Niedrige Volatilität spricht ebenfalls für Gold

Überzeugt hat der Goldpreis in der ersten Jahreshälfte aber nicht nur durch seine positive Performance, sondern auch durch seine geringen Kursschwankungen, die sich durch entsprechende Volatilitätsindizes besonders gut ablesen lassen. Der CBOE-Goldvolatilitätsindex ist in den ersten sechs Monaten zwar von 12,6 auf 17,7 Prozent angestiegen, damit unterschreitet er aber dennoch die Pendants auf den S&P-500 (VIX: 27,7 Prozent) bzw. Rohöl (OVX: 51,3 Prozent) recht deutlich.

Wer nach einem effektiven Vermögensschutz sucht, dürfte an starken Kursschwankungen kein Interesse haben. Eine hohe Volatilität zeigt sowohl ein hohes Risiko als auch eine hohe Renditechance an. In Zeiten wie diesen, sollte man daraus aber auf keinen Fall ableiten, dass eine geringe Goldvolatilität ein reduziertes Renditepotenzial nach sich zieht.

Fazit: Eine niedrige Vola sollte auf keinen Fall als Verkaufsargument für Gold interpretiert werden.

Ausblick für die laufende Woche

Die in den vergangenen Wochen zu beobachtende Pleitewelle hat einen ganz großen Vorteil von Gold in Form von Barren oder Münzen aufgezeigt: Gold muss dank des fehlenden Kontrahentenrisikos keinen Totalverlust fürchten.

Anders als DAX-Unternehmen aus dem Finanzsektor (Wirecard), große Kaufhausketten (Galeria Kaufhof) oder bedeutende US-Schieferölproduzenten (Chesapeake Energy) überzeugt das gelbe Edelmetall in erster Linie durch seine Substanz und Seltenheit.

Gold ist – im Gegensatz zu Geld oder Wertpapiere jeder Art – nicht beliebig vermehrbar.

Um Gold zu produzieren, sind drei Dinge nötig: Arbeit, Energie und Kapital. Unter auf Sicherheit bedachten Anlegern ist eine mehr oder weniger gewichtige Goldquote mittlerweile ein absolutes Muss. Vor allem deutsche Anleger besitzen eine starke Affinität zu Gold. In der vergangenen Woche wurde zum Beispiel für Xetra-Gold mit Blick auf dessen gehaltene Goldmenge ein Rekordwert von 221,7 Tonnen gemeldet.

Noch beeindruckender fällt der Goldhunger aus, wenn man bedenkt, dass sich die physisch hinterlegte Goldmenge des weltgrößten Gold-ETFs SPDR Gold Shares im ersten Halbjahr um über 298 Tonnen erhöht hat.

In der gegenwärtigen Gemengelage macht Gold kaufen deutlich mehr Sinn als dessen Verkauf – obwohl sein Preis auf dem höchsten Stand seit siebeneinhalb Jahren notiert.

Autor: Jörg Bernhard
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"