Stand: 13.04.2018 von Egmond Haidt 5 Kommentare

Nachdem der Goldpreis vor wenigen Tagen auf Mehrjahreshochs geklettert war, hat er anschließend wieder nachgegeben. Das macht keinerlei Sinn, immerhin bekommt das Edelmetall von mehreren Seiten Rückenwind.

Die Freude bei Gold-Fans währte nur kurz

Nachdem der Goldpreis am 11. April bis auf knapp 1.365 Dollar nach oben stieg – das war das höchste Niveau seit Juli 2016 – hat er anschließend wieder den Rückwärtsgang eingelegt.

Goldpreis Chart 6 Monate in US-Dollar

Für den Kursanstieg hatten die Tweets von US-Präsident Donald Trump gesorgt, woraufhin Investoren befürchtet hatten, dass ein Angriff der USA auf Syrien innerhalb weniger Stunden bevorstehen könnte.

Der Verbündete Syriens, Russland, hat die USA eindringlich vor einem Angriff gewarnt und mit Gegenmaßnahmen gedroht. In einem Umfeld, in dem sich die Krise zwischen den USA und Russland verschärft, war Gold einmal mehr als sicherer Hafen gefragt.

Sollte die Lage in Syrien weiter eskalieren, könnten die Investoren wieder zu dem Edelmetall greifen. Wenngleich ich nur hoffen kann, dass es nicht zu einer Konfrontation zwischen den USA und Russland im Nahen Osten kann, muss man das Syrien-Thema weiterhin klar auf dem Radarschirm haben.

Schwacher Dollar sorgt für Rückenwind

Der Goldpreis bekommt noch von zwei weiteren Seiten Rückenwind: die erste ist der schwache Dollar. Viele Experten behaupten regelmäßig, dass er steigen müsste, weil die US-Wirtschaft so gut laufen würde und weil der Zinsaufschlag zwischen amerikanischen und Bundesanleihen so hoch sei.

Euro US-Dollar Wechselkurs Chart der letzten 6 Monate

So liegt der Zinsaufschlag für jeweils zehnjährige Papiere bei herben 2,3 Prozentpunkten. Wenn diese Argumentation stimmen würde, dann wäre der Dollar schon längst kräftig auf dem Weg nach oben, das ist er aber nicht.

Vielmehr liegt der Dollar Index, der die Entwicklung des Dollar gegenüber sechs wichtigen Währungen, wie Euro und Yen, abbildet, in der Nähe des niedrigsten Niveaus seit Dezember 2014.

Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich. Einerseits ist die US-Wirtschaft entgegen den Behauptungen der Experten nicht stark, weil sie hoch verschuldet ist und damit jede noch so kleine Zinserhöhung deutlich zu spüren bekommt.

So haben sich die Zinsen für dreimonatige Dollar-Kredite am Interbankenmarkt in London in den vergangenen zwölf Monaten auf 2,34 Prozent verdoppelt. Das belastet die US-Wirtschaft schwer, wie die schlechten Daten vom Häusermarkt klar zeigen.

Für einen nachhaltigen Rückgang des Dollar in den nächsten Quartalen und Jahren spricht zudem die Explosion der US-Staatsschulden. Laut dem Congressional Budget Office (CBO), also dem Finanzausschuss des Kongress, soll die Neuverschuldung im Fiskaljahr 2018/19, das im September endet, um 22 Prozent auf 981 Mrd. Dollar steigen.

In den Folgejahren geht es weiter kräftig aufwärts auf 1,53 Billionen im Fiskaljahr 2027/28. Innerhalb von zehn Jahren soll sich die Neuverschuldung quasi verdoppeln. Eine derartige Dollar-Schwemme spricht nicht gerade für einen steigenden Greenback, oder?

Zumal ich davon ausgehe, dass die Prognosen des CBO bei Weitem nicht pessimistisch genug sind und die Schulden viel stärker steigen dürften als vorhergesagt.

Sinkende US-Zinsen beflügeln den Goldpreis

Neben den geopolitischen Risiken und dem schwachen Dollar bekommt der Goldpreis von einem weiteren Faktor Rückenwind: den sinkenden Zinsen für zehnjährige US-Anleihen. Investoren befürchten, dass die US-Notenbank mit immer weiteren Zinserhöhungen die Wirtschaft weiter belasten wird, wie eine Serie schwacher Konjunkturdaten klar gezeigt hat.

Gleichzeitig dürfte der Handelskrieg mit China weiter schwelen, was für enorme Unsicherheit bei Unternehmen sorgt. In dem Umfeld halten sie sich mit Investitionen zurück, wodurch sich das Wachstum der Weltwirtschaft rapide abkühlen dürfte.

So ist der Einkaufsmanagerindex für die Weltwirtschaft, den die englische Researchfirma Markit veröffentlicht, im März auf 53,3 Punkte eingebrochen – das ist ein 16-Monats-Tief. Der Traum vom weltweit synchronen Konjunkturaufschwung ist damit ausgeträumt.

In dem Umfeld tendieren die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen trotz der Zinserhöhungen der US-Notenbank seitwärts oder sogar leicht abwärts und liegen mit knapp 2,8 Prozent auf dem gleichen Niveau wie Anfang Februar.

Eine derartige Entwicklung hatte kaum eine Experte vorhergesehen. Wenn sich der Syrien-Konflikt weiter verschärfen sollte, oder der Handelskrieg, und die US-Konjunkturdaten schwach bleiben sollten, dürften die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen entgegen der Erwartung vieler Investoren im Rückwärtsgang bleiben.

Wieso ist in dem Umfeld der Goldpreis nicht schon längst kräftig nach oben ausgebrochen? Dafür kann ich keinen logischen Grund finden. Bleibt nur die Erklärung, dass der Goldpreis künstlich nach unten manipuliert wird. Obwohl der Goldpreis auf Dollar-Basis in der Nähe der Mehrjahreshochs notiert, liegt er auf Euro-Basis auf dem gleichen Niveau wie Mitte 2011, also wie vor fast sieben Jahren.

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Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [5]
  • von Chris | 13.04.2018, 20:01 Antworten

    ...von mehreren Seiten Rückenwind...
    Haha, da muss Gold aber einen ziemlichen Buckel haben.

  • von Christian G | 13.04.2018, 18:04 Antworten

    Mir ist es herzlich egal, ob der Goldkurs von einem sinkenden Dollar beflügelt wird, oder nicht. Wir handeln physisch in Euro.
    Wenn der Dollar nur noch ein 10tel des akuellen Wertes hat, hat Gold logischerweise den 10fachen Preis in Dollar. Auf uns in Europa hat das keinerlei Einfluss. Für uns ist nur der Preis in Euro entscheidend.

    • von MW | 13.04.2018, 21:14 Antworten

      Genau! Auf Euro-Basis ist der Goldpreis (und auch Silber) relativ stabil (wobei er vor 1 Jahr noch höher lag, Silber hat prozentual sogar noch mehr nachgegeben).

  • von Bonnie | 13.04.2018, 17:14 Antworten

    Guter Bericht. Stimmt mit meinem Bauchgefühl überein.
    Ich hoffe, daß der Goldpreis auf diesem Niveau vorerst bleibt. Dann kann ich mir noch die ein oder andere Freude machen.

    • von Christian G | 13.04.2018, 18:00 Antworten

      Dem kann ich mich nur anschließen

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