Stand: 02.04.2019 von Jörg Bernhard 7 Kommentare

Die ersten drei Monate liegen hinter uns und haben dem Goldpreis eine positive Performance beschert. Auf Dollarbasis legte er seit dem Jahreswechsel um ein Prozent zu und in Euro erzielte er ein Plus von 3,2 Prozent.

Rückenwind durch Zinsrutsch in den USA

Im ersten Quartal gab es einiges zu diskutieren. An vorderster Front ist natürlich der geldpolitische Richtungswechsel der US-Notenbank Fed zu nennen. Noch im Dezember erhöhte man zum neunten Mal die Zinsen und stellte für den Rest des Jahres noch zwei weitere Erhöhungen in Aussicht.

Nach der Fed-Sitzung im März wollte man davon nichts mehr wissen und schloss weitere Zinsschritte nach oben für den Rest des Jahres praktisch aus. Mittlerweile zeigt das FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group sogar eine Wahrscheinlichkeit von über 66 Prozent an, dass wir im Dezember höhere Zinsen als heute sehen werden, nachdem vor einem Monat hier lediglich ein Wert von 8,5 Prozent angezeigt worden war.

Sorgen bereitet auch der Umstand, dass aktuell zehnjährige US-Staatsanleihen aktuell weniger Rendite bieten als Sechsmonatsgeld. In der Vergangenheit war eine sogenannte inverse Zinskurve häufig der Vorbote für eine Rezession.

Der Stimmungswechsel der US-Notenbank sollte auch Privatanleger hellhörig werden lassen. Dass die US-Notenbanker eine Rezession befürchten, kommt aber auch durch die im März erfolgte Ankündigung weiterer geldpolitischer Maßnahmen zum Ausdruck.

Ab Ende September soll der Bilanzabbau (Quantitative Tightening) der Fed gestoppt werden. Im Oktober 2017 hat sie begonnen, ihre durch die durch Wertpapierkäufe (Quantitative Easing) aufgeblähte Bilanz zu reduzieren, indem sie fällige Anleihen nicht mehr ersetzt hat.

Die große Frage lautet nun: Reicht ihr geldpolitisches „Waffenarsenal“ aus, um im Falle einer Rezession wirksam Unterstützung zu leisten. Für die Europäische Zentralbank sieht die Lage noch prekärer aus, schließlich hat sie mit einer Normalisierung der Zinspolitik noch gar nicht begonnen.

Negative Korrelation zu Aktien ohne Wirkung

In den vergangenen drei Monaten lief die negative Korrelation zwischen Gold und Aktien völlig ins Leere. Während sich Standardwerte aus Deutschland und den USA markant zulegten (siehe Tabelle), blieb die zu erwartende negative Reaktion des Goldpreises aus.

Diese relative Stärke dürfte vor allem eine Ursache gehabt haben – den Sinkflug der US-Renditen bei Laufzeiten von zehn Jahren und die daraus resultierende inverse Zinsstruktur. Die jüngste Entwicklung an der Zinsfront hat bei Gold die Opportunitätskosten nämlich signifikant zusammenschmelzen lassen.

Goldpreis im Vergleich

aktuell Jahrestief Jahreshoch Performance 2019
Goldpreis (USD) 1.292,88 1.275,93 1.346,73 1,05 %
Goldpreis (EUR) 1.151,18 1.108,77 1.187,01 3,17 %
Zehnjährige US-Rendite (Prozent) 2,406 2,373 2,786 -10,36 %
Dollarindex (Punkte) 97,21 95,22 97,67 1,08 %
Dow-Jones (Punkte) 25.928,68 22.638,41 26.241,42 11,15 %
DAX (Punkte) 11.526,04 10.386,97 11.823,29 9,16 %
Stand: 29. März 2019

Das heißt: Goldbesitzern fällt der Verzicht auf die bei Anleihen üblichen Zinsen nach der Talfahrt deutlich leichter. Ein Comeback der Zinsängste dürfte den Krisenschutz Gold wohl nur dann in Mitleidenschaft ziehen, wenn dieses mit einer starken Konjunktur einhergehen sollte.

Sollten irgendwann einmal Anleihen wegen ihres Ausfallrisikos verkauft werden, dürften die gestiegenen Zinsen Goldbesitzer kaum zum Verkauf ihres Vermögens-, Inflations- und Krisenschutzes bewegen.

Ausblick für die laufende Woche

In den nächsten Tagen dürfte das drohende Rezessionsrisiko weiterhin heiß diskutiert werden, da dies- wie jenseits des Atlantiks zahlreiche Konjunkturdaten veröffentlicht werden, die als bewährte Frühindikatoren gelten.

So stehen zum Beispiel Einkaufsmanagerindizes aus Japan, China, Italien, Frankreich, Großbritannien, Deutschland sowie der Eurozone und den USA zur Bekanntgabe an. Signalwirkung dürfte aber auch der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter in den USA haben, schließlich erfordern solche Bestellungen ein relativ hohes Maß an konjunktureller Zuversicht.

Ab Mittwoch dürfte dann die Flut an US-Arbeitsmarktdaten für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen. Insbesondere der für Freitag angekündigte Monatsbericht des US-Arbeitsministeriums könnte neue Impulse auslösen.

Laut einer Umfrage unter Analysten (Quelle: Trading Economics) soll die Arbeitslosenrate im März bei 3,8 Prozent verharren und die Zahl neu geschaffener Stellen von 20.000 auf 170.000 gestiegen sein.

Sollte in den USA der Konjunkturmotor stärker als erwartet ins Stottern geraten, dürfte dies das Interesse an Gold beschleunigen.

Beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares machte sich dies in den vergangenen drei Wochen in Zuflüssen von 766,59 auf 784,26 Tonnen bemerkbar.

Das Motto lautet offenbar: Gold gilt weiterhin als Must-Have.

Goldpreis: Nach ereignisreichem Quartal im Plus
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [7]
  • von Minenfan | 04.04.2019, 11:05 Antworten

    Gut funktionierender Verstand schafft gute Artikel

  • von Wolf | 02.04.2019, 19:38 Antworten

    Meine Strategie für dieses Jahr sieht folgendermaßen Aus , im Hochsommer unter 1200 Dollar einkaufen,und bei steigenden Preisen ,ab 1320 Dollar verkaufen. Damit sollte man eigentlich, die goldene Mitte treffen.

    • von Himbär | 03.04.2019, 11:52 Antworten

      Klingt vernünftig! ????

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