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Stand: 05.10.2021 von Jörg Bernhard
Obwohl sich die Inflation in diesem Jahr stark beschleunigt hat, vermochte der Inflationsschutz Gold davon bislang nicht zu profitieren. Auf Dollarbasis hat er in den ersten neun Monaten 8,8 Prozent an Wert verloren und in Euro gerechnet dank des starken Dollars ein Minus von 3,3 Prozent verbucht.
Goldpreis: Nach neun Monaten markant im Minus

Gold: Durch Dollar und Zinsen stark belastet

Nach zwei außerordentlich renditeträchtigen Jahren mit Wertsteigerungen von 18,3 Prozent (2019) bzw. 25,0 Prozent (2020) droht dem gelben Edelmetall in diesem Jahr erstmals wieder eine negative Performance (siehe Tabelle). Und dies, obwohl sich die Geldentwertung im Jahresverlauf von minus 0,3 Prozent p.a. (Dezember) auf 4,1 Prozent p.a. (September) beschleunigt hat, den höchsten Wert seit 28 Jahren.

Weil die Pandemie durch Impffortschritte deutlich an Schrecken verloren hat und sich viele Volkswirtschaften kräftig erholt haben, hat der Appetit auf riskante Anlageklassen wie zum Beispiel Aktien spürbar zugenommen und im Gegenzug der sichere Hafen Gold an Attraktivität verloren.

Massiver Verkaufsdruck war vor allem im ETF-Sektor auszumachen.

Laut World Gold Council haben sich die weltweit gehaltenen Goldbestände (Stand: 24.09.21) physisch besicherter Gold-ETFs seit Ende Dezember um 146,0 auf 3.603,1 Tonnen (-3,9 Prozent) reduziert. Die stärksten Gold-Abflüsse verzeichneten vor allem zwei Länder: die USA (minus 173,8 Tonnen) und Großbritannien (minus 26,4 Tonnen) – wo der Glaube an robuste Finanzsysteme besonders ausgeprägt zu sein scheint (warum auch immer).

Hier zu Lande ticken die Uhren offensichtlich anders.

Mit plus 22,5 Tonnen gab es in Deutschland die höchsten Gold-Zuflüsse bei ETFs, gefolgt von Frankreich (plus 11,5 Tonnen).

An den Terminmärkten herrscht ebenfalls Verkaufsdruck

Laut der US-Aufsichtsbehörde CFTC haben in den ersten Monaten allein große Terminspekulanten bei Gold-Futures ihre Long-Seite um 48.000 Futures reduziert und zugleich ihr Short-Exposure um 52.500 Kontrakte verstärkt, was deren Netto-Long-Position (per Saldo optimistisch gestimmt) von 268.900 auf 168.400 Futures (-37,4 Prozent) hat einbrechen lassen.

Unter fundamentalen Aspekten sorgten vor allem Zinsängste für das geringe Interesse an Gold. Die Mehrheit der Marktakteure geht offensichtlich davon aus, dass die weltweit wichtigste Notenbank Fed früher als erwartet, die Anleihenkäufe reduzieren und danach die Leitzinsen nach oben schrauben könnte.

Bei der jüngsten Fed-Sitzung am 22. September meinte Fed-Chef Powell, man könne möglicherweise bereits im November mit dem sogenannten Tapering beginnen und Mitte 2022 den ersten Zinsschritt nach oben wagen.

Dies gelte aber nur unter der Annahme, dass sich die US-Wirtschaft und insbesondere der US-Arbeitsmarkt weiterhin robust entwickeln werde. So völlig reibungslos scheint die Erholung der Weltwirtschaft angesichts der zahlreichen Lieferengpässen in diversen Branchen jedoch nicht abzulaufen. Und bezüglich der drohenden Pleite des überschuldeten chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande dürfte die Zeit für eine Entwarnung auch noch nicht reif sein.

In einem solch unsicheren Umfeld sollte man auf keinen Fall auf Gold verzichten, schließlich fällt dessen Volatilitätsindex GVZ derzeit deutlich niedriger aus als der VIX, der das Risiko eines S&P-500-Investments misst (siehe Tabelle).

Performance in den ersten neun Monaten 2021


9/30/2021 Performance 2021
Goldpreis (USD) 1.726,93 -8,8 %
Goldpreis (EUR) 1.489,03 -3,3 %
CBOE-Goldvolatilitätsindex (GVZ) 17,16 -17,5 %
Dollarindex (Punkte) 94,23 4,8 %
Rendite 10-jähriger US-Bonds 1,487 61,8 %
Dow-Jones (Punkte) 33.843,92 10,6 %
CBOE Volatilitätsindex (S&P-500) 23,14 6,3 %
DAX (Punkte) 15.260,69 11,2 %
VDAX-NEW 23,28 -5,9 %
Quelle: gold.de, cboe.com und wsj.com

Ausblick für die laufende Woche

Insbesondere US-Investoren halten derzeit wenig vom Krisen-, Vermögens- und Inflationsschutz Gold. Massive Abflüsse bei physisch besicherten Gold-ETFs sowie die im großen Stil an den Terminmärkten platzierten Wetten auf einen fallenden Goldpreis liefern hierfür den besten Beweis.

Die Angst vor steigenden Zinsen und der starke Dollar haben das gelbe Edelmetall in diesem Jahr massiv ausgebremst. Auf lange Sicht spricht angesichts der aufgetürmten Schulden und der aufgeblähten Geldmenge dennoch mehr für den Kauf als für den Verkauf von Gold.

Neue Impulse könnte der Goldpreis in den nächsten Tagen vom US-Arbeitsmarkt erhalten, der für die US-Notenbank Fed und ihre Geldpolitik einen besonders hohen Stellenwert genießt.

So steht am Freitag zum Beispiel der Monatsbericht des US-Arbeitsministeriums zur Bekanntgabe an. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich im September die Arbeitslosenrate von 5,2 auf 5,1 Prozent reduziert haben die Zahl neu geschaffener Stellen von 235.000 auf 460.000 fast verdoppelt haben.

Positive Überraschungen dürften die Anleger noch stärker verunsichern und der Goldpreis könnte dann weiter bergab tendieren.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"