Stand: 26.09.2017 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

Dem gelben Edelmetall wird häufig das Attribut „sicherer Hafen“ zugestanden. In der Finanzwelt gilt die Volatilität als wichtiger Indikator für ein bestehendes Risiko. Bei Gold kann man dies als relativ gering und somit vorteilhaft bezeichnen.

Wichtige Kennzahl für Risikomaß

Grundsätzlich sollte man bei der Risikokennzahl Volatilität zwei verschiedene Arten unterscheiden. Die eine basiert auf der Berücksichtigung historischer Preise. So zeigt zum Beispiel eine historische 30-Tage-Volatilität an, welches Kursschwankungsrisiko auf Basis der vergangenen 30-Tage vorliegt. Bei langfristiger Betrachtung erfolgt die Berechnung der Risikokennzahl meist auf Basis der vergangenen 250 Tage (zwölf Monate). Unter Investoren wird aber häufig eine andere Form von Volatilität stärker beachtet – die erwartete bzw. implizite Volatilität. Sie basiert auf Optionspreisen und bringt damit zum Ausdruck, welches Kursschwankungsrisiko an den Finanzmärkten aktuell über Calls und Puts eingepreist und somit erwartet wird.

Das Wichtigste vorweg: Beim Goldpreis kann man sowohl die historische als auch die erwartete Volatilität aufgrund ihres niedrigen Niveaus als vorteilhaft bezeichnen und deshalb als Kaufargument interpretieren. Aktuell beläuft sich zum Beispiel die 30 Tage-Volatilität des gelben Edelmetalls auf 10,2 Prozent, während die langfristige 250-Tage-Volatilität mit 11,8 Prozent nicht viel höher ausfällt. 

Die erwartete Volatilität lässt sich besonders gut am Gold-Volatilitätsindex (GVZ) des US-Terminbörsenbetreibers Chicago Board Options Exchange (CBOE) ablesen. Er basiert nämlich auf den Optionen, die sich auf Gold-ETFs beziehen und wird fortlaufend ermittelt. Mit aktuell 12,4 Prozent kann man auch hier von einem attraktiven Niveau sprechen, schließlich sollte ein „sicherer Hafen“ keine allzu großen Kursausschläge aufweisen. Ist dies nicht der Fall, kommt kein echtes Gefühl von Sicherheit auf.

Interpretation der Volatilität von Gold

Das Risikomaß Volatilität sollte folgendermaßen interpretiert werden: Je höher der Wert, desto höher die Wahrscheinlichkeit auf hohe Wertsteigerungen bzw. hohe Wertverluste – also desto höher das Risiko des Investments. 

Bei Gold bieten sich aber zwei weitere Interpretationsmöglichkeiten an: der historische Vergleich sowie der Vergleich mit anderen Anlageklassen. So schwankte zum Beispiel der CBOE-Goldvolatilitätsindex in den vergangenen acht Jahren in einer Bandbreite zwischen 10 und 40 Prozent (siehe Chart). Aus historischer Sicht kann man dem Krisenschutz somit ein aktuell relativ geringes Risiko attestieren. Auch beim Vergleich mit dem Risiko anderer Anlageklassen sieht Gold gegenwärtig ausgesprochen attraktiv aus (siehe Tabelle). 

Verglichen mit anderen Rohstoffinvestments wie zum Beispiel Rohöl, Silber oder Goldminen „kostet“ ein Goldinvestment deutlich weniger Nerven. Und selbst einen Vergleich mit dem VIX, dem Optionen auf den S&P 500 zugrunde liegen, braucht der Krisenschutz Gold nicht zu scheuen. Mit 9,59 Prozent fällt dieser derzeit zwar niedriger aus, bei einer Diversifikation auf die 500 bedeutendsten Unternehmen der USA sollte dies allerdings kein „sonderlich lobenswertes Kunststück“ sein.

CBOE Gold Volatilitätsindex CBOE-Gold-Volatilitätsindex

Volatilitätsindizes im Vergleich

Aktuell 52 Wochen Tief 52 Wochen Hoch
Gold 12,37% 9,84% 24,44%
Silber 19,55% 16,29% 38,89%
Rohöl 26,39% 24,51% 55,70%
Dow-Jones 10,01% 3,59% 23,23%
S&P500 9,59% 8,84% 23,01%
NASDAQ-100 13,81% 9,75% 23,35%
Russell-2000 12,68% 11,41% 25,65%
Stand: 22.09.2017; Quelle: Chicago Board Options Exchange

Ausblick für die laufende Woche

Der Ausgang der Bundestagswahl machte sich an den Goldmärkten kaum bemerkbar. Das Motto lautet offensichtlich „business as usual“. An der Notwendigkeit, Vermögen zumindest teilweise über Goldinvestments ab zusichern, hat sich somit nichts Wesentliches geändert. Der politische Unsicherheitsfaktor in Europa dürfte nach dem wenig ruhmreichen Wahlsieg von Angela Merkel diesseits des Atlantiks weiterhin geringer ausfallen als jenseits des Atlantiks. Dort legt sich US-Präsident Donald Trump nicht nur mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un, sondern mittlerweile auch mit zahlreichen Stars und Klub-Besitzern diverser Football- und Basketball-Teams an. Weitere „Querelen und Aussetzer“ sind daher sehr wahrscheinlich. 

Mehrere konjunkturelle Highlights Deutschland und den USA hat in den kommenden Tagen der Konjunkturkalender zu bieten. Mit Blick auf die US-Wirtschaft dürften sich Investoren dabei vor allem für den Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter (Mittwoch) sowie die für Donnerstag angekündigten Zahlen zum US-Wirtschaftswachstum, Arbeitsmarkt und zur Handelsbilanz stark interessieren.

Goldpreis überzeugt durch niedriges Schwankungsrisiko
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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Kommentare [1]
  • von Goldmann | 26.09.2017, 11:06 Antworten

    Was sagt Herr Bernhard zu den Leerverkäufen?

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