Stand: 22.09.2020 von Jörg Bernhard
Im Zuge der Corona-Krise und neuer Allzeithochs beim Goldpreis sind Optimisten zusehends optimistischer geworden. Häufig wird Analysten-Optimismus zwar als Kontraindikator gesehen, bei Gold sollte man sich darauf aber nicht verlassen.
Goldpreis-Prognosen der Analysten zunehmend optimistischer

Nach oben revidierte Prognosen en masse

Zugegeben, Prognosen sind ein außerordentlich schwieriges Geschäft. Erinnern Sie sich noch an die Analystenumfrage der London Bullion Market Association bezüglich der durchschnittlichen Edelmetallpreise für das Jahr 2020?

Für Gold wurde von sämtlichen Analysten im Konsens ein Durchschnittspreis von 1.558,80 Dollar prognostiziert. Befragt nach der Tradingrange lag der Durchschnitt der Prognosen für das Jahrestief bei 1.443,90 Dollar und für das Jahreshoch bei 1.688,60 Dollar. Aktuell kostet die Feinunze Gold 1.940 Dollar und weist für 2020 bereits einen Durchschnittswert von über 1.730 Dollar aus und das Anfang August erzielte Jahres- bzw. Allzeithoch stellte sich bei fast 2.072 Dollar ein.

Die Ergebnisse sämtlicher LBMA-Analystenumfragen seit dem Jahr 2015 finden Sie übrigens auf der Website Goldpreis.de – unter dem Menüpunkt „Goldpreis Prognose“ (siehe Tabelle).

LBMA-Goldpreisprognosen von 2015 bis 2020


2020 2019 2018 2017 2016 2015
niedrigste Prognose 1.300,00 1.150,00 1.120,00 1.020,00 850,00 880,00
höchste Prognose 2.080,00 1.475,00 1.510,00 1.460,00 1.375,00 1.525,00
Mittelwert aller Prognosen 1.558,80 1.311,00 1.318,00 1.244,00 1.103,00 1.211,00
tatsächlicher Jahresdurchschnitt - 1.392,60 1.268,41 1.257,00 1.251,06 1.160,37
Quelle: www.goldpreis.de
Erfahrungsgemäß mehren sich in Aufwärtstrends die optimistischen Prognosen, während pessimistische Schätzungen eher seltener auftreten.

Nur ein Beispiel: Während der Edelmetallkonzern Heraeus Anfang des Jahres für 2020 noch einen durchschnittlichen Goldpreis von 1.500 Dollar und eine Tradingrange zwischen 1.400 bis 1.700 Dollar für 2020 prognostiziert hatte, hält man mittlerweile einen temporären Anstieg auf 2.200 Dollar für möglich.

Auch die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs sind im Sommer deutlich optimistischer geworden. Sie haben ihre bisherige Prognose von 2.000 Dollar pro Feinunze nach oben revidiert und halten in den kommenden zwölf Monaten einen Anstieg auf 2.300 Dollar für möglich.

Noch zuversichtlicher blicken die Analysten der Bank of America drein, die bereits im April ein Kursziel von 3.000 Dollar innerhalb von 18 Monaten ausgerufen haben. Das ständige Revidieren der Kursziele sollten Anleger aber nicht überbewerten, schließlich zeugt dieses lediglich von ständigen Meinungsänderungen.

Relativ hohe Kursziele lieferten in diesem Jahr auch Ronald Stöferle und Mark Valek von der Liechtensteiner Vermögensverwaltung Incrementum AG. Im Rahmen ihrer jährlich erscheinenden Goldpreisstudie „In Gold We Trust“ wagten sie eine besonders langfristige Prognose. Wird das Bewertungsmodell konservativ kalibriert, könnte der Goldpreis am Ende dieser Dekade bei 4.800 Dollar notieren.

8.900 Dollar pro Feinunze seien hingegen möglich, falls wir eine ähnlich inflationäre Entwicklung erleben wie in den 1970er-Jahre. Trotz der hohen absoluten Zahl relativiert sich deren Optimismus, wenn man dabei die jährliche Performance ermittelt.

Bei 4.800 Dollar errechnet sich auf Basis des aktuellen Goldpreises eine jährliche Rendite von 9,3 Prozent, bei 8.900 Dollar erhöht sie sich auf 16 Prozent p.a.

Ausblick für die laufende Woche

Obwohl die US-Notenbank Fed in der vergangenen Woche bis 2023 eine Nullzinspolitik in Aussicht gestellt hat, tendierte der Goldpreis nachfolgend zunächst bergab.

Grund: Die Notenbanker äußerten sich hinsichtlich der Konjunkturperspektiven optimistischer als erwartet. Der Respekt vor der Marke 2.000 Dollar scheint mittlerweile relativ stark ausgeprägt zu sein.

Außerdem stehen in der zweiten Wochenhälfte wichtige Konjunkturindikatoren an. In diesem Zusammenhang sind vor allem diverse Markit-Einkaufsmanagerindizes (Mittwoch),

US-Arbeitsmarktdaten (Donnerstag) sowie der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter (Freitag) zu nennen.

Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich bei Letztgenanntem das Wachstum gegenüber dem Vormonat von 11,2 auf 1,5 Prozent verlangsamt haben.

Zur Erinnerung: In den Monaten März und April waren Einbrüche in Höhe von 16,7 bzw. 18,3 Prozent registriert worden. Im Herbst 2008 reagierte der Goldpreis auf einen weniger starken Konjunktureinbruch übrigens mit einer Wertsteigerung von in der Spitze 150 Prozent. Projiziert man diese Performance auf den „Corona-Monat März 2020“, würde dies dem gelben Edelmetall ein Aufwärtspotenzial bis 3.750 Dollar eröffnen.

Vor diesem Hintergrund könnte man die in den vergangenen Monaten revidierten Kursziele fast schon als zurückhaltend ansehen.
Autor: Jörg Bernhard
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"