Stand: 07.12.2016 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Investoren lassen sich derzeit offensichtlich durch nichts aus der Ruhe bringen. Weder Brexit noch Trump haben den Goldpreis nachhaltig verteuert. Am Montag rutschte das gelbe Edelmetall zeitweise auf den niedrigsten Stand seit zehn Monaten ab - trotz Renzis Rücktritt nach dem verlorenen Referendum in Italien.

Massive Abflüsse beim weltgrößten Gold-ETFs

Enorme Kapitalabflüsse sind seit dem Wahlsieg von Donald Trump vor allem bei US-Staatsanleihen registriert worden. Die damit einhergegangenen Kursverluste haben die zehnjährigen Renditen von 1,8 auf 2,4 Prozent emporschnellen lassen. Damit erwies sich der November für den US-Anleihemarkt als schlechtester Monat seit 2009 und damals standen die globalen Finanzsysteme bekanntlich am Abgrund. Während damals nahezu alle Anlageklassen zum Verkauf gestellt wurden, sind heute eher Umschichtungen in Risikoanlagen wie Aktien und Rohstoffe zu beobachten.

Obwohl auch beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares nach dem Wahlsieg von Donald Trump erhebliche Kapitalabflüsse zu beobachten waren, kann man diese mit dem „Aderlass“ bei US-Staatsanleihen keinesfalls vergleichen. Während dieses Zeitraums nahm dessen gehaltene Goldmenge von 955,03 Tonnen auf 869,90 Tonnen (-8,9 Prozent) ab, was beim Marktwert zu einem Rückgang von 39,34 Milliarden auf 32,50 Milliarden US-Dollar (-17,4 Prozent) geführt hat.

Hierzulande fiel der Verkaufsdruck wesentlich geringer als in den USA aus. Außerdem fing der starke US-Dollar für Goldbesitzer im Euroraum einen Teil der Goldpreisverluste auf. So verlor der Goldpreis auf US-Dollarbasis im November 8,5 Prozent an Wert, während in Euro „lediglich“ ein Minus von fünf Prozent zu Buche schlug. Dass deutsche Anleger weiterhin an Gold festhalten, lässt sich besonders gut an XETRA-Gold ablesen. In Deutschland gilt dieses physisch hinterlegt Wertpapier unter privaten wie institutionellen Anlegern als bewährtes und kostengünstiges Goldinvestment. Am 14. Oktober erzielte XETRA-Gold mit 115,149 Tonnen einen Rekordbestand an Gold, welcher sich seither lediglich marginal auf 114,123 Tonnen reduziert hat.

Ölpreis und Inflation im Auge behalten

Auf Gold wird seit Menschengedenken vor allem wegen seiner bewährten Schutzfunktion gegenüber Krisen und Inflation zugegriffen. Trotz zahlreicher Bürgerkriege, Terrorgefahr und der wenig stabilen Finanzsysteme scheint sich gegenwärtig die globale Anlegerschar darüber aber keine großen Sorgen zu machen. Man scheint sich mit den niedrigen Zinsen und Inflationsraten arrangiert zu haben, daran gewöhnen sollte man sich allerdings nicht.

Sollte nämlich der Ölpreis seinen Aufwärtsdrang fortsetzen oder gar beschleunigen, dürfte dies aufgrund der hohen Gewichtung des Energiesektors die Inflation mit nach oben ziehen. Aber 2016 hat sich nicht nur Rohöl massiv verteuert, auch bei Industriemetallen waren Preisanstiege bis zu 109 Prozent (Eisenerz) registriert worden. Unter den Edelmetallen haussierte Palladium mit Gewinnen von 29 Prozent und im Agrarsektor gab es gleich zehn Rohstoffe, die 2016 Wertzuwächse im zweistelligen Prozentbereich erzielt haben.

In der vergangenen Woche wurde für Deutschland eine jährliche Inflationsrate in Höhe von 0,8 Prozent (November) gemeldet. In den vergangenen 25 Jahren schwankte die deutsche Teuerungsrate (siehe Grafik) zwischen 0,3 Prozent (2009 bzw. 2015) und 5,1 Prozent (1992).

Inflationsrate der Bundesrepublik Deutschland gegenüber zum Vorjahr

Notenbanken wie die Fed oder die EZB betrachten eine Inflation von zwei Prozent als wünschenswert. Dass dieser Wunsch noch zur diesjährigen Weihnachtszeit in Erfüllung geht darf bezweifelt werden. Außerdem ist zu befürchten, dass die Teuerung  - nicht den Notenbanken zuliebe - bei dieser Marke stoppen wird.

Ausblick für die laufende Woche

Am Donnerstag steht für die Europäische Zentralbank die letzte Sitzung des Jahres vor der Tür. Nach dem Wahlausgang in Italien und dem Rücktritt von Ministerpräsident Matteo Renzi dürfte die Arbeit für den italienischen EZB-Präsidenten Mario Draghi und seine Kollegen noch schwieriger werden. Dass Italiens Schuldenberg deutlich größer als der Euro-Rettungsschirm ausfällt, wirft wieder einmal kein gutes Licht auf den aktuellen Zustand der Eurozone - und im kommenden Jahr wird in Frankreich, Deutschland und den Niederlande gewählt. Man darf daher gespannt sein, ob die Akteure an den Finanzmärkten weiterhin „cool“ bleiben und die Finger von Gold lassen werden.

Bislang verfügen der US-Dollar und die internationalen Aktienmärkte zweifellos über mehr Strahlkraft als der Krisenschutz Gold. Wie lange die aktuelle Phase der Ignoranz gegenüber Risikofaktoren wie dem Brexit, den explodierenden Staatsschulden, Inflation, usw. anhält, lässt sich natürlich nicht prognostizieren. Der Trend zum Experiment scheint weltweit auf dem Vormarsch zu sein. Die wichtigsten Notenbanken der Welt befinden sich bereits seit Jahren in der Experimentierphase. In Großbritannien und in den USA hatten die Wähler offensichtlich ebenfalls Lust auf Experimente. Es ist zu befürchten, dass weitere Nationen folgen werden. Beim Thema Krisenschutz sollte man indes keine Experimente machen und lieber auf Altbewährtes setzen - und da gehört Gold und Silber in Form von Barren und Münzen allen Unkenrufen zum Trotz wohl weiterhin zur ersten Wahl.

Goldpreis: Rückwärtsgang trotz Renzi-Rücktritt
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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