Stand: 25.07.2017 von Jörg Bernhard 6 Kommentare

In den USA bewegen sich wichtige Aktienindizes weiter auf Rekordniveau und die entsprechenden Volatilitätsindizes auf dem niedrigsten Niveau seit über einem Jahrzehnt. Anleger sollten dies als Warnzeichen und Argument für Gold interpretieren.

Globale Sorglosigkeit greift um sich

Die Zahl der weltweiten Krisenherde ist seit dem Platzen der New-Economy-Blase deutlich gestiegen. Ukraine, Nordkorea, Syrien, Libyen, Irak, Ägypten, Venezuela, Griechenland - die Liste der besonders gebeutelten Krisenländer ist ziemlich lang.

Dies veranschaulicht auch der von Wirtschaftswissenschaftlern entwickelte und einmal pro Monat berechnete Economic Policy Uncertainty Index besonders eindrucksvoll. In den vergangenen Wochen hat die politische Unsicherheit zwar etwas nachgelassen, nichtsdestotrotz kann der aktuelle Indexstand als überdurchschnittlich hoch bezeichnet werden (siehe Chart).

Economic Policy Uncertainty Index

Economic Policy Uncertainty Index 2017Quelle: www.policyuncertainty.com


Diese erhöhte Unsicherheit geht dies- wie jenseits mit einer extrem ausgeprägten Sorglosigkeit der Investoren einher. So bewegt sich zum Beispiel der von der CME Group konzipierte und fortlaufend ermittelte Volatilitätsindex VIX, der die Kursschwankungsintensität der 500 wichtigsten US-Aktien (S&P 500) anzeigt, mit unter zehn Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit über zehn Jahren.

Auch in Deutschland und Europa bewegen sich Volatilitätsindizes wie der VDAX-NEW oder der VSTOXX nur unwesentlich über ihren Mehrjahrestiefs. Dies lässt nur einen Schluss zu: Vorhandene Risiken geopolitischer und geldpolitischer Art werden gegenwärtig offensichtlich komplett ausgeblendet.

Von 1996 bis 2011 korrelierte der VIX sehr stark mit dem Economic Policy Uncertainty Index. Ein hohes Maß an politischer Unsicherheit wurde von einem entsprechend hohen Volatilitätsindex begleitet und umgekehrt. Doch in den vergangenen Jahren ist die Schere beider Indikatoren extrem auseinandergegangen.

Problem dabei: Im Vorfeld markanter Kurseinbrüche war die Sorglosigkeit der Investoren - ablesbar an niedrigen Volatilitätsindizes - häufig besonders stark ausgeprägt. Mittlerweile scheint der Glaube, dass die wichtigsten Notenbanken der Welt die seit Jahrzehnten schwelenden Krisen im Griff haben, unerschütterlich zu sein.

In den vergangenen sechs Jahren, machte sich diese Sorglosigkeit auch bei Investments in Gold und Silber negativ bemerkbar - und zwar in Form einer ausgesprochen stark ausgeprägten Underperformance. Seit dem im September 2011 markierten Rekordhoch des Goldpreises entwickelte sich zum Beispiel der DAX um 160 Prozentpunkte besser als Gold.

Obwohl die Performance des Goldpreises in den vergangenen fünf Jahren mit einem Minus von über 20 Prozent alles andere als „glänzend“ ausfiel, spricht einiges dafür, dass man weiterhin auf Gold als wirksamen Krisenschutz einsetzen sollte.

Erstens: Die negative Korrelation zwischen Gold und anderen Anlageklassen verleiht einem Portfolio mehr Stabilität.

Zweitens: Bei Gold in Form von Barren oder Münzen entfällt das Kontrahentenrisiko, wodurch ein bei Wertpapierinvestments existentes Totalverlustrisiko entfällt.

Drittens: Mit Blick auf die Risikokennzahl Volatilität kann man Gold sehr gut als Ankerinvestment einsetzen, schließlich übertrifft sowohl die historische Volatilität als auch der CBOE-Volatilitätsindex auf Gold die vergleichbaren Kennziffern des S&P 500 nur unwesentlich.

Ausblick für die laufende Woche

In dieses Bild extrem erhöhter Unsicherheit passt auch die aktuelle politische Situation der USA. Dass Donald Trump trotz einer republikanischen Mehrheit im Kongress und Senat bislang keines seiner Wahlversprechen auf den Weg bringen konnte, sollte jedem Investor zu denken geben. Trotz der seit dem Wahlsieg im November verteilten Vorschusslorbeeren, scheinen Börsianer weiterhin auf die Trump-Karte zu setzen.

Ob sie dieses Pokerspiel gewinnen werden, bleibt abzuwarten. Bislang befinden sich Blue-Chip-Indizes wie der Dow-Jones oder S&P 500 in der Nähe ihrer Allzeithochs. In den vergangenen fünf Jahren haben sich deutsche Blue Chips aus dem DAX um 84 Prozent und ihre Pendants aus dem Dow Jones um 66 Prozent verteuert.

Damit die Aktienquote eines Portfolios nicht zum Klumpenrisiko wird, bietet sich eine Umschichtung in andere Anlageklassen an. Ein kleiner Klumpen Gold sollte daher jedem Depot angesichts der extrem unsicheren Gemengelage sehr gut zu Gesicht stehen.

Goldpreis: Ruhe vor dem Sturm?
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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Kommentare [6]
  • von Mr. Silver | 25.07.2017, 12:13 Antworten

    Ja V Dax und Vix sind auch manchmal Jahrelang auf einem niedrigen Niveau und die Aktien steigen weiter. Wenn die USA bis Ende 2018 Ihre Zinsschritte durchführen, kann der Markt noch 1 weiteres jahr gut laufen, auch noch 2019. Ab 2020 fängt er an dann zu kippen als Reaktion auf die höheren Zinsen. Doch ob das Gold dann wirklich steigt ist fraglich. In der Vergangenheit, 1987 1989 2000 2001 war es auch nicht so. Erst ab 2002 fingen die gesamten Rohstoffe an zu steigen. Da wir in einer schnelllebigen Zeit sind, können sich vielleicht auch die Börsenzyklen verkürzen, so das man vielleicht im Jahr 2022 den Tiefstand beim Gold sieht. Doch jetzt kommen erst mal die kleineren Aktien an.Der Tec Dax wird bis 2019 den Anlegern viel Freude bereiten

    • von Karl | 26.07.2017, 09:08 Antworten

      Mr. Silver.....
      Ich lese sie gerne...

    •   Gold.de - Redaktion | 26.07.2017, 15:24 Antworten

      @Mr. Silver,

      wenn Sie Mr. Silver Interesse haben, einen Gastbeitrag auf gold.de zu veröffentlichen, melden Sie sich doch bitte bei der Redaktion. Viele Grüße

  • von Goldmann | 28.07.2017, 17:32 Antworten

    Papier ist geduldig.Gold ist einmalig.Der Goldstandard ist in absehbarer Zeit unausweichlich.
    Die Menschen sind durch das Internet usw. schlauer geworden.

  • von Gerhard Haasis | 01.08.2017, 17:25 Antworten

    Ein paar Worte zum Gold!
    Ich habe nach der Währungsreform 1948 mit meinem Vater den Wert von vier Häusern sauber gezählt und dann im Kanonenofen verbrannt. Es waren RM, welche meine Handwerkerfamilie über Jahrzehnte verdient hat. Wäre die Leistung in Gold angelegt gewesen, wäre diese wirklich nochmal vergoldet geworden. weiter gibt es zu Gold nicht zu sagen!!!

    Mit freundlichen grüßen!

    • von Lurchi | 15.10.2017, 18:29 Antworten

      Währungsreform 1948:
      Reichsmark wurden nach einem festen Schlüssel ca. 10:1 umgetauscht.
      Ich kann mir nicht vorstellen daß jemand sein Geld verbrennt.

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