Stand: 06.07.2015 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Mit dem überwältigenden "Nein" der Griechen zur von den Europäern geforderten Sparpolitik wächst die Spannung. Den Goldpreis beeindruckt das Schicksal Griechenlands weiterhin kaum. Am 25. Juni veröffentlichte die Vermögensverwaltung Incrementum AG ihren traditionellen Jahresbericht "In Gold we trust" und warb mit stichhaltigen Argumenten für das gelbe Edelmetall.

Goldbullen mit Seltenheitswert

Der Titel der mittlerweile zum neunten Mal erschienen Studie und deren Tenor sind eindeutig: Der Goldpreis wird steigen. Konkret rechnen die beiden Verfasser der Studie, Ronald-Peter Stöferle und Mark Valek, bis 2018 mit einem Goldpreis von 2.300 Dollar. Damit gehören die beiden Fondsmanager ganz klar zu den Goldbullen, einer mittlerweile recht rar gewordenen Spezies. Die Nachrichtenagentur Bloomberg kommt bei derzeit 13 erfassten Studien auf ein durchschnittliches Kursziel (bis 2018) von lediglich 1.249 Dollar (siehe Tabelle). Damit weicht das Kursziel von Stöferle und Valek meilenweit vom Konsens der anderen Analysten ab.

Goldprognosen 2016 2017 2018 2019
Anzahl 31 17 13 7
Durchschnitt (in USD) 1216,00 1238,00 1249,00 1150,00
Tief (in USD) 900,00 950,00 900,00 850,00
Hoch (in USD) 1435,00 1446,00 1473,00 1500,00
Quelle: Bloomberg; Stand: 03.07.2015

Auf mehr als 140 Seiten zeigen die Autoren der Studie auf, warum sie weiterhin auf das gelbe Edelmetall vertrauen und berufen sich dabei vor allem auf die "Österreichische Schule der Nationalökonomie", eine wirtschaftliche Denkrichtung die in Wien im späten 19. Jahrhundert mit Carl Mengers Werken begann. Nach Ansicht von Stöferle und Valek sind wir "unfreiwillig zu Probanden eines beispiellosen Experiments geworden, dessen wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ausgang ungewiss" sei. Beide sind der Überzeugung, dass sich die Finanzmärkte nahe einer entscheidenden Weggabelung befinden und rechnen mit einem Ende des aktuell zu beobachtenden disinflationären Trends - also einer Phase rückläufiger Inflationsraten. Dies könne entweder aufgrund einer wirtschaftlichen Belebung oder im Zuge einer stagflationären Entwicklung geschehen. Inflationssensitiven Anlagen wie Gold und Minenaktien räumen sie daher gute Perspektiven ein.

Ein Must-Read für jeden Anleger

In der Studie werden die Folgen der Nullzinspolitik und ihre ungewöhnlichen Begleiterscheinungen kritisch hinterfragt. Einige Notenbanken mussten seit 2007 aufgrund diverser geldpolitischer Eingriffe einen markanten Anstieg ihrer Bilanzsummen hinnehmen - absolut betrachtet, aber auch in Relation zur Wirtschaftsleistung des jeweiligen Landes.

Besonders negativ fielen in diesem Zusammenhang die Notenbanken aus Japan und der Schweiz auf (siehe Grafik). Aber auch bei der Europäischen Zentralbank scheint sich trotz der aktuell relativ moderaten Kennzahl eine Entwarnung angesichts der großen und weiterhin unbewältigten Herausforderungen geradezu zu verbieten.


Insgesamt im Fazit der Studie sechs Prämissen aufgeführt, die für ein Investment in Gold sprechen. So wird zum Beispiel auf den Umstand hingewiesen, dass das weltweite Schuldenniveau das Niveau von 2007 um 40 Prozent übertroffen hat. Außerdem nehme derzeit das systemische Begehren nach steigender Inflation zu. Der Anstieg des Derivatevolumens auf 700 Billionen Dollar - wovon ein Großteil aus Zinsderivaten besteht - sei ebenfalls problematisch. Außerdem habe das Konzentrationsrisiko (Too big to fail) gegenüber 2008 zugenommen. Gold profitiere zudem in Phasen von Deflation, steigender Inflation und systemischer Instabilität. Zu guter Letzt wurde auch darauf hingewiesen, dass Gold ein liquides Finanzanlagegut sei ohne Gegenparteienrisiko.

Ausblick für die anstehende Woche

Dass Griechenlands Schuldentragfähigkeit vom Internationalen Währungsfonds stark angezweifelt wird und das marode Land bis 2018 einen zusätzlichen Finanzbedarf von über 50 Milliarden Euro benötigen würde, macht wenig Hoffnung auf eine langfristige Rettung geschweige denn Gesundung Griechenlands. Während IWF-Chefin Christine Lagarde - wie Tsipras & Co. - einen Schuldenschnitt fordert, hält Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgrund der diesbezüglichen Stimmung in den eigenen Parteireihen und im eigenen Volk, davon (noch) relativ wenig. Doch die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, dass sie Ansichten und Überzeugungen relativ schnell wechseln bzw. ablegen kann. Man darf daher gespannt sein, wieviel Milliarden der deutsche Steuerzahler abschreiben wird müssen und welches Land als nächstes einen "Schuldenschnitt" beantragen wird.

Da die Schuldentragfähigkeit anderer Länder nicht bis in alle Ewigkeit gesichert sein dürfte, sollte Gold auch künftig in jedem Portfolio einen "Stammplatz" erhalten. Seit das gelbe Edelmetall von Menschen als Krisenschutz und Kaufkrafterhalter geschätzt wird, hat es so manche Währung kommen und auch wieder gehen sehen. Darauf wurde auch in der neunten Ausgabe von "In Gold we trust" hingewiesen. Dort veröffentlichten die beiden Autoren Stöferle und Valek übrigens eine ausgesprochen interessante Grafik zur Wertentwicklung des Dollars in Gold. Bekam man 1970 noch fast 1.000 Milligramm Gold für einen Dollar, muss man sich heute mit 26,6 Milligramm begnügen. Was für den Dollar gilt, dürfte angesichts der mittlerweile offensichtlich gewordenen Konstruktionsfehler in verstärktem Maße auch auf den Euro zutreffen.

Goldpreis: Ruhe vor dem Sturm?
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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