Stand: 18.05.2015 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

In den vergangenen Jahren haben Staatsanleihen bester Bonität dem gelben Edelmetall den Rang als sicherer Hafen streitig gemacht. Dies scheint sich nun ins Gegenteil zu verkehren. An den Rentenmärkten wird es zusehends ungemütlicher.

Goldpreis profitiert von turbulenten Rentenmärkten

Dass bei den Kursen von Anleihen irgendetwas nicht stimmen konnte, war auch für Nicht-Fachleute offensichtlich. Wenn zum Beispiel Staaten mit guter Bonität fast nichts für ihre ausufernden Schulden bezahlen müssen und in manchen Anleihekategorien fürs Schuldenmachen sogar negative Renditen zu Buche schlugen, lässt dies nur einen Schluss zu: die Anleihekurse sind zu hoch und im Umkehrschluss die Renditen zu niedrig. So manch ein Kapitalmarktexperte sieht darin sogar die "Mutter aller Blasen". Nun kommt es darauf an, dass es nicht knallt, sondern die heiße Luft in geordneten Bahnen entweichen kann. Dies dürfte jedoch ein schwieriges Unterfangen werden.

Dass die Nerven derzeit relativ blank liegen, zeigt die Entwicklung des Bund-Future. Er verlor in den vergangenen vier Wochen 640 Basispunkte, was bei einem Anleihe-Barometer fast schon einem Erdbeben gleichkommt. Während dieser vier Wochen schwankte der Gradmesser insgesamt zwölfmal in einer Tagesrange von über 100 Basispunkten, wobei am 7. Mai die Bandbreite zwischen Tageshoch und Tagestief sogar bei 300 Basispunkten lag.

Zum Vergleich: Beim vorherigen Vier-Wochen-Zeitraum gab es beim Bund-Future lediglich einmal eine Tagesschwankung im dreistelligen Bereich. Dies hat dessen Kursschwankungsintensität (neudeutsch: Volatilität) empfindlich nach oben getrieben.

Beim Goldpreis war in diesem Punkt eine völlig gegensätzliche Entwicklung zu beobachten. Das Edelmetall rutschte zeitweise zwar unter die Marke von 1.200 Dollar ab, die Tagesschwankungen fielen hingegen wenig beängstigend aus, was sich auch an einer rückläufigen 100-Tage-Volatilität ablesen lässt. Nach einem Jahreshoch von über 18 Prozent hat sie sich mittlerweile auf 16,5 Prozent beruhigt. Stabile Preise und geringe Schwankungen - dies sind genau die Eigenschaften, über die ein sicherer Hafen verfügen sollte.

Kanadier greifen bei weltgrößtem Gold-ETF kräftig zu

Alle drei Monate veröffentlicht die US-Aufsichtsbehörde U.S. Securities Exchange Commission (SEC), wo institutionelle Investoren besonders viel Geld investieren. Beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares gab es im ersten Quartal 2015 einige interessante Verschiebungen zu beobachten. Ende März war ein Drittel der ETF-Besitzer dem institutionellen Lager zuzuordnen. Diese hielten 243 Millionen Anteile im Wert von 9,5 Milliarden Dollar. Als größter Eigner gilt weiterhin mit großem Abstand Paulson & Co., die Investmentfirma des US-Milliardärs John Paulson (siehe Tabelle).

Besitzverhältnisse beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares

Name Anteile abs. Veränderung proz. Veränderung in Mio. USD
PAULSON & CO. INC. 10.234.852 - - 1.202,90
CI INVESTMENTS INC. 6.256.400 6.117.900 4.417,00 735,32
FIRST EAGLE INVESTMENT MANAGEMENT. LLC 4.142.447 372.748 9,89 486,86
CREDIT SUISSE AG/ 4.036.239 3.353.086 490,83 474,38
MORGAN STANLEY 3.442.395 531.542 18,26 404,59
BANK OF AMERICA CORP /DE/ 3.208.710 224.399 7,52 377,12
BLACKROCK ADVISORS LLC 3.000.322 - 337.315 - 10,11 352,63
LAZARD ASSET MANAGEMENT LLC 2.071.616 1.013.129 95,72 243,48
D. E. SHAW & CO.. INC. 2.033.000 2.033.000 (neu) 238,94
UBS GROUP AG 2.001.484 - 311.806 - 13,48 235,23
Quelle: Nasdaq. Stand: 31.03.2015

Doch bereits auf Platz Zwei gab es mit dem kanadischen Newcomer CI Investments eine große Überraschung. Die Kanadier haben ihre Position um mehr als 4.400 Prozent auf 6,256 Millionen Anteile nach oben gefahren. Interessante Bewegungen gab es in der Top Ten der Anteilseigner zudem unter drei großen Banken zu beobachten. So stockte zum Beispiel die Schweizer Credit Suisse ihre Goldposition um 490 Prozent auf 4,036 Millionen Anteile auf und gilt nun als viertgrößter Einzelinvestor beim SPDR Gold Shares.

Deutlich weniger beherzt griffen Morgan Stanley (+18,3 Prozent auf 3,44 Millionen) und Bank of America (+7,5 Prozent auf 3,21 Millionen) zu. Unter den institutionellen Investoren die ihr Goldengagement am deutlichsten zurückgefahren haben befanden sich die in der Finanzwelt bestens bekannten Gesellschaften Blackrock Advisors (-10,1 Prozent), UBS Group (-13,5 Prozent) und JPMorgan Chase (-43,1 Prozent). Noch mehr Informationen zu den Besitzverhältnissen beim weltgrößten Gold-ETF finden Sie hier.

Ausblick für die kommende Woche

In der kommenden Woche dürften sich die Goldinvestoren unter anderem für die zur Veröffentlichung anstehenden Sitzungsprotokolle der Bank of England und der US-Notenbank Fed (beide am Mittwoch) sowie der Europäischen Zentralbank (EZB ) (Donnerstag) interessieren. Hier erhofft man sich Hinweise, ob ein Anheben der Leitzinsen eher früher oder später zu erwarten ist.

Grundsätzlich sollte man allerdings nicht vergessen, dass seit den letzten Notenbanksitzungen einiges passiert ist. Zum einen gab es an den Rentenmärkten heftige Turbulenzen, die auch ohne Zutun der Notenbanken zu einem signifikant höheren Zinsniveau geführt hat. Zum anderen fielen vor allem in den USA die jüngsten Konjunkturindikatoren nicht sonderlich berauschend aus. In einem solchen Umfeld drängt sich die erste Zinserhöhung seit fast zehn Jahren eher nicht auf. Dies kommt auch durch die massive Euro-Erholung zum Ausdruck. Ein schwacher Dollar wird häufig als Vorteil für das gelbe Edelmetall interpretiert. Aber einige in der Vergangenheit gültige Korrelationen funktionieren derzeit nicht so richtig.

Eines lässt sich mit Blick auf Gold allerdings nicht übersehen: In den vergangenen Wochen entwickelte es sich im Vergleich zu Aktien und Anleihen relativ stabil und man ist fast schon geneigt, dies als Beweis relativer Stärke zu interpretieren.

Goldpreis: Stabil und wenig volatil
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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