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Stand: 25.10.2021 von Hannes Zipfel
Mit dem bedeutendsten deutschen Konjunkturindikator, dem ifo-Index, wurden zu Beginn dieser Woche neue Belege für die Stagflation veröffentlicht. In den kommenden Tagen folgen weitere Daten, die Hinweise auf die seltene Kombination aus Stagnation und Inflation geben könnten. Eine Kombination, die in der Vergangenheit stark steigende Goldpreise zur Folge hatte.
Goldpreis & Stagflation: Wichtige Termine dieser Woche

Die wichtigsten Termine in dieser Woche neben dem ifo-Index sind:

  • Di, 26. Okt.: Konjunkturbericht der Deutschen Bundesbank
  • Mi., 27. Okt.: GfK Konsumklima Deutschland
  • Do., 28. Okt.: Verbraucherpreise Deutschland (Inflation)
  • Do., 28. Okt.: EZB-Ratssitzung
  • Fr., 29. Okt.: Bruttoinlandsprodukt Deutschland 3. Quartal

Goldpreis kämpft noch mit Marke von 1.800 Dollar

Zum Wochenauftakt setzt der Goldpreis in US-Dollar erneut zum Angriff auf die psychologisch wichtige Marke von 1.800 US-Dollar pro Unze an und notiert aktuell ganz knapp darüber (Spot-Preis). Am Freitag vergangener Woche scheiterte der erste Ausbruchsversuch über diese Marke an Kommentaren des US-Notenbankpräsidenten Jerome Powell.

Dieser bestätigte den Beginn des Zurückfahrens der Wertpapierkäufe für November dieses Jahres (Tapering). Irritiert waren die Marktteilnehmer von der plötzlichen Einsicht der US-Geldpolitiker, dass die Inflation wohl doch kein vorübergehendes Phänomen sei. Zumindest tauchte diese Formulierung in Powells Statement nicht mehr auf.

Unabhängig von der Rhetorik der US-Notenbank bleibt die Geldpolitik aber extrem locker: einem Leitzins von effektiv 0,08 Prozent p. a. (Effective Fed Funds Rate) steht in den USA eine offizielle Verbraucherpreisinflation von 5,4 Prozent p. a. gegenüber. Die daraus resultierende Differenz zwischen Leitzins und Inflation ist die Höchste in der Geschichte der Fed. Aufgrund der enormen Gesamtverschuldung in Höhe von 84,9 Billionen US-Dollar bzw. 385 Prozent des US-BIP (öffentliche und private Schulden versus Bruttoinlandsprodukt), sind den Notenbankern in Sachen Zinserhöhungen die Hände gebunden.

Anders als während der letzten Phase erhöhter Inflation können sie die Kreditkosten nicht einmal ansatzweise in Richtung der Inflationsrate erhöhen. In dem Maße, wie diese Erkenntnis und der daraus resultierende Kontrollverlust der Fed von den Marktteilnehmern realisiert wird, kann sich der Goldpreis wieder gen Norden orientieren.

Chart

Die wichtigen gleitenden 50- und 200-Tage-Durchschnittslinien sowie das Konsolidierungsdreieck konnte der Goldpreis dabei bereits nach oben überwinden. Die nächsten charttechnischen Widerstände liegen jenseits der 1.800er-Marke bei 1.832 und bei ca. 1.840 US-Dollar pro Unze.

Eine Detailanalyse zur möglichen Goldpreisentwicklung bis Jahresultimo folgt noch in dieser Woche.

Die Stagflation wird Realität

Nicht nur von den Notenbanken gab es hinsichtlich der Manifestierung eines stagflationären Umfeldes bislang viel Skepsis. Auch etliche renommierte Wirtschaftsinstitute bis hin zum Internationalen Währungsfonds (IWF) negierten diese Möglichkeit. Doch die Datenlage verdichtet sich bezüglich der Kombination aus wirtschaftlicher Stagnation und Preisinflation. Das ifo Institut kommt in seiner jüngsten Oktober-Umfrage unter 7.000 Unternehmen aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen für Deutschland zu dem Schluss:

Die Probleme bei der Beschaffung von Rohstoffen und Vorprodukten bremsen die deutsche Konjunktur. Die Industrie erlebt eine Flaschenhals-Rezession.

Der ifo Gesamtindex war mit einem Rückgang von 98,9 Punkten im September auf aktuell 97,7 Punkte das vierte Mal in Folge rückläufig, was per Definition eine Trendwende im Konjunkturzyklus bedeutet. Im Juni dieses Jahres wies der Index noch einen Stand von 101,7 Punkten auf.

ifo Konjunktur-Uhr

Vor allem aus dem für die deutsche Gesamtwirtschaft wichtigen Verarbeitenden Gewerbe kommen durchweg negative Signale. Eine Besserung bezüglich der Lieferkettenproblematik sowie der Knappheit bei Rohstoffen, Materialien und Vorprodukten ist nicht in Sicht. Auch der sich fortsetzende Anstieg der Energiepreise drückt laut ifo Institut auf die Stimmung bei den Produzenten.

ifo Konjunkturumfrage

Aber nicht nur die Industrie, auch der Handel wird pessimistischer. In diesem Bereich ging die Erwartungskomponente ebenfalls erneut zurück. Die Preisinflation fordert hier ihren Tribut, wie die rückläufige Konsumentenstimmung in Deutschland bestätigt, zu der am kommenden Mittwoch neue Daten von der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg (GfK) veröffentlicht werden. Es wird ein Rückgang von 0,3 Punkten auf -0,5 Punkte erwartet.

Inflation steigt weiter

Trotz der wirtschaftlichen Abkühlung schießt die Preisinflation weiter nach oben, auf Ebene der Erzeugerpreise um 14,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und auf Ebene der Konsumentenpreise um 4,1 Prozent. Bei den für kommenden Donnerstag erwarteten Daten zu den deutschen Verbraucherpreisen wird mit einem erneuten Anstieg auf dann 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gerechnet (rote Zahl im Balkendiagramm ganz rechts).

Verbraucherpreise

Und was machen die "Währungshüter"?

Eine halbe Stunde nach Bekanntgabe der aktuellen Inflationsdaten aus Deutschland wird die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag um 14:30 Uhr ihre aktuelle Zinsentscheidung bekannt geben. Veränderungen bei den Leitzinsen in Höhe von aktuell 0,0 Prozent sowie des Einlagenzinssatzes für Banken in Höhe von -0,5 Prozent werden trotz des zunehmenden Teuerungsdrucks nicht erwartet. Der Chefökonom der EZB, Philip Lane, hatte in der vergangenen Woche nochmals betont, dass die EZB bis mindestens zum Jahr 2023 keine Zinserhöhungen plane – Inflation hin oder her.

Spannend für die Sitzung am Donnerstag wird lediglich die Frage, ob das näher rückende Ende des billionenschweren Anleihekaufprogramms PEPP thematisiert wird. Das Pandemic Emergency Purchase Programme läuft im März 2022 aus. Eine Fortsetzung der Gelddruckorgie unter anderem Namen auch nach dem Ende der Pandemie wird von den Vertretern der Südländer im EZB-Rat befürwortet. Mit dem angekündigten Rückzug des scheidenden Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann aus dem EZB-Rat wird die Opposition gegen diese desperate Geldpolitik der EZB schwächer.

Zum Verständnis: auch die EZB würde, wenn sie könnte, eine seriösere Geldpolitik betreiben, die gemäß ihres primären Mandats die Kaufkraftstabilität schützt und Spekulationsblasen verhindert. Sie kann es aber aufgrund der hohen Verschuldung in vielen Staaten der Eurozone nicht – jedenfalls nicht, ohne die Existenz des gemeinsamen Währungsraums und damit ihre eigene Existenz zu gefährden.

Die Sitzung am Donnerstag sowie die anschließende Pressekonferenz mit Präsidentin Christine Lagarde wird somit erneut die Handlungsunfähigkeit der EZB in Sachen Inflationsbekämpfung unter Beweis stellen. Ihre Phrasen zum vorübergehenden Charakter der Inflation verfangen immer weniger – zulasten der Glaubwürdigkeit der "Währungshüter".

Wichtige Daten zum Wochenausklang

In dieser Woche stehen am Freitag mit den Importpreisen, den Einzelhandelsumsätzen sowie dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das dritte Quartal weitere wichtige Daten aus Deutschland auf der Agenda.

Das BIP soll sich bedingt durch Basiseffekte und die im ifo-Bericht genannten Gegenwinde deutlich abkühlen: Nach einer Wachstumsrate auf Jahresbasis in Höhe von 9,8 Prozent im zweiten Quartal soll im dritten Quartal lediglich eine Expansionsrate von 2,4 Prozent erreicht worden sein.

Auch hier macht sich die Stagnation bereits bemerkbar. Für das vierte Quartal werden die Daten dann sehr wahrscheinlich noch eindeutiger in Richtung des Stagnations-Szenarios ausfallen.

Alle marktrelevanten nationalen und internationalen Veröffentlichungstermine für Wirtschaftsdaten in der KW 43 inklusive Vorabschätzungen und historischer Statistiken sind hier einsehbar.

Autor: Hannes Zipfel
Ökonom
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von The Proletarian | 26.10.2021, 14:24 Antworten

Sollte es jemals von mir eine Gedenkmünze geben, so soll sie weder foliert noch lackiert sein! Ich bevorzuge das Original!
Außerdem bevorzuge ich die Entwicklung des Goldpreises gen Süden: Denn dort stehen von mir aus betrachtet die Berge! Haha. Hahahaha-ha. Haha.

von Kapitän | 26.10.2021, 09:48 Antworten

Stand: 25.10.2021 von Hannes Zipfel
Die wichtigsten Termine in dieser Woche neben dem ifo-Index sind:

Di, 26. Sep.: Konjunkturbericht der Deutschen Bundesbank
Mi., 27. Sep.: GfK Konsumklima Deutschland
Do., 28. Sep.: Verbraucherpreise Deutschland (Inflation)
Do., 28. Sep.: EZB-Ratssitzung
Fr., 29. Sep.: Bruttoinlandsprodukt Deutschland 3. Quartal


Wie passt das Zusammen?

1 Antwort an Kapitän anzeigen
von E. K. | 26.10.2021, 19:08 Antworten

Ignorieren ist Momentan bei EZB und FED angesagt - Die Preise steigen nicht nur an der Tankstelle sondern im Ganzen.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"