Stand: 03.09.2019 von Jörg Bernhard 8 Kommentare

Zwei Drittel des Jahres 2019 liegen bereits hinter uns: Zeit für eine Bilanz. Nach Jahren der Stagnation kann man dem Krisenschutz Gold für 2019 ein starkes Comeback attestieren – inklusive einer markanten Outperformance gegenüber Investments in internationale Blue Chips.

Bilanz Goldpreis 2019: Fast 20 Prozent im Plus

So hat sich das gelbe Edelmetall in den ersten acht Monaten auf Dollarbasis um mehr als 19 Prozent und in Euro gerechnet sogar um über 24 Prozent verteuert, während DAX und Dow-Jones in ihrer jeweiligen Landeswährung beide etwas mehr als 13 Prozent (siehe Tabelle) zugelegt haben. 

Auf Sicht mehrerer Jahre sind Aktien zwar deutlich besser gelaufen, in unsicheren Zeiten dürften sich Anleger aber stärker um ihre Aktienquote als ihren Goldanteil sorgen. Finanzmathematische Kennzahlen wie die Volatilität liefern hierfür den besten Beweis.

Die ersten acht Monate 2018 in Zahlen

am 30.08.2019 Performance 2019 52-Wochentief 52-Wochenhoch
Goldpreis in Dollar (Feinunze) 1.520,12 19,3 % 1.181,13 1.553,21
Goldpreis in Euro (Feinunze) 1.383,40 24,2 % 1.012,12 1.398,95
CBOE-Gold-Volatilitätsindex (Prozent) 15,45 14,6 % 7,70 38,56
Dow-Jones 26.403,28 13,2 % 21.712,53 27.398,68
DAX 11.939,28 13,1 % 10.381,51 12.629,90
Quelle: GOLD.DE; wsj.com; cboe.com; Stand: 30.08.2019
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Terminbörsenbetreiber wie die Eurex oder die Chicago Board Options Exchange (CBOE) haben auf diverse Anlageklassen zahlreiche Volatilitätsindizes entwickelt, die auf einen Blick das mit einem Investment verbundene Risiko anzeigen. Solche Volatilitätsindikatoren weisen für den DAX aktuell einen Wert von 17,9 Prozent (VDAX-NEW) und für den Dow-Jones 18,4 Prozent (VXD) aus. 

Zur Erinnerung: Deren Jahrestiefstwerte lagen bei lediglich 12,1 bzw. 9,3 Prozent. In der gegenwärtigen Marktphase kann man ein Goldinvestment nicht nur gefühlt, sondern auch mathematisch belegbar als weniger riskant einstufen als den Kauf der 30 wichtigsten Unternehmen aus Deutschland bzw. den USA. Denn der CBOE-Goldvolatilitätsindex belief sich Ende August auf lediglich 15,5 Prozent, obwohl bei den Risikobarometern auf die Aktienindizes eine Verteilung des Gesamtrisikos auf 30 verschiedene Titel erfolgte.

Massive Zuflüsse beim weltgrößten Gold-ETF

Mittlerweile breitet sich offensichtlich auch unter Anlegern in Nordamerika eine starke Verunsicherung hinsichtlich der Stabilität der globalen Finanzsysteme aus. Dies lässt sich besonders gut an den markanten Kapitalzuflüssen des weltgrößten Gold-ETFs SPDR Gold Shares ablesen, dessen Goldinvestments physisch hinterlegt werden. Allein im August kletterte seine gehaltene Goldmenge um fast 55 Tonnen auf 878,31 Tonnen.

Auch die Monate Juli (plus 29,38 Tonnen) und Juni (plus 50,83 Tonnen) waren von einem starken Goldappetit gekennzeichnet. Per Saldo hat sich in den ersten acht Monaten die gehaltene Goldmenge von 787,67 auf 878,31 Tonnen (+11,5 Prozent) erhöht. Dank der starken Aufwärtsdynamik des Goldpreises war beim Marktwert des "Gold-Vehikels" ein Anstieg von 32,4 Milliarden auf 43,1 Milliarden Dollar (+90,6 Tonnen) registriert worden. Bei einem Goldpreis von 1.500 Dollar entspricht dies einem Marktwert von immerhin mehr als vier Milliarden Euro.

Von einer regelrechten Kapitalflucht kann man gegenwärtig aber noch nicht sprechen, schließlich entsprechen diese vier Milliarden Euro gerade einmal dem Wert des MDAX-Unternehmens 1&1 Drillisch. Bei einer weltweiten Flucht in Gold dürfte der Goldpreis höchstwahrscheinlich noch deutlicher nach oben springen als dies im laufenden Jahr bislang der Fall war.

Ausblick für die laufende Woche

Heimlich, still und leise markierte der Goldpreis in Euro gerechnet ein neues Rekordhoch. Auf Dollarbasis fehlen dem gelben Edelmetall hierfür noch 25 Prozent. Wenngleich das Risiko von Gewinnmitnahmen in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen ist, kann man angesichts der Rezessionssorgen und der damit verbundenen Zinssenkungshoffnung den Goldmärkten eine positive Grundstimmung attestieren.

In den kommenden Handelstagen dürften diverse Konjunkturindikatoren für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen. Einkaufsmanagerindizes aus zahlreichen Ländern sowie die anstehende Flut an US-Arbeitsmarktdaten dürften daher mit Argusaugen beobachtet werden. Los geht's am Donnerstag mit dem ADP-Monatsbericht, dem Challengerbericht über Stellenstreichungen und den wöchentlichen Erstanträgen auf US-Arbeitslosenhilfe.

Das diesbezügliche Highlight dürfte mit dem Augustbericht des US-Arbeitsministeriums zur Lage am US-Arbeitsmarkt am Freitag anstehen. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll die Arbeitslosenrate bei 3,7 Prozent stagnieren und die Zahl neuer Stellen von 164.000 auf 159.000 gesunken sein.

Außerdem wurde für Freitagabend noch eine Rede von Fed-Chef Jerome Powell angekündigt. Langeweile dürfte da an den Goldmärkten kaum aufkommen.

Goldpreis: Starke Bilanz nach acht Monaten
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [8]
  • von Goldhamster | 04.09.2019, 22:50 Antworten

    Liebster Martin,
    viel Feind viel Ehr? Leider widmen Sie mir zu viele Beiträge und auf zu vielen Foren zu. Möglicherweise schmücken sich mehrere Forenschreiber mit diesem Namen. Bezüglich ihrer Zeilen fällt mir ein passendes Zitat von K. Adenauer ein: "Wir leben zwar alle unter einem gleichen Himmel, aber haben nicht alle den gleichen Horizont." In diesem Sinne noch schöne Tage.
    @ Rolf - Der obige Artikel fand meine vollste Zustimmung im Gegensatz zu manchem technischen Anallysten.

  • von Skeptiker der technischen Analyse | 04.09.2019, 10:21 Antworten

    Auszug aus dem hie publizierten Beitrag eines technischen Anallysten. (keine Namen!)

    "Antizyklisches Kaufchance nur bei Rücksetzer an die 200-Tagelinie
    Alle im letzten Jahr empfohlenen Kauflimits liegen weiterhin klar im Plus. Die nächste antizyklische Kaufchance ist allerdings noch nicht in Sicht. Diese wäre erst wieder bei einem Rücksetzer an die immer noch deutlich entfernte 200-Tagelinie (1.090 Euro) gegeben. Gold bleibt daher eine Halteposition." Schade nur wenn die Kauflimits nie (wie auch hier im April) gegriffen haben :-( Anmerkung: Derzeit Gold um 1400€

  • von Goldhamster | 03.09.2019, 15:45 Antworten

    Glückwunsch! Beste Artikel hier bei gold.de. Keine große Kristallkugel und Versuch aus technischer Anallyse mehr als der Rest der Welt wissen zu wollen. Chapeau!

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